Es ist ein Problem, mit dem viele Gemeinden konfrontiert sind: immer weniger Bürger beteiligen sich an den Ortsbürger- und Einwohnergemeindeversammlungen. Die Teilnahmequoten bewegen sich im einstelligen Prozentbereich. Als oberstes Gemeindeorgan bestimmt die Gemeindeversammlung über Budget und andere finanzielle Belange und berät über anstehende Projekte im Gemeindewesen. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die von immer weniger Bürgern wahrgenommen wird. Doch wie lockt man die Stimmbürger wieder in den Gemeindesaal?

Wichtige Themen mobilisieren

Verschiedene Fricktaler Gemeinden haben spezielle Massnahmen ergriffen, um die Anwesenheit zu erhöhen. In Olsberg erhalten Elternpaare mit Kindern ein Beitrag von 20 Franken an die Babysitter-Kosten, wenn beide Elternteile an der Einwohnergemeindeversammlung teilnehmen möchten. Das Angebot gilt auch für alleinerziehende Mütter oder Väter. Laufenburger Bürger werden von der Gemeinde nach der Ortsbürgerversammlung zu einem Nachtessen eingeladen, wenn sie daran teilnehmen. Und Sisseln bietet seinen Stimmbürgern einen kleinen Apéro mit Glühwein vor der Versammlung.

Hat sich die Stimmbeteiligung durch diese Massnahmen erhöht? Lotti Bürgi, Finanzverwalterin der Gemeinde Olsberg, verneint: «Wir bieten diesen Beitrag an den Babysitter seit über 10 Jahren an. Er wird im Durchschnitt von drei bis höchstens sieben Familien beansprucht.» Wichtiger als der Beitrag an den Babysitter sei die Traktandenliste. Stehe ein wichtiges Thema an, so sei die Beteiligung der Stimmbürger an der Gemeindeversammlung höher. Das bestätigt auch der Gemeindeschreiber von Sisseln, Heribert Meier: «Als vor drei Jahren das Traktandum der Sanierung des Hallenbades auf der Traktandenliste stand, war die Stimmbeteiligung sehr hoch.» Der Apéro für die Bürger wurde erst ein Jahr später eingeführt. Es kamen zwar mehr Bürger an die Versammlung als in vorherigen Jahren, jedoch weniger als im besagten Hallenbad-Jahr. Der Apéro sei auch mehr als kleines Dankeschön an die Bürger und weniger als Anreiz gedacht.

Nachtessen als Dankeschön

Auch Walter Marbot, Gemeindeschreiber von Laufenburg, misst solchen Massnahmen weniger einen Anreiz-Charakter zu, obwohl er es schade findet, dass die Stimmbeteiligung immer mehr zurückgeht. «Das Essen ist mehr als ein Dankeschön an die Bürger gedacht.» Notabene: Viele gehen nach der Versammlung nach Hause, ohne am Essen teilzunehmen.