Fricktal
13 Fragen und Antworten zum slowUp: Gilt die Promillegrenze auch auf dem Velo?

Der slowUp Hochrein geht in seine 13.Runde. Die az nimmt es als Glückszahl – und liefert 13 Antworten.

Thomas Wehrli
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Einbahnverkehr: Am slowUp Hochrhein ticken alle gleich – und sie tun es im Gegenuhrzeigersinn. Das hat topografische Gründe.archiv/psc

Einbahnverkehr: Am slowUp Hochrhein ticken alle gleich – und sie tun es im Gegenuhrzeigersinn. Das hat topografische Gründe.archiv/psc

Peter Schütz

Jetzt schlägt es 13: Am Sonntag rollt der slowUp Hochrhein bereits zum 13. Mal durch die Region. Wieder werden Tausende die 32 Kilometer lange Strecke beidseits des Rheins unter die Füsse, oder besser: unter die Räder nehmen. Die az liefert, passend zur 13. Ausgabe, 13 Fakten rund um den slowUp, die man schon immer mal wissen wollte.

1. Die wichtigste Frage vorweg: Wie wird das Wetter am Sonntag?

«Wetterprophet bin ich leider nicht», lacht Wendel Hilti, der zusammen mit Helene Häseli die slowUp-Geschäftsstelle führt. «Aber die Prognosen sind gar nicht einmal schlecht.» Hilti weiss: Das Wetter ist matchentscheidend. Ist es gut, wie im letzten Jahr, drehen bis zu 30 000 Leute ihre Runden. Im Dauerregenfall dagegen ist es nur die Hälfte. «Buchstäblich ins Wasser gefallen, ist der slowUp bislang zum Glück nie», so Häseli. «Holz alänge», sagen wir dazu.

2. Falls es doch regnet: Schlägt dann die Stunde der Schirm-Fahrer?

«Um Himmels willen», sagt Häseli. 32 Kilometer einhändig zu fahren, «das macht nun wirklich keinen Spass». Abgesehen davon, «ist es verboten, mit dem Schirm in der Hand Velo zu fahren».

3. Dann eben ohne. Aber weshalb geht es im Gegenuhrzeiger-Sinn auf die Runde? Wir Schweizer ticken doch gerne wie eine Uhr.

Philosophisch könnte man antworten: Weil die Zeit in der Zeit der slowUp-Zeit zeitlos sein soll. Tönt gut? Heisst aber wenig – und ist nicht der Grund. Dieser ist um einiges pragmatischer: Im Gegenuhrzeiger-Sinn wird aus topografischen Gründen gefahren. Denn in
badisch Laufenburg gibt es eine kurze, aber recht steile Rampe. «Es ist sicherer, wenn man diese hochfahren muss, als wenn man sie hinuntersaust», erklärt Häseli. Gerade auch, weil viele Kinder und ungeübte Velofahrer mit dabei sind.

4. Der giftige Aufstieg hat es in sich. Gibt es oben einen Bergpreis?

«Da müssen wir passen», sagt Hilti. Aber immerhin: Einer der neun Festplätze liegt nicht weit entfernt; da kann sich erholen, wer arg aus der Puste gekommen ist.

5. Noch besser: Man kommt mit dem E-Bike und pedalt locker an allen Sich-keuchend-Abstrampelnden vorbei. Ist das erlaubt?

E-Bikes sind erlaubt – sogar die schnellen, die bis zu 45 Kilometer pro Stunde auf den Tacho bringen. Das sei heikel, weiss Hilti, und das Thema sorge bei den 19 slowUps, die schweizweit ausgetragen werden, immer wieder für Diskussionen. Zum einen, weil es dem slow-Gedanken widerspricht. Aus diesem Grund sind auch Rennradfahrer, die auf Tempo fahren wollen, nicht gerne gesehen. «Der slowUp ist ein Fest der Langsamkeit und keine Rennstrecke», sagt Hilti. Zum anderen sorgen 45-km/h-E-Bikes für Diskussionen, weil es immer wieder Fahrer gibt, die keine Rücksicht nehmen und Tempo bolzen. «Beim slowUp Hochrhein hatten wir bislang zum Glück nie grössere Probleme», sagt Häseli. Dass dereinst die schnellen E-Bikes verboten werden, «kann ich mir aber durchaus vorstellen». Auf jeden Fall gilt – und dies nicht nur für E-Bike-Fahrer: Helm auf!

6. Gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Strecke?

Keine solwUp-spezifische; es gelten die ausgeschilderten Tempolimiten. Das heisst: ausserorts nicht schneller als 80 km/h. Aber da wären wir wieder beim slow-Gedanken ... Die Altstadt von Laufenburg darf demnach mit maximal 20 km/h passiert werden. Aber keine Angst: Geblitzt wird nicht.

7. 32 Kilometer ziehen sich. Gibt es einen Besenwagen, falls ich nicht mehr trampen mag?

«Das ist nicht praktikabel», lacht Hilti. Er hat für die Ermüdeten zwei Tipps: Die Strecke abkürzen. «Das empfehlen wir zwar nicht, aber es ist an mehreren Stellen möglich», sagt Häseli. Rund fünf Kilometer spart, wer von Sisseln direkt durch den Hardwald fährt und nicht den Bogen über Eiken und Kaisten macht. Ein Kilometer kürzer wird die Strecke, wenn man nach der Holzbrücke in Stein auf direktem Weg nach Sisseln fährt. Zweiter Tipp: Mach mal Pause; neun Festplätze bieten dazu reichlich Gelegenheit.

8. Das tönt nach Herbert Grönemeyer und sein: «Alkohol ist dein Sanitäter in der Not.» Fliesst viel Bier?

«Wenig, wenn man mit anderen Festanlässen vergleicht», weiss Hilti. Das hat vorab drei Gründe: Erstens findet der slowUp an einem Sonntag statt und
die Beizen schliessen, zweitens, bereits um 17 Uhr. Drittens ist es ein Familienfest. «Wir hatten noch nie ein Problem, dass jemand betrunken unterwegs war», sagt Häseli.

9. Nur für den Fall der Fälle: Gilt die 0,5-Promille-Grenze eigentlich auch fürs Velofahren?

«Diese Grenze gilt auch für Velofahrer», sagt Werner Bertschi, Chef der Polizei Oberes Fricktal. Da stellt sich die Nachfrage: Wird «Alkohol am Lenker» beim slowUp kontrolliert? «Es wird sicherlich keine systematischen Alkoholkontrollen von Velofahrern geben am slowUp», so Bertschi. «Wir behalten uns allerdings vor, bei entsprechenden Feststellungen im Einzelfall mal eine Kontrolle durchzuführen.»

10. Droht mir, falls ich mit zu viel Promille auf dem Velo erwischt werde, ein Führerausweisentzug?

Nein, der Führerausweis wird nicht automatisch entzogen, wenn man mit mehr als 0,5 Promille unterwegs ist. «Bestehen jedoch Hinweise auf ein Alkoholproblem, werden durch das Strassenverkehrsamt die weiteren notwendigen Abklärungen durchgeführt», so Bertschi. In Deutschland hingegen gibt es eine klare Fahrrad-Promille-Grenze: Sie liegt bei 1,6 Promille. Wer mit mehr erwischt wird, muss den Führerausweis abgeben, wird gebüsst und bekommt drei Punkt in Flensburg. Gratis gibt es noch ein Supplement dazu: einen grausamen Kater.

11. Besagter Kater hat mit dem Bootsfahren eines gemeinsam: Alles schwankt. Kann ich dieses Gefühl am slowUp wieder auf der Fähre erleben?

Nein, das Angebot haben die Verantwortlichen ganz gestrichen. Der Grund ist nicht, dass sich niemand übersetzen lassen wollte, im Gegenteil: «Die Fähre war stets sehr gut besetzt», so Häseli. Doch: «Der Aufwand, die Fährstationen einzurichten, war jeweils recht hoch.» Und des Öftern war er vergebens, denn man konnte nicht fahren. Weil der Rhein zu wenig Wasser führte. Oder zu viel, wie derzeit ebenfalls. In diesem Jahr wäre der Fährbetrieb also ohnehin ins Wasser gefallen.

12. Was mache ich bei einer Velopanne?

Die Panne beheben. Wer dies nicht selber kann (oder will), kann sich an eine der vier Reparaturstellen auf der Schweizer Seite wenden. Auf deutscher Seite gibt es diesmal, anders als im slowUp-Magazin publiziert, «leider keine Velowerkstatt», bedauert Hilti. Es bleiben dem auf deutschem Grund Gestrandeten somit nur zwei Optionen: Schieben oder hoffen, dass jemand hält, der Werk- und Flickzeug dabei hat. «Die Hilfsbereitschaft unter den Teilnehmern ist hoch», weiss Häseli zu beruhigen.

13. Und wenn ich als Fahrer eine «Panne» habe?

Dann helfen zwölf Sanitätsposten entlang der Strecke weiter. «Sie haben jeweils zum Glück recht wenig zu tun», sagt Hilti. Der slowUp blieb bislang von schweren Unfällen verschont.
Gefragt ist an den Sanitätsposten vor allem eines: ein Pflaster.