Boswil
Zwei Kirchen, eine Handschrift: Baumeister macht sich unsterblich

Der vor 150 Jahren verstorbene Baumeister Johann Pankraz Keusch hinterliess im Freiamt Spuren: Mit dem Armenhaus und dem Schulhaus in Boswil, den Pfarrkirchen in Waltenschwil und Tägerig, dem Pfarrhaus in Waltenschwil und der «Sonne» in Büelisacker.

Jörg Baumann
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Die Pfarrkirche St. Wendelin in Tägerig (links) und die St.-Nikolaus-Kirche in Waltenschwil sind beide Werke des Boswilers Johann Pankraz Keusch.

Die Pfarrkirche St. Wendelin in Tägerig (links) und die St.-Nikolaus-Kirche in Waltenschwil sind beide Werke des Boswilers Johann Pankraz Keusch.

Dominic Kobelt

Ein Architekt muss mit Misserfolgen leben. Die Erfolge aber sollte er geniessen können. Der Boswiler Baumeister Johann Pankraz Keusch (1786–1865), der vor 150 Jahren verstorben ist, erlebte beides. Mit dem Armenhaus und dem Schulhaus in Boswil, den beiden Pfarrkirchen in Waltenschwil und Tägerig, dem Pfarrhaus in Waltenschwil und dem Gasthof Sonne in Büelisacker machte sich Keusch im Freiamt unsterblich.

Daneben baute er einige private Wohnhäuser in Boswil, blieb aber mit zahlreichen Plänen für Kirchbauten gegen die Konkurrenz auf der Strecke.

Erster Entwurf als Lehrling

Das erste eigenständige Projekt führte Keusch als achtzehnjähriger Lehrling beim luzernischen Kirchenbaumeister Niklaus Purtschert aus. Er stellte den Plänen Purtscherts für die 1804–1808 erbaute Pfarrkirche von Wohlen einen eigenen Entwurf entgegen, der zwar nicht angenommen wurde, aber bereits mit seiner geschmeidigen, weichen Grundrissform auf Keuschs späteres Werk hinweist.

1818, da ist Keusch 34 Jahre alt, versucht er es erneut mit einem Entwurf für die Kirche Bünzen. Wiederum muss er eine Niederlage einstecken. Es dauerte 19 Jahre, bis Keusch neben dem Pfarrhaus, wofür er die Pläne gezeichnet hatte, auch ein Projekt für die Pfarrkirche Waltenschwil einreichen konnte.

Wiederum war die Konkurrenz gross. Neben Keusch bewarben sich Zimmermeister Joseph Koch aus Büttikon, Schreinermeister Anton Meier, Mitglied der Waltenschwiler Baukommission, und Baumeister und Kantonsbaurat Hans Jacob Schmid aus Zurzach um den Auftrag. Die Gemeinde sprach sich für das barocke Projekt von Keusch aus, die kantonale Baukommission hingegen für das klassizistische Gegenprojekt von Schmid.

Keusch setzte sich mit seinen Plänen durch. Die Kirche wurde 1837-1839 gebaut. Die Bauarbeiten wurden aber an Fidel Obrist in Rheinfelden verdingt. 1846 blieb Keusch mit dem Projekt für die Pfarrkirche in Tägerig erfolgreich.

In Villmergen erfolglos

Bereits um 1845 beschäftigte sich Keusch mit Plänen für die neue Pfarrkirche in Villmergen. Sie sollte mit vier Seitenaltären, 70 Stühlen, sechs Beichtstühlen und weiteren sechzehn Stühlen auf der Empore grösser werden als andere Kirchen. Jedoch erhielt der 37 Jahre jüngere Luzerner Baumeister Wilhelm Keller den Zuschlag. Die Kirche wurde 1866 eingeweiht, ein Jahr nach dem Tod von Keusch.

Die Jahre, in denen Keusch das 1837 eingeweihte Armenhaus in Boswil baute, lagen schon lange zurück. Am 23. Februar 1837 zogen sechs Erwachsene und acht Kinder ein. Das Armenhaus diente später, von 1932 bis 1957, als Kindergarten und wurde schliesslich abgebrochen und durch das neue Altersheim ersetzt.

In Boswil baute Keusch in seiner besten Schaffenszeit einige gut erhalten gebliebene Wohnhäuser von hoher Qualität, 1848 den Glockenstuhl für die Pfarrkirche Oberlunkhofen und 1838 die doppelgeschossige Sängerempore in der Kirche Sarmenstorf. 1844 war er für den Anbau der Kapelle Fenkrieden verantwortlich. Keusch starb am 17. August 1865.

Quellen: Werkbeschreibung von Bruno Carl (Argovia 1964) und Kunstdenkmäler des Kantons Aargau.

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