Jede und jeder kennt sie: die Trauer. Vielleicht trauert man um einen Menschen. Oder um ein Tier. Vielleicht ist es eine Scheidung oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Ganz gleich, weshalb: «Darüber reden kann helfen», weiss Andreas Zimmermann, Heim- und Spitalseelsorger in Muri. Deshalb hat er zusammen mit Ruth Langenberg, Spitalseelsorgerin, und Martina Keusch, Pflegefachfrau von der Fachstelle Palliative Care der Pflegi Muri, neu das Trauer-Lebens-Café in Muri gegründet. Es soll «ein Ort des Austausches und des Aufgehobenseins» werden, wie sie ausführen. «In monatlich zwei Stunden möchten wir Menschen in Trauersituationen die Möglichkeit geben, sich zu erinnern, sich über die eigene Trauer klar zu werden und, soweit man möchte, die eigenen Gedanken und Gefühle miteinander zu teilen.»

Offen für alle und alles

Solche Trauertreffpunkte gibt es andernorts auch. Während die einen Menschen still in sich gekehrt trauern, möchten andere ihre Trauer mit jemandem teilen – sofern jemand überhaupt dafür da ist. Genau das ist manchmal ein Problem. «Unser Trauer-Lebens-Café ist offen für alle und alles, völlig unabhängig von einer Religionszugehörigkeit», unterstreicht Zimmermann. Hier kann man über den eben erlebten Verlust eines geliebten Menschen genauso reden wie über eine tiefe Trauer, die sogar aus der Jugendzeit stammen und bis ins hohe Alter andauern kann. Selber reden oder nur zuhören, weinen oder lachen – es gibt keinen Zwang und keine Verpflichtung, «aber immer einen Kaffee oder einen Tee».

Die Schwelle ist bewusst so tief wie möglich gehalten, nicht einmal eine Anmeldung ist nötig. «Wir sind gespannt, wie dieses neue Angebot ankommen wird», sagt Zimmermann, der gleichzeitig betont, «dass wir drei Trauer-Lebens-Café-Betreiberinnen und -Betreiber keine Therapeuten sind». Aber wenn ersichtlich wird, dass professionelle Hilfe bei der Trauerbewältigung sinnvoll sein könnte, wird das Team auf Wunsch beim Schaffen entsprechender Kontakte gerne hilfreich sein. Auch Einzelgespräche, immer aus dem Wunsch des Betroffenen heraus, können sich daraus entwickeln.

Immer am 15. eines Monats

Das Trauer-Lebens-Café in Muri findet jeden 15. im Monat im Raum Gerold im neuen Gebäude Löwen der Pflegi Muri statt, erstmals am Freitag, 15. Februar, von 16 bis 18 Uhr. «Die Nähe dieses Raumes zum Dorf finde ich ideal», sagt Zimmermann, nicht nur wegen der angenehmen Atmosphäre. «Der Raum gehört zwar zur Pflegi, ist aber nah am Geschehen.»

«Das soll als Einladung gelten für alle, die sich in einem Trauerprozess befinden, hereinzuschauen.» Angesprochen sind selbstverständlich nicht nur Murianerinnen und Murianer: «Ganz gleich, woher jemand kommt, er oder sie ist willkommen.»

Oft suchen Menschen in einer schweren Situation bewusst eine gewisse Distanz zu ihrem direkten Lebensumfeld. «Auch das kann das neue Trauer-Lebens-Café bieten», betonen die Initiantinnen und der Initiant dieses neuen Treffens. Mit Flyern an verschiedenen Orten und entsprechenden Hinweisen in den Zeitschriften «Horizonte» der römisch-katholischen Kirche und «reformiert» der reformierten Landeskirche wird auf den neuen Treffpunkt hingewiesen.