Wohlen

Zwei 70-jährige Buben auf Exkursion – drei Wochen durch die Atacamawüste

Marcel Lüthi (links) und Thuri Fischer sind bereit fürs Abenteuer Atacamawüste.

Marcel Lüthi (links) und Thuri Fischer sind bereit fürs Abenteuer Atacamawüste.

Marcel Lüthi und Thuri Fischer haben sich seit der Schule nicht mehr gesehen – jetzt reisen sie durch Chile.

In ihrer Kindheit waren Marcel Lüthi und seine Brüder in Wohlen bekannt wie bunte Hunde: Zusammen mit ihrem Vater waren sie die «Turnerbuben», machten Handstände auf Vaters Arm oder standen gar nur auf dem Kopf auf seiner Handfläche, während er sie durch die Gegend balancierte. Selbst Guido Muntwyler, der spätere Clown und Zirkusgründer Monti, hatte seine Freude an ihnen. Mit etwa 25 Jahren zog Marcel Lüthi in den Kanton Zürich. Heute, mit 68 Jahren, turnt er nicht mehr – aber bei gewissen Themen merkt man, dass ein Stück von ihm immer noch ein kleiner Bub geblieben ist. Dabei war er Pilot bei der Swissair und später Qualitäts- und Risiko-Manager bei der Swiss. Aber wenn es darum geht, Abenteuer zu erleben, dann strahlen seine Augen, und sein Grinsen zieht sich fast bis zu den Ohrläppchen. Dann erkennt man den kleinen Buben in ihm.

Er hat schon viele spezielle Touren gemacht, war auf Abenteuerreise in der Sahara, in Australien und Südamerika oder fuhr mit einem Oldtimer von Peking bis Paris. Doch die Reise, die er nun vor hat, soll alles Bisherige toppen: eine dreiwöchige Offroader-Expedition durch die Atacamawüste zwischen Bolivien und Chile. Dafür hat er sich gemeinsam mit früheren Reisebegleitern ein 6-köpfiges Team zusammengestellt. «Sechs Leute sind gut: Nicht zu viele, sonst wird es schwierig, und doch genug für drei Autos, was aus Sicherheitsgründen ratsam ist», erklärt er fachmännisch. Doch dass ausgerechnet ein alter Schulfreund von ihm, den er seit der Jugend nicht mehr gesehen hat, sein Teamkamerad sein würde, hätte Lüthi nicht erwartet.

«Es käme nicht jeder mit»

Dieser Freund aus Jugendzeiten ist kein anderer als der ehemalige Wohler Einwohnerratspräsident Arthur «Thuri» Fischer (69). «An einem Fliegeranlass am Flughafen Zürich haben wir uns vor etwa zwei Jahren zufällig wieder getroffen», berichtet dieser. «Wir haben uns über unsere Hobbys unterhalten und gemerkt, dass wir beide sehr abenteuerlustig sind.» Als Lüthi dann noch Teammitglieder suchte, stand Fischer oben auf der Liste.

«Es käme nicht jeder mit auf eine solche Expedition», ist Lüthi bewusst. «Denn natürlich könnte man die Atacamawüste auch gemütlich mit dem Car und einer geführten Tour bereisen. Aber uns reizt das Abenteuer.» Dabei haben die sechs Männer viel vor: «Wir wollen nicht nur Kilometer abspulen, sondern haben Kameras und Drohnen dabei, mit denen wir die Landschaft festhalten wollen», sagt Thuri Fischer, selber begeisterter Hobby-Fotograf. Lüthi betont ebenfalls, dass er sich auf die faszinierende Landschaft freue. Aber er hat noch mehr vor: «Auf unserer ersten Bolivien-Expeditionen 2005 hatten zwei von unserem Team aufgrund der Höhe mit Lungenödemen zu kämpfen und mussten sofort ins Tal. Dieses Mal werden wir regelmässig unseren Blutdruck, den Blutsauerstoff sowie die Urinwerte messen und in einer Liste eintragen. Wir sind gespannt, ob wir dadurch Anzeichen früher erkennen können.» So wird der Urlaub tatsächlich zur Expedition, zur Forschungsreise, wie man sich das als kleiner Bub erträumt.

Zwei 6000er

Insgesamt wollen die sechs Abenteurer in drei Wochen 3500 Kilometer zurücklegen, also etwa 180 pro Tag. Eingerechnet sind zwei 6000er, deren Spitzen, also die letzten rund 200 Höhenmeter, sie zu Fuss erklimmen wollen. «Da oben ist man dann wirklich ein alter Mann», erklärt Lüthi. «Der Sauerstoff wird knapper, der Körper mag nicht mehr, das Hirn arbeitet viel langsamer, man vergisst ständig Sachen und tut Dinge unnötigerweise mehrmals. Man altert um mindestens zehn Jahre. Ich bin sehr gespannt, wie das sein wird.»

Diese Woche sind die sechs Männer in Cochabamba auf 2500 Metern angekommen, wo sie ihre für die Expedition umgebauten Mietautos checken, Verpflegung einkaufen und alles sinnvoll verstauen. Danach wollen sie sich zwei Tage lang auf 3700 Metern akklimatisieren und den Jetlag verarbeiten. Danach kann es losgehen mit der Expedition, bei der sie sich abends gemeinsam im Zelt verpflegen und in den Autos schlafen werden. Thuri Fischer und Marcel Lüthi können es kaum erwarten.

Begleiten kann man die Abenteurer online auf ihrer Website www.celeste.li

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