2013 war die damals 13-jährige Maira Zaugg einem grossen Traum in ihrer Gesangskarriere so nah wie nie zuvor – sie schaffte es bei der TV-Castingshow «The Voice Kids» auf Sat 1 bis ins Halbfinale. Was für viele das Ende der Karriere bedeutete, war für Maira Zaugg der Anfang einer grossen Zukunft: Im Frühling bringt sie ihre erste CD auf den Markt.

Musik war schon immer ein wichtiger Bestandteil in Maira Zauggs Leben. Seit sie zum ersten Mal ein Mikrofon in der Hand hielt, wollte sie Sängerin werden. Mit dem Älterwerden wurde sie auch realistischer. Sie begann ernsthaft ihre Zukunft zu planen und zu hinterfragen, ob ihr Kindheitstraum, Sängerin zu werden, wirklich infrage kommt, oder bloss ein Überbleibsel aus kindlichen Träumen und Idealvorstellungen war. Unter anderem um auf diese Fragen eine Antwort zu bekommen, reiste Maira Zaugg im vergangenen Sommer nach Valencia und London und besuchte ein Intensivprogramm am Berklee College of Music (die az berichtete).

Fokus auf die Schule gerichtet

Damals wusste sie noch nicht, wo sie diese Reise hinführen würde. Während ihren Aufenthalten bekam sie beim täglichen Gesangs- und Klavierunterricht und einigen Auftritten einen echten Blick hinter die Kulissen als Musikerin. «Ich habe bei der Arbeit zum ersten Mal am eigenen Körper gespürt, wie hart das Musikbusiness ist», sagt sie heute.

Gesangstalent: Maira covert «Beautiful» von Christina Augilera

Gesangstalent: Maira covert «Beautiful» von Christina Augilera

Trotz der Schattenseiten, die Maira kennen gelernt hat, ist sich die junge Rheinfelderin in einer Sache sicherer denn je: «Die Musik ist mein Leben, meine Zukunft und ich werde alles daransetzen, um meinen Traum verwirklichen zu können.»

Mairas Eltern waren lange Zeit skeptisch, ob ihre Tochter bloss einen Kopf voller Ideen habe oder ob sie diese auch umsetzen könne. So fördern sie ihre Tochter musikalisch zwar, wo sie nur können, setzen aber gleichzeitig eine gute Schulausbildung als Basis für ihre Zukunft voraus. Die letzten Monate schraubte Maira deshalb in der Musik ein wenig zurück und konzentrierte sich mehr auf die Schule. Dieses Jahr wird sie die Bezirksschule in Rheinfelden abschliessen und voraussichtlich an das vierjährige Gymnasium in Muttenz mit dem Schwerpunkt Musik wechseln.

Eigene Songs geschrieben

Dass Maira in den Stunden, in denen sie sich in ihr Zimmer zurückzog, nicht immer nur brav lernte, ist ihren Eltern schon bewusst. Sie nutzte die auftrittsfreien Monate neben dem Lernen, um Songs zu schreiben und somit ihr Repertoire an eigenen Liedern zu erweitern. Und dann passierte das, was sich wohl jeder Musiker wünscht: Maira bekam die Chance für die Produktion einer EP (eine CD mit rund fünf Liedern). Ohne genau zu wissen, worauf sie sich einliess, willigte Maira ein und stürzte sich damit Hals über Kopf in ein neues Kapitel in ihrem Leben: Die Verwirklichung ihrer ersten eigenen CD.

Die Zeit ist knapp, denn bevor auch nur ein Lied stand, war das Datum für den «Release-Auftritt» gesetzt. Am 1. Mai soll die CD zum «Kultimultimärt» (früherer Festival der Kulturen) in Rheinfelden herauskommen.

Ziel ist es, die Kosten möglichst niedrig zu halten, sodass sich die CD selbst finanzieren kann. Die junge Sängerin fragte Musiker aus ihrem Bekanntenkreis an, die ihre Songs instrumental begleiten. «Besonders gefreut hat mich die Zusage von Sam Barnett, einem erst 13-jährigen Saxofonisten aus London. Er war zur gleichen Zeit wie ich in Valencia und wir haben uns von Anfang an gut verstanden.» Die mitwirkenden Musiker sind zwar, was Nationalität und Herkunft angeht, völlig unterschiedlich, kennen sich teilweise nicht einmal, haben aber eine Gemeinsamkeit: Sie sind jung und stehen noch ganz am Anfang ihrer Karriere. Das Budget habe keine Berufsmusiker zugelassen, aber das wollte Maira sowieso nicht. «Ich arbeite bewusst mit gleichaltrigen Musikern. Das macht dieses Projekt umso spannender.»

Neben der Koordination der Musiker pusht Maira Zaugg ihre CD im Vorverkauf, und arbeitete natürlich ununterbrochen an den eigenen Liedern.

Musik zur Selbstfindung

Mairas neue Lieder sind etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil sie sowohl Pop, wie auch Jazz und brasilianische Klänge enthalten. Die englischen Texte beschreiben sehr ehrlich und authentisch die Welt aus der Sicht eines jungen Mädchens. «Meine Lieder drehen sich um meine Welt und mich, sind quasi die musikalische Ausgabe von mir. Ich verarbeite Dinge aus meinem Leben wie Schönheitsideale, Tod oder die Liebe in meinen Songtexten.» Die Musik dient Maira auch als eine Art Selbstfindung.

So möchte sie einen Bezug zu ihren brasilianischen Wurzeln herstellen. «Meine Mutter ist zwar Brasilianerin und ich bin auch durchaus mit dieser Kultur vertraut. Mit der brasilianischen Musik konnte ich aber lange nichts anfangen. In einigen Liedern setze ich mich nun bewusst mit Brasilien, und damit mit einem Teil von mir auseinander.»

Wo Mairas Weg sie noch überall hinführen wird, weiss im Moment niemand. Dass hinter all dem Tatendrang tatsächlich mehr steckt, als bloss ein Kopf voller Ideen, hat Maira jedoch schon eindrücklich demonstriert.