Muri

Zwei Stunden Einblick in einen Beruf macht vielen Schülern vieles klar

André Stierli, Leiter Montageabteilung bei der Grolimund AG, zeigt Leonardo Schegg, Dean Flückiger, Roland Hintermann, Feti Hasipi, Medine Redjepi und Timon Staubli (von links) die Werkstatt, wo vieles vorbereitet wird.

André Stierli, Leiter Montageabteilung bei der Grolimund AG, zeigt Leonardo Schegg, Dean Flückiger, Roland Hintermann, Feti Hasipi, Medine Redjepi und Timon Staubli (von links) die Werkstatt, wo vieles vorbereitet wird.

Unternehmer zeigen mit dem Projekt «Berufe Muri+», dass eine Berufslehre Jugendlichen viele Möglichkeiten bietet. Das soll auch die Chance erhöhen, dass Jugendliche Berufe schnuppern, die sie dann auch wirklich interessieren.

Es ist ein Projekt, von dem alle profitieren: «Berufe Muri+», welches von der Industrievereinigung Muri, dem Gewerbeverein Muri und Umgebung sowie den Schulen lanciert wurde, brachte gestern erstmals Schülerinnen und Schüler an die Werkbank, ins Büro, ans Pflegebett oder an einen anderen Arbeitsplatz.

53 Betriebe aus Muri und Umgebung machen es möglich, dass Schülerinnen und Schüler an 82 Besichtigungen mit 57 Berufen in einen ersten Kontakt treten können. 245 Interessierte aus 17 Klassen der dritten Oberstufe haben sich für die Besichtigungen angemeldet. «Die zweistündigen Meetings direkt an den Arbeitsplätzen sind für die Jugendlichen sicher effizient», ist Robert Barrer, Präsident der Industrievereinigung, überzeugt.

Augenschein bei der Grolimund AG in Muri. Leonardo Schegg, Dean Flückiger, Roland Hintermann, Feti Hasipi, Medine Redjepi und Timon Staubli hören aufmerksam zu, was André Stierli, Leiter Montageabteilung, zur Berufsbildung zu erzählen weiss.

Der Betrieb bildet Sanitärinstallateure, Heizungsinstallateure und Haustechnikplaner aus. Die sechs Jugendlichen hören nicht nur interessiert zu, sondern stellen gezielte Fragen, wollen wissen, wo die schulischen Stärken liegen müssen, welche handwerklichen Anforderungen verlangt werden.

Stierli beruhigt: «Wenn es in einem Schulfach Defizite gibt, ist jetzt noch Zeit, diese auszugleichen.» Nach einem theoretischen Teil fahren die sechs Jugendlichen auf eine Baustelle, wo sie erleben, wie die praktische Arbeit der Haustechniker aussieht.

Gute Ergänzung

Die neu lancierte Aktion ist kein Konkurrenzangebot etwa zur Schnupperlehre oder zur Berufsschau in Lenzburg. «Sie soll eine Ergänzung sein», unterstreicht Barrer. Hintergrund des Projektes ist, dass schweizweit heute über 8000 Lehrstellen nicht besetzt sind. Im Bezirk Muri ist das zwar noch kein akutes Problem, aber es sei sinnvoll, frühzeitig zu reagieren, erklärte Buki Kreyenbühl, Präsident des Gewerbevereins Muri und Umgebung, bei der Präsentation der Idee.

Beim Murianer Schulleiter Hubert Anderhub stiessen er und Barrer auf offene Ohren, auch wenn der Aufwand für die Lehrkräfte beachtlich war – die Einteilungstabelle ist ein beeindruckendes Zeugnis davon. Gleichzeitig bietet das Projekt auch der Lehrerschaft die Gelegenheit, den einen oder anderen Betrieb selber kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen.

Zwei Stunden

Das Projekt «Berufe Muri+» ersetzt eine Schnupperlehre nicht. Vielmehr sollen damit Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten, während zweier Stunden einen ersten Eindruck von einem Betrieb, von Arbeitsabläufen und den Anforderungen eines Berufes zu erhalten.

Alle Teilnehmenden konnten sich für maximal sechs Betriebe anmelden. Insgesamt gingen 1439 Anmeldungen ein. Anschliessend an die Berufsschau können sie die Jugendlichen allenfalls für eine Schnupperlehre bewerben.

Was für die Schülerinnen und Schüler ein gutes Angebot ist, hat auch einen grossen Nutzen für die teilnehmenden Betriebe. Die beteiligten Unternehmen – vom Kleinbetrieb bis zur Grossfirma mit über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – sind interessiert daran, den Nachwuchs nicht nur sicherzustellen, sondern nach Möglichkeit in der Region zu rekrutieren. Der erste Blick in einen Beruf verringert zudem das Risiko, dass Jugendliche eine Schnupperlehre beginnen, die sich als Fehlentscheidung herausstellt.

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