Buch

15 Jahre auf Tessiner Ziegenalp: Dieser Autor musste das Melken lernen

Kurt J. Rosenthaler (M.) stellt sein neues Buch, «Tessin, Monte di Calzo – 15 Jahre auf der Ziegenalp», vor. Ingrid Arndt

Kurt J. Rosenthaler (M.) stellt sein neues Buch, «Tessin, Monte di Calzo – 15 Jahre auf der Ziegenalp», vor. Ingrid Arndt

Kurt J. Rosenthaler hält 15 Jahre auf einer Tessiner Ziegenalp in einem Buch fest.

Hautnah in und mit der Natur lebte der bekannte Rheinfelder Maler, Schriftsteller und Weltenbummler Kurt J. Rosenthaler von 1980 bis 1995 – mit einer kurzen Unterbrechung. Er war stets mehrere Wochen im Frühjahr und im Herbst auf einer Ziegenalp, die oberhalb vom Künstlerdorf Ronco im Tessin liegt.

Er lernte dort melken, käsen und alles, was für einen reibungslosen Ablauf auf einer Alm erforderlich ist. Das Leben da «oben» sei schön und schwer zugleich gewesen mit einem rund 14-stündigen Arbeitsalltag, auch romantisch und abenteuerlich. In den wenigen freien Pausen am Nachmittag zeichnete und schrieb Rosenthaler darüber, seine Gedanken und Eindrücke.

Im vergangenen Jahr begann er, diese Zeit in einem Buch festzuhalten, reich illustriert mit lustigen Episoden, Berichten, einer kleinen Ziegenkunde, mit Haiku-Gedichten, Fotos, faszinierend schönen Aquarellen, Tuschmalereien, mit «Bauchbildern», spontan aus einer inneren Stimmung heraus entstanden.

Am Mittwoch nun stellte er das Buch auf einer gut besuchten Vernissage vor, musikalisch umrahmt vom Chor «Corale Pro Ticino Basilea» und Liedern aus dem Tessin. Anders als geplant waren die druckfrischen Exemplare an diesen Abend noch nicht käuflich zu erwerben. Sie steckten irgendwo auf dem Weg von Bayern nach Rheinfelden fest.

Von Geissen und Ziegen

Stadträtin Béa Bieber begrüsste die zahlreichen Besucher, freute sich über den fast verbindenden Bogen seines nunmehr fünften Buches von den Ziegen auf der Alp zur Ziegenstadt Rheinfelden. «Geissen sind kluge, freche und witzige Tiere», findet Rosenthaler fast liebevoll. Er schreibt über seine ersten, wenig erfolgreichen Versuche, Milch aus der Ziege zu quetschen, von Schmusi und Mufffi, die unterschiedlicher nicht sein konnten, von Tell und Beat, den stinkenden Böcken oder auch dem kleinen Geisslein, das auf den Arm einer frommen Nonne seine übel riechende Hinterlassenschaft platzierte.

Er erzählt vom rollenden Gockel, über Max und Moritz, den kecken Krähen, allerlei Wild und Wildem und vom Leben der Menschen. Die Geschichte vom besonders hübschen Schweinchen Tussinella las Rosenthaler vor, ebenso wie einige seiner Haiku-Verse, eingefangene Stimmungen – «vom Tal aufsteigend verschlingt der hungrige Nebel die ganze Landschaft». Viele Jahre sei er nach 1995 nicht mehr auf der Ziegenalp gewesen, erstmalig wieder im vergangenen Jahr. Von diesem Besuch brachte er eindrücklich schöne Fotos mit, die zeigen, wie es heute dort ausschaut.

Er reiste rund um den Globus

Chris Leemann, langjähriger Freund von Rosenthaler, erinnerte in seiner Laudatio an die vielen, verbindenden gemeinsamen Erlebnisse, an das wunderbare Miteinander, an unvergessene Stunden mit jeder Menge Spass und kontroversen Diskussionen, an all die liebenswerten Besonderheiten, die ihre Freundschaft ausmacht, auch, wie aus einem Kurzbesuch auf der Ziegenalp ein Senn wurde. «Ein Buch, unbedingt zum Anschauen und Lesen», befand er zum Schluss.

Kurt J. Rosenthaler, 1946 in Liechtenstein geboren, wuchs in Rheinfelden auf, lebt jetzt wieder dort. Er studierte Kunst in Basel, Zürich, Haifa und Taiwan, reiste seit seiner Jugend rund um den Globus mit mehrjährigen Aufenthalten in Nordafrika, USA, im Nahen und Fernen Osten. Er ist Schriftsteller, Fotograf, Reiseleiter, Reporter, Stadtführer und Lehrperson, in seinem Atelier entstehen chinesische und japanische Malerein, Kalligrafien, mexikanische Ikonen, Skulpturen aus Naturmaterialien. Seine Ausstellungen sind weltweit zu sehen, mit anderen Kulturen setzt er sich intensiv auseinander.

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