Boswil
Zwei Monate bis zur Einweihung: Für SBB-Brücke ist ein Endspurt nötig

Nach Jahren der Planung quert endlich eine neue Brücke die doppelspurige Südbahnlinie und das östlich der Gleise befindliche Bahnhofsgelände Boswil. Die Kosten liegen bei 23 Millionen Franken. Am 12. August soll sie offiziell eingeweiht werden.

Eddy Schambron
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Lange ersehntes Bauwerk: Die neue Brücke überquert beim Bahnhof Boswil die Gleise und verbindet Bünzen mit der Zentralstrasse. ES

Lange ersehntes Bauwerk: Die neue Brücke überquert beim Bahnhof Boswil die Gleise und verbindet Bünzen mit der Zentralstrasse. ES

In ziemlich genau zwei Monaten wird die neue SBB-Überführung in Boswil eingeweiht. Bis dann haben die Arbeiter zwar noch einen Endspurt hinzulegen, aber dank der guten Witterung konnten die umfangreichen Bauarbeiten auch vor und nach dem Brückenbauwerk zügig vorangetrieben werden.

Die SBB-Überführung wird am 12. August offiziell eingeweiht, wobei der Aargauer Baudirektor Stephan Attiger, der Boswiler Gemeindeammann Michael Weber und die Bünzer Frau Gemeindeammann Marlise Müller sprechen werden. Josef Korbonist, Projektleiter Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau, wird über das Bauwerk informieren.

Kreisel: Fundament für den Schmuck

Der Schmuck für zwei neue Kreisel, die bereits gebaut sind, und für einen, der noch gebaut werden wird, kommt vom Boswiler Steinmetz Christian Majoleth. Gegenwärtig wird das Fundament betoniert. Die Steine für die Ausgestaltung stammen aus dem Maggiatal, Cristallina-Marmor für die Skulptur, Gneis für den Sockel.

Beim Kreisel von Bünzen her kommt ein Notenschlüssel zu stehen. Er lehnt sich einerseits an das Motto der Gemeinde - «Boswil klingt» - an, andererseits macht er auf das berühmte Künstlerhaus aufmerksam. Wer von Wohlen her auf das Dorf zufährt, wird auf einen Halbmond treffen, der sich auch im Wappen der Gemeinde wiederfindet. Das macht Sinn, weil dieser Kreisel auch als Ortseingangspforte verstanden wird. Und von Muri her wird man einer modernen Skulptur begegnen, die die verschiedenen Mondphasen darstellt. Alle Skulpturen bilden eine Symbiose. (ES)

Seit 40 Jahren ein Thema

Das nun vor der Vollendung stehende Werk hat eine lange Geschichte. Schon in den 1960er-Jahren wurde überlegt, wie der SBB-Niveauübergang aufgehoben werden könnte. Es wurden sowohl Unter- als auch Überführungsvarianten geprüft. Aus dem Vergleich ergab sich als zweckmässige Lösung der Bau einer Überführung.

Das generelle Projekt 1992 wurde zum Auflageprojekt entwickelt, wobei es bei den Anschlüssen Anpassungen mit Kreiseln gab. Die Kernelemente mit einer neuen Brücke über die SBB-Anlage und einer Personen- und Fahrradunterführung im Bereich des heutigen Niveauübergangs blieben jedoch erhalten und sind jetzt bald fertig ausgeführt.

170 Meter lang

Die neue Brücke quert die doppelspurige Südbahnlinie und das östlich der Gleise befindliche Bahnhofsgelände. Sie ist 170 Meter lang, weist eine Fahrbahnbreite von 6,5 Metern und einen einseitigen Gehweg von 1,75 Metern Breite auf. Die neue Kantonsstrasse von Bünzen her wird mit einem dreiastigen Kreisel an die Zentralstrasse K 124 angeschlossen. Der Kreisel dient auch als Ortseingangspforte und soll so einen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit leisten.

Östlich der Bahnlinie schliesst die neue Kantonsstrasse im Bereich der Industriestrasse mit einem vierastigen Kreisel an die bestehende Bahnhofstrasse K 359 an. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 23 Mio. Franken. 1993 hatte der Grosse Rat einen Bruttoverpflichtungskredit von 10,4 Mio. Franken bewilligt. Das Vorhaben musste aufgrund finanzieller Engpässe allerdings vorerst zurückgestellt werden.

Alle waren dafür

In der Vernehmlassung äusserten sich die Parteien positiv zur Überführung. Zu reden gaben die Kosten. Während die CVP von der durch die Verschiebung entstandene Verteuerung von rund 8 Mio. Franken «nur äusserst ungern Kenntnis» nahm, befand die SVP die Kosten als generell zu hoch. Die BDP erachtete den Kreisel Industrie als unnötig; mit einer Belastung von 2900 Fahrzeugen pro Tag auf der K 359 sei die Einfahrt in diese Kantonsstrasse auch ohne Kreisel gut möglich.