Rheinfelden

100 Frauen demonstrierten vor dem Rathaus – und stellten Forderungen an den Stadtrat

Knapp 100 Frauen trafen sich vor dem Rheinfelder Rathaus, um den Worten der Streikorganisatorinnen zu lauschen.

Die pinken Ballons sollen ein Umdenken bewirken. Die Rheinfelder Frauen stellten Forderungen an die Politik – mit einem eigenen Rheinfelder Manifest.

Den lautesten Applaus erhielten die Rheinfelder Stadthostessen. Sie sollen künftig an städtischen Anlässen als Gastgeberinnen auftreten – und nicht mehr als «wortlose Flankierung neben das Rednerpult positioniert werden», wie es Béa Bieber, ehemalige Stadträtin (GLP), ausdrückte.

Bieber hat gemeinsam mit fünf Frauen der SP, Grünen, CVP und IP (integralen Politik) verschiedene Programmpunkte zum Frauenstreik in Rheinfelden organisiert. Gemeinsam mit knapp 100 Frauen demonstrierten sie am Freitagnachmittag vor dem Rathaus für die Gleichstellung der Geschlechter, gegen Sexismus und Diskriminierung. Brigitte Rüedin, ehemalige SP-Stadträtin und ebenfalls Mitorganisatorin, erinnerte dabei auch an den letzten Frauenstreik 1991. Dieser habe einiges bewirkt, sagte Rüedin und erwähnte unter anderem an den Mutterschaftsurlaub. «Dennoch stagniert die Gleichstellung», so Rüedin. Es sei daher Zeit, erneut auf diesen Missstand aufmerksam zu machen.

Stadt mit Vorbildfunktion

Neben dem Aargauer Manifest präsentierten die Frauen dabei auch ein Rheinfelder Manifest. Darin sind drei konkrete Forderungen enthalten. So soll bei Bewerbungen und Anstellungen auf der Stadtverwaltung Chancengleichheit geschaffen werden – und zwar, indem die Bewerbungen anonymisiert beurteilt werden. «Eine Stadt wie Rheinfelden muss hier eine Vorbildfunktion einnehmen», sagte Bieber.

Weiter forderten die Frauen von der Stadt, die Möglichkeit von Teilzeitarbeit für Männer und Frauen mit weniger als 80 Stellenprozenten zu bieten sowie die Kommissionen und Gremien «nach Aspekten der grösstmöglichen Diversität» zu besetzen, so Bieber.

Jede der Forderungen wurde von den Anwesenden mit Applaus begrüsst. Am lautesten eben die Forderung zu den Stadthostessen. Deren bisherige Auftritte als Begleiterinnen von männlichen Amtsträgern gehöre nicht in die heutige Zeit, sagte Bieber. «Das passt nicht ins Bild eines fortschrittlichen Rheinfeldens.» Die Frauen übergaben das Rheinfelder Manifest an Stadtrat Walter Jucker. Der zeigte sich ob der Anzahl an streikenden Frauen vor dem Rathaus beeindruckt. «Ich habe grossen Respekt dafür, dass Sie hier für Ihre Anliegen einstehen», sagte er. Das Manifest werde nun im Stadtrat diskutiert. «Wir nehmen die Anliegen ernst», so Jucker.

Steik auch in Wittnau

Nach der Übergabe des Manifests liessen die Frauen dutzende pinke Ballone in den grau verhangenen Himmel steigen. «Auf dass sie ein Zeichen senden und etwas bewirken können», so Rüedin. Auch andernorts im Fricktal machten Frauen am Frauenstreik mit. So etwa in Wittnau, wo sich Frauen über Mittag bei einer Wähe trafen und über Themen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie diskutierten.

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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