Es ist 107 Seiten dünn, in Schwarz, Weiss und den Nuancen dazwischen gehalten. Die Rede ist vom neuen Werk «Helle Zeichen Dunkle» von Ana (66) und Alois (73) Lang, dem ersten, das die beiden gemeinsam mit Gedichten und Fotografien angefüllt haben.

Idee aus Neujahrskarten

Ana Lang ist für die Gedichte zuständig, während Alois die Fotografien beisteuert. Doch für das Büchlein mussten sie nicht extra knipsen und schreiben, sondern konnten direkt aus ihrem riesigen Fundus schöpfen, der stetig weiter wächst. Denn die Idee zum Gemeinschaftswerk des Paares ist auf spezielle Art entstanden: «Seit über 40 Jahren verschicken wir an unsere Freunde eine Karte mit Foto und Text zum neuen Jahr», berichtet Ana. Auch ihr Verleger von der Edition Isele habe einige dieser Karten erhalten. «Das hat ihn auf die Idee mit dem Foto-Gedicht-Bändchen gebracht.»

Die Auswahl der Fotografien und Gedichte traf das Ehepaar gemeinsam. Zuvor aber einigten sie sich über den Titel. «So stand die Suche ganz unter dem Motto Zeichen, Strukturen, Schriftbilder», berichtet Alois Lang. Schwierig war diese Suche für die beiden nicht, denn «schon vor Jahren hatten wir ganz für uns eine Sammlung unter dem Stichwort ‹Sig-Natur› angelegt». Die Auswahl trafen sie in der Stube: «Wir legten Fotografien und Gedichte themengemäss am Boden aus und entschieden dann, welche ins Büchlein gehörten und welche nicht.»

«Seltenheiten am Wegrand»

Seine Inspiration holt sich das Paar auf seinen Wanderungen. Seit Jahren spazieren die beiden täglich auf dem immer gleichen Weg durch Uezwil, am Waldrand entlang und zurück nach Hause. «Manche Leute lächeln darüber, dass wir immer dieselbe Route gehen, aber so entdecken wir immer wieder Neues», sagt Ana, und Alois fügt hinzu: «Wenn man immer die gleichen Dinge sieht, fallen einem die Einzelheiten und Seltenheiten am Wegrand viel stärker auf.»

In den Details von Tannennadeln, Spuren am beschlagenen Fenster oder Baumrinde findet Alois seine Schätze. «Alles hinterlässt Spuren. Immer wieder werde ich davon überrascht.» Den Sucher in seiner Nikon bezeichnet er gelegentlich als Finder. Er erklärt: «Die Zeichen erzählen Geschichten. Sie wollen nicht festlegen, sondern Anstösse geben, sich vorzustellen, was aus den Linien und Strukturen zu deuten ist.»

Ähnlich geht es Ana mit ihren Gedichten: «Kleine Episoden im Zwischenmenschlichen drängen sich mir auf. Erlebnisse lassen mich Bilder, die sich dazu einstellen, notieren.» Diese Bilder entspringen dem Alltag wie auch ihren Träumen. «Manchmal bleibt ein Satz hängen, den ich aufgeschnappt habe, der mich nicht mehr loslässt.»

Mit ihrem Buch verfolgen die beiden kein eigentliches Ziel. Doch: «Wir erhalten viele Rückmeldungen. Oft haben die Leute ihre Mutmassungen oder erzählen, was sie selber unterwegs gesehen haben, angeregt durch die Fotografien. Wenn diejenigen, die das Bändchen ansehen, selber auf Spuren stossen und aufmerksam werden, ist das etwas vom Besten, was wir uns wünschen können.»