Die Musikgesellschaft Kaisten zählt, zusammen mit neun anderen im Jahr 1865 im Aargau gegründeten Formationen, zu den ältesten Musikvereinen im Kanton. Anlass genug für ein Jubiläumsjahr mit Höhepunkten.

Blasmusik und Klavier ist eine eher ungewohnte Kombination. Dennoch bot die Musikgesellschaft Kaisten dieses musikalische Erlebnis an ihrem Jahreskonzert vor viel Publikum, aufgeführt am Freitag und gestern Samstag: Oxana Bychkova, eine ukrainische Pianistin, begeisterte in «Rhapsody in blue», begleitet von den über 30 Kaister Musikantinnen und Musikanten unter der Leitung von Sergej Yemelyanenkov.

Der Dirigent stammt ebenfalls aus der Ukraine und lebt in Basel. Seit bald zwei Jahren ist er musikalischer Leiter in Kaisten und äusserte sich in einem Gespräch mit der «Schweiz am Sonntag» positiv über diese Harmoniemusik, die erfolgreich in der 2. Stärkeklasse auftritt: «Die Stimmung im Verein, die Motivation und der Einsatz der Mitglieder gefallen mir. Der Probenbesuch ist gut und es herrscht Disziplin.»

Die Balance zu finden zwischen dem Niveau der Mitwirkenden und sie zu einem ausgewogenen Korps zusammenzuschweissen, sei seine Aufgabe als Dirigent, wobei auch der menschliche Faktor eine wichtige Rolle spiele, nicht nur das musikalische Können jedes Einzelnen. «Ich habe den Eindruck, dass das bisher bestens unter einen Hut zu bekommen war und sehr gut gelungen ist», so das Fazit des Dirigenten über sein bisheriges Engagement bei der Musikgesellschaft Kaisten, wo seiner Ansicht nach eine gute Durchmischung besteht: «Es hat einige ältere, erfahrene Musikanten in unseren Reihen, daneben viele jüngere. Das passt ganz ausgezeichnet zusammen.»

Die jüngere Generation der Kaister Musikantinnen und Musikanten vertritt etwa die 35-jährige Präsidentin Manuela Merkofer. Sie steht dem Verein vor, weil sie erstens gerne musiziert und zweitens die Kameradschaft dabei pflegen kann. Auf die Frage, wie sie die Zukunft des Vereins sieht, antwortete die Präsidentin: «Wir sind gut aufgestellt, haben ein vorzügliches Einvernehmen untereinander und geniessen als Musikgesellschaft im Dorf ein hohes Ansehen.»

Weiter hielt sie fest: «Wir sind ein aktiver Verein mit Mitgliedern aus drei Generationen, der mit seinen Konzerten, Ständchen und Umrahmungen von kirchlichen Anlässen im kulturellen Leben der Gemeinde bestens verankert ist. So gesehen, sieht unsere Zukunft wirklich rosig aus.»

Trotz fehlender Protokolle ist überliefert, dass die Musikgesellschaft Kaisten am 1. Oktober 1865 zum ersten Mal zu einer Aufführung zusammentrat. Um sich eine musikalische Ausbildung zu verschaffen, zogen die Musikanten damals sonntags zu Fuss nach Herznach, wo ihnen der bekannte Jäger Sepp musikalische Grundbegriffe beibrachte.

Ein fricktalisches Musiktreffen fand bereits 1875 in Kaisten statt, und 1934 wurde dem Verein die Organisation eines kantonalen Musiktages anvertraut. 1946 weihte die Musikgesellschaft ihre erste eigene Fahne ein. Bis dahin mussten sich Männer-, Kirchenchor und Musikgesellschaft ein Banner teilen. Bis 1988 trat die Musikgesellschaft Kaisten als reine Blechformation auf. Unter der Leitung des damaligen Dirigenten,
Simon Merkofer, folgte die Umstellung zur Harmoniemusik. Am Jubiläumsfest dieses Jahr, vom 21. bis zum 23. August, dürfen die Musikantinnen und Musikanten ihre neue Uniform präsentieren.