Ohne Bienen gibt es keinen Honig. Ohne Imker aber auch nicht. Die Bienenzüchtervereine Muri und Umgebung sowie Oberfreiamt realisieren zusammen in Mühlau einen Lehrbienenstand, um einerseits die Ausbildung zum Imker zu ermöglichen und andererseits Weiterbildung zu betreiben. «Das Interesse an der Imkerei ist gross», freut sich Bruno Heggli, Präsident des Bienenzüchtervereins Muri. Und Anita Stern, Präsidentin des Oberfreiämter Bienenzüchtervereins, ergänzt: «Die Baubewilligung haben wir, jetzt müssen wir noch die Finanzierung sicherstellen.» Deshalb gehen die beiden Vereine im ganzen Freiamt zu den Leuten.

Auch Belegstation

Beim alten Bienenhaus im Möösli in Mühlau ist ein Ausbau wegen der Bauvorschriften nicht möglich. In Kestenberg in Mühlau stellt nun Markus Müller Land für die Errichtung eines Lehrbienenstandes zur Verfügung. 185'000 Franken kostet das Vorhaben. Der Verein selber hat 45'000 Franken Eigenmittel, 20'000 Franken stehen aus dem Erlös der Bienentage Muri 2016 zur Verfügung. Selbstverständlich steht die Ausbildung von jungen Imkern im Vordergrund. Aber der neue Lehrbienenstand wird ebenso als Belegstation dienen, auf welcher junge Bienenköniginnen zur Begattung gebracht werden. Schliesslich sollen hier Vorträge gehalten sowie Informationsveranstaltungen durchgeführt und nicht zuletzt Schulklassen an die Welt der Bienen herangeführt werden. «Unser Lehrbienenstand soll ein Bienen-Kompetenzzentrum werden», unterstreicht Heggli.

Unterstützung suchen

Jetzt machen sich die Vereine auf Geld- und Sponsorensuche, unter anderem mit einer Informationstour durch das ganze Freiamt und einem Tag der offenen Tür in der Belegstation Möösli in Mühlau am 7. Oktober. Ende Mai 2019 wollen die Vereine mit dem Bau des neuen Lehrbienenstandes beginnen. «Am 26. September 2019 weihen wir ihn ein», zeigt sich Stern zuversichtlich.

Die beiden Vereine sind je gut 125 Jahre alt und zählen zusammen rund 100 Mitglieder. «Erfreulich ist, dass wir keine Mühe haben, Nachwuchs zu finden», sagt Heggli. Vielmehr sei das Interesse an Bienen und der Imkerei bei jungen Leuten recht gross. Desirée Ganarin ist eine von ihnen. Sie hat bei Markus Müller das Handwerk erlernt und ist dabei, ihren Wissenstand zu festigen und auszubauen. «Im Verein finde ich jederzeit Unterstützung und Antworten auf Fragen, wenn sie auftauchen», stellt sie fest. Müller wiederum, seit 30 Jahren begeisterter Imker und Ausbildner, unterstreicht, dass es bei der Imkerei so ist wie beim Autofahren: «Wenn man den Fahrausweis im Sack hat, darf man zwar fahren, hat aber noch keine Erfahrung. Mit dem Lehrbienenstand leisten wir einen Beitrag für junge Imker, leichter zu Praxiserfahrung zu kommen.»

«Bienenhonig ist nur ein Nebenprodukt», stellt Markus Müller fest. Viel wichtiger seien die Bienen zur Bestäubung der Pflanzen. Allerdings könnten Bienenvölker ohne Eingriff von Menschen in der freien Natur nicht mehr überleben: Bienenkrankheiten oder Pflanzengifte würden ihnen zusetzen. «Aber es wäre zu einfach zu sagen, die intensive Landwirtschaft sei an allem schuld. Manchmal müssen wir Imker uns genauso an der Nase nehmen.»

Die Anforderungen an das Basiswissen für Imker seien grösser, die Weiterbildung unabdingbar geworden. Auch deshalb sei der Lehrbienenstand eine Notwendigkeit.

Imker auf Tour Murimoos werken und wohnen, Samstag, 22. September; Migros Fahrwangen, Samstag, 29. September; Migros Berikon, Samstag, 6. Oktober; Landi Sins, Samstag, 13. Oktober; Landi Muri, Samstag, 20. Oktober; Landi Widen, Samstag, 27. Oktober, jeweils 9 bis 15 Uhr. Tag der offenen Tür der Belegstation Möösli Mühlau: Sonntag, 7. Oktober, 10 bis 15 Uhr.

Weitere Informationen: www.lehrbienenstand-freiamt.ch; www.lokalhelden.ch/lehrbienenstand-freiamt.