Oberwil-Lieli

Zweifel an Armee-Fehlschuss: Stammt das Projektil wirklich vom Waffenplatz?

Zweifel an Armee-Fehlschuss

Zweifel an Armee-Fehlschuss

Nach dem Schock über das Armee-Projektil im Wohnhaus kommt die Skepsis. Kann sich eine Kugel wirklich von Birmensdorf nach Oberwil-Lieli verirren?

Eine Projektil aus einem Sturmgewehr legt vier Kilometer über Hügel und Wälder zurück, bevor es in ein Mehrfamilienhaus einschlägt. Wie plausibel ist das?

Das Projektil, das am letzten Dienstag in einem Einfamilienhaus in Oberwil-Lieli einschlug, soll auf dem Waffenplatz Reppischtal in Birmensdorf abgefeuert worden sein. Die Kugel müsste demnach eine Distanz von rund vier Kilometern über Hügel und Wälder zurückgelegt haben, bevor sie die Küche des Mehrfamilienhauses traf. Wie plausibel ist diese Erklärung?

Andreas Glarner hegt gewisse Zweifel an dieser Theorie. Der SVP-Nationalrat und Gemeindeammann von Oberwil-Lieli besitzt selbst eine Sturmgewehr 57 aus den Beständen der Schweizer Armee.

Nicht nur hätte das Projektil die weite Strecke sondern auch einen beachtlichen Höhenunterschied überwinden müssen, gibt Glarner gegenüber Tele M1 zu bedenken. «Ich kann mir das nicht erklären. Aber ich bin auch kein Fachmann», so Glarner. 

Doch woher sollte die Gewehrkugel sonst stammen? «Viele haben ein solches Gewehr zuhause», sagt der Gemeindammann. Der fehlbare Schütze könnte durchaus in der Nähe gewesen sein. «Dann hätte man aber den Schuss gehört. Ich kann es mir nicht erklären.»

Bis zu 8 Kilometer

Es sei absolut möglich, dass ein Gewehrprojektil diese Distanz zurücklege, weiss Victor Hüsser, Präsident des Aargauer Schiesssportverbandes. «Bei einer Gewehrstellung von 45 Grad und idealem Wetter kann das Geschoss 7 bis 8 Kilometer weit fliegen.»

Auch den Höhenunterschied kann der passionierte Schütze erklären: «Jeder Schuss ist ein Bogenschuss», erklärt der Verbandspräsident Tele M1. Damit ist die Flugbahn gemeint, die zuerst steigt und dann aufgrund der Schwerkraft wieder fällt. Selbst ein Schuss über 300 Meter beschreibt keine exakt gerade Linie.

Für Victor Hüsser ist klar: Sollte das Projektil seinen Ausgangspunkt auf dem Waffenplatz Reppischtal haben, handelt es sich um einen Unfall. Die Militärjustiz untersucht den Vorfall derzeit. (cze)

Meistgesehen

Artboard 1