Heraklit, ein vorsokratischer Philosoph aus Ephesos, kannte Laufenburg natürlich nicht, doch sein Spruch, der nun auf dem kleinen Plakat am Schaufenster der Bäckerei Maier in der Marktgasse prangt, ist wie für Laufenburg geschrieben: «Nichts ist so beständig wie der Wandel», steht da, und das musste die Altstadt in den letzten 50 Jahren schmerzlich erfahren.

Wo früher bis zu fünf Bäckereien und vier Metzgereien gleichzeitig um Kunden warben, wo Apotheker, Papeterist und Lebensmittelhändler ganz gut geschäfteten, ist eine einzige Bäckerei geblieben – und auch diese schliesst heute Samstag für immer ihre Türen: Die Betriebsferien setzen gleichzeitig den Schlusspunkt unter ein fast 120-jähriges Kapitel Firmengeschichte.

Die Familie Maier hat entschieden, ihre Filiale in der Marktgasse nicht mehr weiterzubetreiben. «Der Entscheid ist uns megaschwer gefallen», sagt Roman Maier, schliesslich handle es sich bei der Marktgasse um das Stammhaus des Familienbetriebs. 1898 war es, als seine Ururgrosseltern in der Marktgasse die Beckdynastie begründet haben.

Man habe lange mit sich gerungen, sagt Maier. Weil der Laden ein Stück Familiengeschichte, vielmehr: ein Stück Familie ist. Und weil es der Familie wichtig war, diesen Mehrwert für die Altstadt aufrechtzuerhalten. Das tat man lange, auch dann noch, als fast alle anderen die Segel schon gestrichen hatten oder an die Peripherie gezogen waren; selbst dann noch, als die neue Rheinbrücke ab 2005 nochmals für einen Umsatzrückgang sorgte, da sich seither der Grenzverkehr nicht mehr durch die engen Gassen der Altstadt quälen muss. Das hat zwar viel Lebensqualität gebracht, die letzten verbliebenen Geschäfte aber auch Kundschaft gekostet.

Maier betreibt acht Filialen

Vor eineinhalb Jahren entschied sich die Familie Maier aufgrund der Entwicklung, die Altstadt-Filiale nur noch am Morgen zu öffnen. Ein Kompromiss zwischen Familientradition und Betriebswirtschaft, eine Reminiszenz an die (eigene) Geschichte. «Doch irgendwann muss man so ehrlich mit sich selber sein und sagen: Betriebswirtschaftlich rechnet es sich nicht mehr.» Man habe lange überlegt, wann der richtige Zeitpunkt sei, sagt Maier. «Wir müssten jetzt in den Laden investieren und nahmen dies zum Anlass, ihn zu schliessen.» Eine Verkäuferin verliert so ihre Stelle.

Reagiert hat die Familie auf die Entwicklung in der Altstadt schon vor gut 15 Jahren: Sie verlegte ihr Hauptgeschäft an die Baslerstrasse, dorthin, wo die Familie seit Urzeiten schon ein Café betreibt. Die Backstube blieb damals noch im verwinkelten Altstadthaus, bis 2009, als man aus Platz- und Logistikgründen einen geräumigen Neubau am Stadtrand erstellte. «Es waren wichtige und richtige Entscheide», sagt Roman Maier im Rückblick, das habe dem Betrieb ermöglicht, zu wachsen. Heute betreibt die Familie acht Filialen im Fricktal und in den angrenzenden Regionen.

Ganz verschwindet die Bäckertradition nicht aus der Altstadt. Die Marktgasse bleibt die Firmenzentrale. «Auch das Bäckereischild bleibt hängen», sagt Roman Maier. Was mit dem leeren Laden passieren soll, weiss die Familie noch nicht definitiv. Eine Vermietung ist für Maier ebenso eine Option wie, je nach Entwicklung der Altstadt, in einigen Jahren dort auch selber ein neues Konzept zu realisieren. Eine alte Tradition transferiert man zudem von der Marktgasse an die Baslerstrasse: Das Geschäft öffnet dort ab August bereits um 5.30 Uhr.

Stadt bedauert Schliessung

Mit der Bäckerei verliert die Altstadt einen der letzten Läden. «Das ist ein grosser Verlust, den ich sehr bedaure», sagt Stadtammann Herbert Weiss. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen könne er den Entscheid verstehen, so Weiss. «Er läuft aber natürlich unseren Bestrebungen, mehr Attraktivität in die Altstadt zu bringen, entgegen.» Herbert Weiss stockt, fügt dann noch an: «Ein Geschäft kann nur überleben, wenn es auch genutzt wird.»

Heraklit, der alte Grieche, würde da nur sagen: Panta rhei, alles fliesst.