Was die az bereits berichtete, ist nun offiziell: Das Richtplanverfahren zu den Deponie-Standorten im oberen Fricktal wird gestoppt. Das teilt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) mit. Die in den Gebieten «Buech» (Herznach), «Breiti« (Hornussen), «Förlig» (Bözen) und «Hersberg» (Wegenstetten) geplanten Deponien für sauberes Aushubmaterial sind auf zu viel Widerstand gestossen.

Hauptgrund für den Entscheid sei die grosse Anzahl an «praktisch durchweg kritischen bis ablehnenden» Eingaben im Mitwirkungsverfahren, heisst es weiter. Über 1400 Eingaben waren es insgesamt, fast 1000 allein gegen den Standort Herznach, der als erster umgesetzt worden wäre. Aber auch zu allen anderen Standorten gingen – meist negative – Rückmeldungen ein.

«Die Anzahl Eingaben ist ausserordentlich hoch und für eine Teiländerung des Richtplanes bisher einmalig», sagt Bernhard Fischer, stellvertretender Leiter der Abteilung Raumentwicklung des BVU. «Die Aussicht auf ein Ja bei einer allfälligen Abstimmung über die Aufnahme der Standorte in den Richtplan und noch mehr in die Nutzungsplanung der Gemeinden war somit sehr, sehr gering.»

Erleichterte Deponie-Gegner

Lautester Gegner im Kampf gegen die Deponien war der Verein «Erhalt Buech» mit Präsident Max Sterchi. Rund 900 Schreiben an den Kanton tragen die Vereinshandschrift und basieren auf einer Mustervorlage des Vereins. Sterchi zeigt sich entsprechend erleichtert über den Entscheid: «Dafür haben wir fast zwei Jahre gearbeitet. Unsere Anstrengungen haben sich gelohnt.» Bei aller Erleichterung wolle er aber auch in Zukunft «wachsam bleiben», sagt Sterchi.

Auch er weiss: Die Suche nach Deponiestandorten im Fricktal geht nun von Neuem los. Der Kanton will gemeinsam mit dem Planungsverband Fricktal Regio, der die Suche koordiniert, ein neues Verfahren starten. Kanton und Verband sind sich einig darüber, dass «ein Mangel an Deponiemöglichkeiten besteht», wie Fischer sagt. Je nach Berechnung könnten schon ab 2020 sämtliche Deponien in der Region voll sein, dann bliebe nur der Abtransport in Deponien etwa im Elsass. «Ein gewisser Druck ist da», so Fischer.

Noch im Frühjahr möchten Kanton und Planungsverband deshalb eine Auslegeordnung machen – mit bestehenden und möglichen Standorten. «Zum heutigen Zeitpunkt lässt sich nicht sagen, ob einer der vier Standorte wieder zum Thema wird», sagt Fischer. «Wir müssen ergebnisoffen an die Thematik herangehen.»

Früher und breiter informieren

Bei der neuen Suche müsse nicht bei null begonnen werden. Das Mitwirkungsverfahren habe nicht nur das Ausmass des Widerstands gezeigt, sondern auch «weitere Erkenntnisse» gebracht, sagt Fischer. So habe sich unter anderem gezeigt, dass der Schwerverkehr für die Bevölkerung ein wichtiges Thema sei. «Die verkehrstechnische Erschliessung muss daher entsprechend gewichtet werden.»

Auch Fricktal-Regio-Präsident Christian Fricker sieht Verbesserungspotenzial: «Teilweise wurde mit und in den Gemeinden wohl zu spät kommuniziert. Die Leute fühlten sich überfahren.» Es gelte daher, früher und breiter zu informieren. Ausserdem wolle man Ängsten in der Bevölkerung «proaktiver begegnen», sagt Fricker und betont: «Es war und ist so, dass die Gemeindeversammlungen das letzte Wort haben.»