Die Pastoralräume haben im Fricktal einen schweren Stand – man kann auch sagen: Die Halleluja-Rufe blieben bislang mehrheitlich aus. Von den fünf vorgesehenen Pastoralräumen sind erst zwei auf der Zielgeraden: Möhlinbach (AG 18, siehe Grafik) und Region Laufenburg (AG 21).

Pastoralräume im Fricktal

Pastoralräume im Fricktal

Letzterer soll im Januar von Bischof Felix Gmür errichtet werden. Kritik kam nun aber an den Kirchgemeindeversammlungen an den vorgelegten Statuten auf, insbesondere am Konstrukt einer Kirchenpflegenversammlung. Diese sei nicht praktikabel und zu wenig demokratisch. Die Folge: Die Kirchgemeinden Laufenburg und Mettau haben die Statuten abgelehnt; Ittenthal und Sulz haben zugestimmt, Gansingen und Kaisten stimmen noch ab.

Was das für den Pastoralraum bedeutet, ist nicht ganz klar. «Der Pastoralraum als pastorale Grösse kann durch den Bischof errichtet werden, auch wenn die Satzungen des Zweckverbandes erst mit Verzug in Kraft treten», sagte Bischofsvikar Christoph Sterkman nach dem Nein aus Laufenburg zur AZ. Der Wille zur Zusammenarbeit der Kirchgemeinden scheine unbestritten zu sein. «Nach den übrigen vier Kirchgemeindeversammlungen werden wir sicher eine Lagebeurteilung machen, ob die Errichtung des Pastoralraums am 28. Januar auch tatsächlich vorgenommen werden soll.»

Startschwierigkeiten bei AG 20

In den anderen drei Fricktaler Pastoralräumen ist man – noch fast nirgends. Der Pastoralraum AG 19 ist blockiert, da Kaiseraugst nichts davon wissen will. Auch AG 17 ruht. Und bei AG 20, einem der grössten Pastoralräume im Aargau, erweist sich bereits der Start in die Projektphase als erste Hürde.

Sieben Kirchgemeinden mit insgesamt neun Pfarreien sollen AG 20 bilden. Um in die Projektierungsphase starten zu können, stimmen die Kirchgemeinden in diesen Tagen über einen Kredit für die Einsetzung eines Projektleiters ab. 35 000 Franken sind für 2018 budgetiert, aufgeteilt nach Finanzkraft auf die einzelnen Kirchgemeinden. Doch bereits die ersten beiden Kirchgemeinden, Wittnau und Wölflinswil, haben den Kredit klar abgelehnt. Es geht dabei nicht um das Geld, sondern um den Pastoralraum als solchen. Als zu gross wird er angesehen, als zu unpersönlich, als künstliches Konstrukt. Zudem wurde in Wittnau moniert, dass man einen Kredit für die Einsetzung eines Projektleiters genehmigen soll – aber nicht weiss, wer es ist.

Dies stimmt, ist allerdings nur die halbe Wahrheit: Klar ist – und das wurde auch so kommuniziert –, dass entweder Martin Linzmeier, Gemeindeleiter in Gipf-Oberfrick, oder Bernhard Lindner, Gemeindeleiter von Oeschgen, die Projektleitung übernehmen wird. Laut Sterkman soll der Entscheid bis Ende Jahr fallen.

Heute stimmt Kienberg über die Projektierungsphase ab, die anderen Gemeinden folgen in den nächsten Tagen. Wie ist die Stimmung? Pragmatisch-zustimmend bis skeptisch-ablehnend.

In der klar grössten Kirchgemeinde, Frick-Gipf-Oberfrick, ist Kirchenpflegepräsident Markus Schmid «optimistisch», dass der Kreditantrag durchkommen wird. «Eine vermehrte Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien sehe ich positiv», sagt Schmid. Zudem sei es ja erst ein Ja zur Projektierungsphase, nicht zum Pastoralraum; die Abklärungen zu treffen, hält Schmid für sinnvoll. Für ihn macht ein Start ins Projekt auch bei mehreren Neins dann noch Sinn, «wenn wir uns mit dem Start des Projektes mehr Klarheit verschaffen können, wie ein zukünftiger Pastoralraum aussehen könnte» (Text unten).

Deutlich skeptischer ist Linus Hüsser, Präsident der Kirchenpflege Herznach-Ueken. «Ich wäre erstaunt, wenn der Kreditantrag bei uns durchkommt», sagt er offen. Auch in seiner Kirchgemeinde geht es dabei nicht um das Geld, sondern um Grundsätzliches. Um die Grösse, um die Angst, dass die Kirche so unpersönlicher werde. «Wir funktionieren als Seelsorgeverband bereits als eine Art Pastoralraum im Kleinen», so Hüsser. «Die Kirchgemeindeangehörigen wollen, dass es bei dieser Grösse bleibt.»

Zusammen mit der Kirchgemeinde Hornussen-Zeihen, zu der auch die Ortschaften Bözen, Effingen, Elfingen, Gallenkirch und Linn gehören, bilden Herznach und Ueken den Seelsorgeverband Homberg. «Eine ideale Grösse», findet Hüsser. Drei Pfarreien, 2400 Gläubige – «so bleibt es überschaubar und macht Sinn.»

Das sieht das Bistum anders. Über vieles habe man diskutieren können, so Hüsser, nicht aber über die Grösse. Er hat dafür auch ein gewisses Verständnis. Denn ein Nachgeben des Bistums – und damit ein Zustimmen zu einem Mikro-Pastoralraum Homberg – hätte Signalwirkung auf andere Kirchgemeinden, die lieber alleine bleiben wollen.

Marschhalt bei Nein?

Hüsser selber ist nicht begeistert von der Pastoralraum-Idee. Natürlich sehe er auch das Positive, sagt er. So werde die Diakonie gestärkt und die Seelsorgenden könnten spezifischer eingesetzt werden. Und, ja, auch das Dilemma des Bistums kann er nachvollziehen: Dieses muss die pastoralen Räume mit immer weniger Personal abdecken; kaum noch Junge lassen sich zum Priester weihen.

Hüsser befürchtet allerdings, dass in einem grösseren Gebilde die Bürokratie weiter zunehmen wird, dass der «Sitzungs-Wasserkopf», wie er es nennt, zusätzlich aufgebläht wird. Zudem, und das stört ihn auch als Gläubigen: «Die Distanz zu den Seelsorgern wird in einem Pastoralraum grösser sein.»

Das Nein aus Wölflinswil und Wittnau hat Hüsser erwartet. Den Zustimmungswillen in seiner Kirchgemeinde fördere das sicher nicht, ist er überzeugt. Fraglich ist auch, ob Hornussen-Zeihen zustimmen wird. Sollten beide Kirchgemeinden Nein sagen, wären es schon vier von sieben, die nicht ins Projekt starten wollen. Es verblieben dann nur Oeschgen, Frick-Gipf-Oberfrick und allenfalls Kienberg. Für Hüsser ist klar: «Wenn die Mehrheit der Kirchgemeinden Nein sagt, muss es einen Marschhalt geben. Dann macht ein Projektstart keinen Sinn.»

Historiker Hüsser erstaunt die Opposition, die den Pastoralräumen von der Basis her entgegenbrandet, auch aus einer geschichtlichen Perspektive heraus nicht. «Die Pastoralräume werden von oben verordnet und damit hatte der freiheitsliebende Schweizer, der sich eine Basisdemokratie gewohnt ist, schon immer seine Mühe.» Er wolle mitreden und «hasst nichts mehr, als wenn über ihn bestimmt wird».

Wie es bei einer Nein-Mehrheit weitergeht, liess Sterkman letzte Woche gegenüber der AZ offen. Wenn mehrere Gemeinden Nein sagen, würde dies die Projektphase erschweren «und unter Umständen den Projektstart um ein Jahr verzögern», so Sterkman.