Mutschellen
Zwei Männer wollen das Amt einer Frau beerben

Wer in Widen Gemeindeammann wird, ist völlig offen; CVP- und FDP-Männer treten an, um das Erbe von der nicht mehr antretenden Frau Gemeindeammann Vreni Meuwly anzutreten.

Robert Benz
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Peter Spring (links) und Urs Leuenberger strahlen um die Wette. Die beiden Wider duellieren sich ums Amt des Gemeindeammanns. LIS

Peter Spring (links) und Urs Leuenberger strahlen um die Wette. Die beiden Wider duellieren sich ums Amt des Gemeindeammanns. LIS

Gemeindeammann Vreni Meuwly tritt Ende Jahr zurück und lässt in Widen die Männer ans Ruder. Peter Spring (FDP) und Urs Leuenberger (CVP) wollen Ammann werden, Hans Gysel (CVP) und Gabriel Lüthy (FDP) duellieren sich um das Amt des Vizeammanns. Als einziger gewählter Gemeinderat bewirbt sich Beat Suter (CVP) nicht für einen Chefposten.

Der erste Wahlgang in Widen am 9. Juni brachte keine endgültige Entscheidung über die Hierarchie, dafür eine Überraschung: Nur um Haaresbreite hat Vizeammann und Ammannkandidat Urs Leuenberger (CVP) den Einzug in den Gemeinderat überhaupt geschafft. Mit 700 gegenüber 699 Stimmen hat Leuenberger den parteilosen Alfred Graber auf den sechsten Platz verwiesen.

Die Vizeammann-Wahl

Eigentlich ist die Wahl eines Vizeammanns in einer kleinen Agglomerationsgemeinde ein unbedeutender Nebenschauplatz, möglicherweise auch am 22. September in Widen. Die Wähler haben die Wahl zwischen Hans Gysel (CVP) und Gabriel Lüthy (FDP), laut dem ersten Wahlgang die beiden beliebtesten Wider Lokalpolitiker. Gysel erhielt im ersten Umgang 810 Stimmen, Lüthy deren 766. Bedeutung erlangen könnte die Wahl des zweiten Mannes im Dorf, wenn entweder beiden CVPler, Gysel und Leuenberger, oder beide FDPler, Spring und Lüthy, zu Vizeammann und Ammann ernannt werden. Im ersten Fall stellte die CVP mit drei Vertretern nicht nur die absolute Mehrheit im Gemeinderat, sondern auch gleich dessen Vorsteher und Vize. Dies nachdem viele Jahre FDP-Mitglied und Ammann Vreny Meuwly die Dorfpolitik geprägt hatte. Dass dieses Szenario gar nicht unwahrscheinlich ist, verrät der Blick auf die Wahlresultate aus dem ersten Umgang. Würde gleichzeitig in Berikon Sozialdemokrat Stephan Haag statt FDP-Ortsparteipräsident Samuel Sommerhalder in die Exekutive gewählt, wäre das für die Freisinnigen in der Region mehr als ein Wermutstropfen: trotz guter Kandidaten würden sie auf regionaler Ebene weiter hinter der CVP zurückbleiben. Ausserdem verliert die FDP in Rudolfstetten an Einfluss, wo der langjährige Finanzvorsteher Christian Schaub Ende Jahr sein Amt niederlegen wird. (ROB)

Im Vorfeld der Wahlen kursierte ein Brief mit verleumderischen Aussagen über Leuenberger, was ihm möglicherweise einige Stimmen gekostet hat, wie er selbst vermutet.

Parteien-Duell um Vorherrschaft

Peter Spring, Leuenbergers direkter Konkurrent, erreichte auf Anhieb 25 Stimmen mehr als der CVPler, und landete bei den Gesamterneuerungswahlen auf dem vierten Platz. Geht es hingegen um die Führungsposition im Gemeinderat, hatte Leuenberger bei den Wählern die Nase vorn. Auf ihn entfielen 450 Stimmen, Peter Spring erhielt 107 Stimmen weniger. Urs Leuenberger kann zwar von Glück reden, gewählt worden zu sein, doch seine Chancen auf eine Wahl als Gemeindeammann sind dadurch nicht kleiner geworden.

Mindestens eine Entscheidung haben die Wider bereits getroffen: Alfred Graber, der sowohl für den Ammannposten als auch für das Amt des Vize angetreten ist, wurde abgewählt.

Dieselbe Ausgangslage zwischen den Parteien ergibt sich somit auch bei der Kampfwahl ums Vizeammann-Amt. Hans Gysel von der CVP tritt gegen Gabriel Lüthy aus der FDP an (siehe Box). Der zweite Wahlgang läuft also auf einen eigentlichen Zweikampf der beiden grossen Dorfparteien hinaus.

Obwohl Gemeinderatswahlen Personenwahlen sind, duellieren sich am 22. September in Widen die FDP und die CVP symbolisch um die politische Vorherrschaft im Dorf. Ein Blick auf die Wahlresultate des ersten Durchgangs lässt auf Vorteile für die CVP schliessen. Ein Blick zurück auf den ersten Wahlgang legt aber zugleich den Schluss nahe, dass bei den Wahlen jede Stimme zählt.

FDP in Berikon gegen SP-Mann

Die Situation in Berikon präsentiert sich etwas weniger spektakulär, doch auch auf der anderen Seite der Bahnlinie kommt es zu Kampfwahlen. Im Gegensatz zu Widen ist hier noch nicht bekannt, wer in den Gemeinderat einziehen wird. Naturgemäss dürften die Bisherigen, Ammann Stefan Bossard, Vizeamtsfrau Rosmarie Groux, Felix Baur und Otto Eggimann, ohne grössere Probleme den Wiedereinzug in den Gemeinderat schaffen. Nach dem Rücktritt von Bauvorsteher Alfred Bossard, der acht Jahre im Gemeinderat wirkte, buhlen Samuel Sommerhalder (FDP) und Stephan Haag (SP) um den frei werdenden Sitz.

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