Schulhausleitung
12 Abgänge in drei Jahren: Braucht Möhlin eine Re-Organisation der Schule?

Eine Entlassung und ein anonymer Brief werfen Fragen zur Schulorganisation auf. Was sind wirklich die Gründe, dass zwei weitere Leiter die Schule verlassen?

Nadine Böni
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Baustelle Schule Möhlin: Zwei Schulhausleiter verlassen die Schule Möhlin – und entfachen eine Diskussion um die Schulorganisation. (Archiv)

Baustelle Schule Möhlin: Zwei Schulhausleiter verlassen die Schule Möhlin – und entfachen eine Diskussion um die Schulorganisation. (Archiv)

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An der Schule Möhlin brodelt es weiter. Ein Dutzend Schulhausleiter verliessen die Schule in den vergangenen drei Jahren. Die neueste Eskalation: Zwei weitere Schulhausleiter gehen. Sonia Gervilla – seit Dezember krankgeschrieben – verlässt das Schulhaus Storenboden, und auch der Fuchsrain-Schulhausleiter geht.

Beide wurden erst im vergangenen August eingestellt. Gervilla habe eine «einmalige Gelegenheit erhalten, sich weiterzuentwickeln», hiess es in der Mitteilung der Schulpflege vom Mittwoch. Mit dem Schulhausleiter des Fuchsrain, der anonym bleiben will, sei man sich uneinig über «Vorstellungen und Ansprüche an die Funktion eines Schulhausleiters».

Loyalität verletzt?

Verschiedene Dokumente, die der Redaktion zugespielt wurden, bringen nun etwas Licht ins Dunkel. Daraus geht hervor, dass die Schulpflege dem Schulhausleiter eine Loyalitätsverletzung vorwirft. «Der Schulhausleiter hat seinen Unmut über Entscheidungen aus Gesprächen, die wir als Anstellungsbehörde mit ihm führten, in der Schule kommuniziert», erklärt Schulpflege-Präsident Stephan Müller.

Der Schulhausleiter selber hat sich gemäss einem der az vorliegenden Brief an Müller bei der Schulpflege für «allfällig gemachte Fehler» entschuldigt. «Die angeblich gemachte Loyalitätsverletzung entstand aus meiner Enttäuschung heraus und ohne weitere Absichten», heisst es im Brief vom 17. März.

Ein Rückkommensantrag des Schulhausleiters wurde von Schulpflege und Gesamtschulleitung dennoch abgelehnt. Der Leiter behält sich rechtliche Schritte gegen die Kündigung vor. «Die Voraussetzungen für eine rechtmässige Kündigung sind gegeben», sagt Müller.

Zentrale Leitung in der Kritik

Die angebliche Loyalitätsverletzung ist allerdings nicht der einzige Grund für die Kündigung. Der Schulhausleiter habe eine andere Auffassung über die Organisation der Schule, sagt der neue Gesamtschulleiter Renato Burget, ohne weiter ins Detail zu gehen.

Die Forderungen, die jetzt zur Trennung mit dem Schulhausleiter geführt hätten, seien nicht neu, heisst es derweil in einem anonymen Brief: «Eine zentralistische Schulverwaltung ist passé. Weil die dramatisch zugenommenen Elternreklamationen und disziplinarischen Probleme Ressourcen verlangen, die nicht mit einer Gesamtschulleitung und nicht in Büros im Elfenbeinturm gelöst werden können. Sie verlangen Ressourcen vor Ort, um so schnell und unbürokratisch agieren zu können.» Das heisst es in dem anonymen Brief, gezeichnet von «drei langjährigen Lehrerinnen».

Tatsächlich kennen sowohl Schulpflegepräsident Stephan Müller als auch Gesamtschulleiter Burget die Forderung nach autonomeren Schulhausleitern und Sekretarien in den einzelnen Schulen. «Seit Jahren steht dieses Thema immer wieder zu Diskussion», sagt Müller. Bei der Schulpflege und in der Gesamtschulleitung ist man allerdings zum Schluss gekommen, auf eine Reorganisation vorerst zu verzichten.

Schulhausleiter entlastet

«Die Idee ist aber nicht gänzlich verworfen», sagt Müller. Man wolle die Resultate des Projekts «Retorno» abwarten. Dieses habe zum Ziel, die Prozesse der internen Schulorganisation zu analysieren und neue, einfachere Abläufe zu definieren. Im Dezember sind die ersten Ergebnisse des Projekts zu erwarten.

Gesamtschulleiter Burget will nun daran arbeiten, dass der seit Jahren währende Knatsch um die Möhliner Schule ein Ende findet. Seit eineinhalb Jahren war die Position des Gesamtschulleiters vakant.

«Was ich jetzt von den Schulhausleitern höre, ist, dass sie sich durch meine Anstellung und damit die Besetzung der Vakanz entlastet fühlen», sagt Burget. Er will mit dem bestehenden Team «etwas Langfristiges» aufbauen. Die Wechsel auf der Schulhausleiterposition sollen abnehmen.

Den Kommentar von Thomas Wehrli lesen Sie HIER.