Dienstag, 5. Dezember: Auf der Baustelle eines Mehrfamilienhauses im Reusstal taucht die Polizei auf und verhaftet zwei kroatische Arbeiter. Die beiden Mitarbeiter einer kroatischen Küchenbaufirma haben in Rottenschwil ohne Arbeitsbewilligung gearbeitet. Ein Fall, der sehr spektakulär wirkt und auch in der Gemeinde die Gerüchteküche anheizte. Für die Polizei gehört das aber schon fast zum Alltag, wie Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, verrät.

Aufgedeckt wurde die Straftat von den Inspektorinnen und Inspektoren des Amtes für Migration und Integration (MIKA). Die fünf Prüfer führen täglich Schwarzarbeitskontrollen durch, auf Baustellen, aber auch an anderen Arbeitsorten wie Restaurants, Verkaufsgeschäften oder Industriebetrieben. Vor Ort lassen sie sich Ausweise, Arbeitsverträge oder auch Abrechnungen mit Behörden zeigen. «Wenn Schwarzarbeit aufgedeckt wird, die einer strafrechtlichen Sanktionierung unterliegt, was insbesondere auf das Ausländerrecht zutrifft, wird die Polizei informiert», erklärt Doris Richner, Fürsprecherin und Juristin Stab im Amt für Migration und Integration. Je nach Fall erfolge ein direkter Beizug der Polizei vor Ort oder es werde nachträglich eine schriftliche Strafanzeige eingereicht. Die Bestimmung der Festnahmedauer liege dann in der Zuständigkeit der Polizei beziehungsweise bei der Staatsanwaltschaft.

Die beiden Küchenbauer, die von der Polizei verzeigt wurden, sind vor einer Gefängnisstrafe verschont geblieben. «Da sie sich nicht illegal im Land aufhielten, waren die Arbeiter am gleichen Tag wieder auf freiem Fuss», erklärt Bernhard Graser. Ganz ungestraft kamen die beiden aber dennoch nicht davon: «Sie mussten ein sogenanntes Depositum bezahlen. Damit ihre Busse und die Umtriebskosten gedeckt sind.»

Folgen auch für Arbeitgeber

Wie aber werden die Inspektorinnen und Inspektoren überhaupt auf Fälle wie diesen aufmerksam? «Das Inspektorat beim MIKA erhält zahlreiche Verdachtshinweise von Privatpersonen, von Unternehmen und anderen Behörden», erklärt Richner. Zusätzlich verfüge das Amt aufgrund seiner eigenen Arbeit über Verdachtsmomente zur ausländerrechtlichen Schwarzarbeit, zum Beispiel bei abgelehnten Arbeitsbewilligungsgesuchen. Ein weiterer Teil der Inspektionen erfolge nach einem risikoorientierten Zufallsprinzip.

Stellenantritt ohne Bewilligung hat nicht nur für die Arbeiter, sondern auch für die Arbeitgeber Folgen. Die verschiedenen Rechtsgebiete der Schwarzarbeitsthematik sehen unterschiedliche Sanktionen vor: «Im Ausländerrecht stehen strafrechtliche Bussen und Geldstrafen im Vordergrund. In anderen Rechtsgebieten muss beispielsweise mit Nachforderungen betreffend Lohnabzügen und allfälligen zusätzlichen Strafen gerechnet werden» erklärt Richner.

Die Bauherrschaft, in diesem Fall ein Generalunternehmen, trifft laut Graser keine Schuld, weil es sich bei den Schwarzarbeitern um Angestellte eines Subunternehmens handelt.