Gesucht wird: Wirt. Im Fricktal sind aktuell 13 Gasthäuser geschlossen und suchen einen neuen Pächter oder einen Käufer. Das zeigt eine Umfrage der az bei den Fricktaler Gemeinden.

Eines der Häuser, an dem seit längerem «Heute geschlossen» steht, ist das Restaurant Schwert in Schupfart. Es gehört der Schwert-Bühlmatt-Genossenschaft.

Ende März hat der letzte Pächter dichtgemacht. Seither läuft die Suche nach einem Nachfolger – bislang erfolglos. «Wir hatten zwar mehrere Interessenten», sagt Pius Beck vom Genossenschaftsvorstand. «Doch es hat leider nie gepasst.» Entweder fehlte den Interessenten das Geld, die Erfahrung oder ein überzeugendes Konzept.

«Ohne eine klare Strategie funktioniert ein Restaurant auf dem Land nicht», ist Beck überzeugt. Ein «Wir haben offen»-Schild reicht heute nicht (mehr), um die Gaststube zu füllen. «Die gesellschaftlichen Gewohnheiten haben sich geändert», konstatiert Beck. Die Grenzproblematik mit dem tiefen Eurokurs und verschärfte gesetzliche Rahmenbedingungen haben das ihre zum Gästeschwund beigetragen.

Mit Herzblut zum Erfolg

Reich, das ist sich Beck bewusst, wird man heute mit einer Landbeiz ohnehin nicht mehr. «Aber mit dem richtigen Konzept und dem nötigen Feuer reicht es gut zum Leben.» Zum richtigen Konzept gehört für Beck, dass ein Wirtepaar das «Schwert» übernimmt. «Wirtet jemand alleine und muss einen Koch einstellen, sind die Kosten zu hoch.»

Zum «nötigen Feuer» zählt Beck, dass der Wirt einen Super-Job macht und mit Leib und Seele Gastgeber ist. Nur dann kämen die Gäste wieder, nur dann spiele die Mund-zu-Mund-Propaganda. Und die ist gerade auf dem Land wichtig, denn: «Von den Schupfartern alleine kann das ‹Schwert› nicht leben.»

Wie es funktionieren kann, zeigt Denise Herzog-Senn. Vor zweieinhalb Jahren hat sie in Kaisten in einem ehemaligen Laden das Café Cassiopeia mit integrierter Boutique eröffnet. Nicht wenige hielten den Schritt für gewagt – doch das Konzept ging auf: Das Café läuft seit dem ersten Tag blendend.

Was ist das Erfolgsgeheimnis? Denise Senn-Herzog muss nicht lange überlegen. «Man muss den Leuten etwas Aussergewöhnliches bieten», sagt sie, «und man muss die Menschen gerne bewirten.» Die Kombination aus beidem, dieses Wow-Wohlfühl-Gefühl sorgt mit dafür, dass die Kunden schnell zu Stammgästen werden und dass stets neue hinzukommen.

Nicht bei allen Neueröffnungen läuft es so rund wie in Kaisten. In den letzten drei Jahren wurden im Fricktal elf Gaststätten (wieder-)eröffnet. Fast ein Drittel davon kämpft – oder hat schon wieder aufgegeben. Insgesamt haben seit 2012 mindestens 17 Restaurants dichtgemacht. Die einen, weil es ihnen nicht lief; andere, weil sie keinen Nachfolger fanden. Dritte, weil sie erschöpft waren oder gesundheitlich angeschlagen.

Enorme Präsenzzeiten

«Als Wirt hat man eine gewaltige Präsenzzeit. Das wollen viele nicht mehr in Kauf nehmen», weiss Hannes Burger, Präsident des Museumsvereins Schiff in Laufenburg. Als der Verein vor bald vier Jahren einen neuen Steuermann für sein «Schiff» suchte, war Burger anfangs «sehr optimistisch». Die Zuversicht sank mit jedem Interessenten, der kam – und absagte. «Oft scheiterte es am Geld.» Heute hat die Narro-AltFischerzunft das Restaurant mit integrierter Zunftstube gepachtet.

An die «enormen Präsenzzeiten» seiner Frau erinnert sich auch Kurt Birri zurück. Gut 30 Jahre lang führten Erika und Kurt Birri den «Frohsinn» in Zeihen. Letzten Sommer schlossen sie das Restaurant – aus gesundheitlichen Gründen und weil sich die gesellschaftlichen Gewohnheiten zuungunsten der Gastrobetriebe verändert hatten. «Der Stammtisch, so wie es ihn früher gab, existiert nicht mehr», sagte Erika Birri Anfang Jahr zur az.

Seitdem steht der «Frohsinn» zum Verkauf. Es seien zwar mehrere Interessenten da gewesen, so Kurt Birri, «doch meist fehlte es ihnen an einem: Geld.» Weiter wirten wollten indes die wenigsten der Interessenten. Dass der «Frohsinn» dereinst wieder als Gaststätte Frohsinn verbreitet, glaubt Birri weniger. Eine Chance für einen Weiterbetrieb als Restaurant sieht Birri allenfalls, wenn jemand ordentlich Geld hat – die Banken geben Restaurants kaum mehr Kredite –, eine zündende Idee «und wenn er für das Geschäft lebt».

Gesucht wird: der Super-Wirt.