Ammerswil
Zwei Freunde und ein kleiner Flitzer auf dem Weg nach Tadschikistan

Jürg Kieliger und Patrick Mäder planen eine Abenteuerreise nach Tadschikistan: Sie nehmen an der Tajik-Rallye über 10'000 Kilometer mit Start in München und Ziel in Duschanbe teil. Dabei handelt es sich aber um kein Wettrennen.

Toni Widmer
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Mit diesem kleinen Flitzer, einem Daihatsu Sirion mit 1000-ccm-Motor und Vierradantrieb, nehmen Jürg Kieliger und Patrick Mäder (von links) im August ihre abenteuerliche Reise ins 10000 Kilometer entfernte Tadschikistan in Angriff. Toni Widmer

Mit diesem kleinen Flitzer, einem Daihatsu Sirion mit 1000-ccm-Motor und Vierradantrieb, nehmen Jürg Kieliger und Patrick Mäder (von links) im August ihre abenteuerliche Reise ins 10000 Kilometer entfernte Tadschikistan in Angriff. Toni Widmer

Die Initialzündung kam vom 40-jährigen Sarmenstorfer Patrick Mäder. Er hat von diesem Projekt gehört, auf Youtube ein Filmchen darüber angeschaut und sich auf der Webseite zur Tajik-Rallye 2013 vertiefter informiert.

Seine Partnerin wusste rasch, dass es ihren Patrick wieder einmal gepackt hatte: «Dann geh doch», sagte sie, und er liess sich nicht zweimal bitten. Sein Freund, der 38-jährige Jürg Kieliger aus Ammerswil, sagte ebenso spontan zu: «Wenn Patrick eine Furz-Idee hat, bin ich selbstverständlich dabei.»

Kein Rallye für PS-Protzer

Die Tajik-Rallye über 10 000 Kilometer mit Start in München und Ziel in Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan, ist kein Wettrennen. Sieger sind alle, die ihr Auto in 2 bis 4 Wochen ins Ziel bringen. Egal, ob es noch alle vier Räder an den Achsen hat, oder der Motor noch läuft.

Auch mit Pferdestärken, Newtonmeter oder Höchstgeschwindigkeit ist an dieser Rallye keinerlei Staat zu machen. Teilnahmebedingung ist ein Fahrzeug, das mindestens 10 Jahre alt und nicht über 1200 ccm motorisiert ist. Nach der Ankunft wird das Auto versteigert, der Erlös fliesst in wohltätige Projekte im Zielland.

Spenden für zwei Organisationen

Die Rallyeteilnehmer müssen sich auch verpflichten, neben der Startgebühr von 780 Euro weitere 750 Euro zu spenden. Auch dieses Geld fliesst wohltätigen Organisationen zu: der Stiftung Hänsel + Gretel, die Kinderschutzprojekt unterstützt, und Habitat for Humanity, die menschenwürdige Unterkünfte für arme Familien baut und den Wiederaufbau in Katastrophengebieten organisiert.

Mehrere Monate Planung

Die Vorbereitung für das grosse Abenteuer dauert Monate. Patrick Mäder und Jürg Kieliger stecken mittendrin. Da sind zum einen die Finanzen: «Unser Budget beläuft sich auf rund 10 000 Franken. Da sind wir auf die Hilfe von Sponsoren angewiesen. Ein paar haben wir bereits gefunden. Wir sind aber weiterhin um jede Unterstützung froh», erklären die beiden Abenteurer.

Gefunden haben sie mit grosszüger Hilfe eines Seetaler Garagenbetriebs bereits das passende Auto. Der Daihatsu Sirion mit 1000-ccm-Motor und Vierradantrieb ist 13-jährig, hat knapp 110 000 Kilometer auf dem Tacho und ist in bestem Zustand.

Dennoch wollen die beiden Freunde noch ein paar Ersatzteile für ihren kleinen Flitzer organisieren. Benzin- und Wasserpumpe, Zündverteiler, Keilriemen, Luft- und Ölfilter zum Beispiel. «Allenfalls nehmen wir auch Stossdämpfer mit und zwei Ersatzräder sowieso. Denn wir werden ja auf einem grossen Teil der Route kaum befestigte Strassen antreffen.

Automechaniker sind beide nicht. Doch sowohl Patrick Mäder wie Jürg Kieliger trauen sich zu, allfällige Pannen beheben zu können: «Wir können beide zupacken und werden uns schon irgendwie zu helfen wissen.» Das Werkstattbuch für den Daihatsu haben sie sich vorsichtshalber schon mal aus dem Netz geladen.

Material bleibt in Tadschikistan

Ersatzteile, Werkzeug, Camping-Ausrüstung – von dem, was die beiden Abenteurer in ihren kleinen Flitzer mitführen, bleibt am Schluss das meiste in Tadschikistan. Auf dem Rückflug ist dafür kein Platz. Am 11. August gehts los. Bis dahin müssen noch die ganze Ausrüstung komplettiert, Dutzende von Dokumenten und alle Visa beschafft, Ersatzteile organisiert und das Auto vorbereitet werden. Es soll unter anderem einen Unterbodenschutz erhalten.

Schaffen es die beiden Freunde mit ihrem kleinen Flitzer? «Klar doch», sagt Patrick Mäder. «Notfalls laden wir das Auto halt für die letzte Etappe auf einen Eselskarren.»