Spürbar liegt in der vollbesetzten katholischen Pfarrkirche Wohlen am Samstagvormittag Spannung in der Luft. Aufgeregtes Stimmengewirr und Flüstern ist zu hören, hier und da gibt es Umarmungen und freudiges Zuwinken. Schnell werden noch einige Selfies geknipst, um diesen besonderen Tag für sich und Freunde festzuhalten. Um halb elf ergreift Franz Widmer, Rektor der Kanti Wohlen, das Wort.

Letzte Maturfeier für den Rektor

Die Spannung ist begründet, erhalten doch Maturanden und Fachmaturanden ihre Abschlusszeugnisse und starten nun in einen neuen Lebensabschnitt. Aber nicht nur für die Schulabgänger ist dieser Tag besonders, sondern auch für den Rektor. Denn dieses ist der letzte Jahrgang, den er verabschiedet. Mit warmen Worten würdigt Kathrin Hunziker, Leiterin Abteilung Berufsbildung und Mittelschulen, Franz Widmer. Seit 1984 unterrichte dieser an der Kanti, seit 1999 wirke er als Rektor und werde bei Mitarbeitern und Schülern sehr geschätzt.

Für die Maturansprache freut sich Franz Widmer, Béatrice Renz begrüssen zu können: «Frau Renz lebt seit 40 Jahren mit Multipler Sklerose – für mich ist es eindrücklich, wie sie ihr Leben lebt, und ich habe sie für meine letzte Maturfeier eingeladen, weil ich denke, dass sie uns allen etwas zu sagen hat.» Und das hat die Schriftstellerin und ausgebildete Dentalhygienikerin. So berichtet sie, wie sie als junge Spitzensportlerin im Eiskunstlauf ihre Zukunft ausschliesslich im Sport gesehen habe. Die Diagnose MS machte diese Pläne zunichte. Doch Béatrice Renz gab nicht auf, es gelang ihr, die Zuversicht zu behalten. Sie konnte zwar nicht mehr eislaufen, absolvierte dann aber eine Ausbildung zur Punktrichterin. Zudem habe sie einen Dentalhygiene-Dienst für körperlich Behinderte aufgebaut und sei als Expertin weiterhin in der Ausbildung von Studierenden tätig.

Das Licht der Zuversicht

Mit schwierigen Situationen umzugehen sei eine Herausforderung. «Aber fast immer versteckt sich in der Ohnmacht eine Stärke», stellt sie fest und fügt hinzu: «Mir gefällt die Vorstellung, dass jede und jeder von uns das kleine Licht der Zuversicht in sich trägt.»

Bei der feierlichen Zeugnisübergabe ist den Maturandinnen und Maturanden die Freude deutlich anzumerken. Pernille Meier und Rebecca Nauli teilen strahlend mit: «Das ist ein besonderer Tag. Wir sind erleichtert und froh.»