1979 war es, als Gemeindeammann Hermann Senn das Vorwort in der ersten Ausgabe des Kaister Rückspiegels verfasste. Er schrieb von einer illustrierten Broschüre, die in regelmässigen Abständen erscheint und die Erinnerung an das Dorfgeschehen wachhalten soll.

Messe man das Resultat am Geleitwort 40 Jahre später, so gebe es kaum einen Grund, heute unzufrieden zu sein, sagt Redaktions-Mitglied Urs Müller, der die Dorfchronik mitbegründete und für diese bis heute zur Feder greift. «Der Kaister Rückspiegel ist seinem Auftrag treu geblieben», sagt er anlässlich der Vorstellung des 40. Jahrganges. Die Intention des vierköpfigen Redaktionsteams sei es, einen möglichst repräsentativen Querschnitt des Dorfgeschehens in Wort und Bild festzuhalten, «um etwas Heimat und Zusammengehörigkeitsgefühl zu stiften», so Müller.

Legt man je ein Einzelexemplar aller 40 Jahrgänge zusammen auf eine Waage, so zeigt das Display rund 15 Kilogramm an Dorfgeschichte an. Oder anders: Im Kaister Rückspiegel haben die Chronisten das historische Gedächtnis des Dorfes auf 6298 Seiten niedergeschrieben.

Die Rückblende auf das Jahr 2018 umfasst 136 Seiten und zeigt unter anderem wie die Kaisterin Anika van Hout «mit graziösen Ausführungen» sich zu Gold an den Aargauer Meisterschaften turnte. Natürlich darf das musikalische Highlight des Jahres, der Auftritt des Rappers Bligg, in der Chronik nicht fehlen. «Es gibt ganz neue Special Effects mit vielen drehenden roten und blauen Lichtern, man fühlt sich wie in einem Raumschiff», beschreiben zwei Schulkinder ihre Eindrücke von den Proben.

In die Geschichte eingetaucht

Neben dem Rückblick auf das Jahr 2018 tauchen die Chronisten tief in die Vergangenheit ein. Sie erzählen die Geschichte vom Restaurant Gambrinus, dessen Kegelbahn während des Zweiten Weltkriegs als Munitionsdepot genutzt wurde, und wie die Wirtin Lydia Bäumlin die nasse Kleidung der Soldaten trocknete. Daneben erzählt die im Jahr 2011 ausgewanderte Brigitte Winter von ihrem Leben in Australien und wie sie sich dort neben ihrem Job mit ihrer Schwester um Haus, Hof, vier Pferde und 13 Mutterkühe kümmert.

Gemeindeammann Arpad Major würdigte an der Vorstellung die inhaltliche Konstanz des Kaister Rückspiegels. So habe die Dorfchronik ihren festen Platz in den Bücherregalen und vor allem in den Herzen der Leser gefunden. Gerade im Zeitalter der Globalisierung – oder auch: «Entlokalisierung» – warteten doch oftmals viele Kaister Bürger, die nun in der Ferne wohnten, «voller Ungeduld auf das Erscheinen der Erzählungen und Geschichten aus ihrer Heimat».

Verkauft wird die 25 Franken teure Dorfchronik von Schülern der 5. Klasse vom 30. März bis zum 4. April.