Boswil/Kallern
Zur Höll mit dem Aushub: In einer neuen Deponie sollen 2 Millionen Kubikmeter gelagert werden

Mit der «Höll» soll zwischen Kallern und Boswil ein neuer Deponiestandort im kantonalen Richtplan festgesetzt werden. Dort soll 15 Jahre lang abgelagert werden. Das Mitwirkungsverfahren läuft noch bis Donnerstag.

Eddy Schambron
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In der Ebene, entlang der Kantonsstrasse 124 zwischen Kallern und Boswil, soll in Zukunft Aushubmaterial deponiert werden.

In der Ebene, entlang der Kantonsstrasse 124 zwischen Kallern und Boswil, soll in Zukunft Aushubmaterial deponiert werden.

Eddy Schambron

Wo gebaut wird, fällt Aushubmaterial an. Während im oberen Freiamt mit der Deponie Weid-Banacker in Beinwil, allerdings schon bald gefüllt, und der voraussichtlich 2019 in Betrieb gehenden Deponie Babilon in Dietwil im Moment Kapazität vorhanden ist, besteht im unteren Freiamt ein Engpass an Standorten für die Ablagerung des anfallenden Aushubmaterials. Deshalb soll mit der «Höll» zwischen Kallern und Boswil ein neuer Deponiestandort im kantonalen Richtplan festgesetzt werden. Das Mitwirkungsverfahren läuft noch bis Donnerstag.

Zwei Millionen Kubikmeter Aushub

Auf einer Fläche von rund 20 Hektaren sollen in der Deponie Höll auf dem Gemeindegebiet von Boswil und Kallern während rund 15 Jahren etwa zwei Millionen Kubikmeter sauberes Ausbruch- und Aushubmaterial deponiert werden. An diesem Standort würde damit jährlich ein Volumen von rund 150'000 Kubikmetern unverschmutztes Aushubmaterial bei einer mittleren Schütthöhe von etwa zehn Metern abgelagert. Die Deponie werde sorgfältig in die bestehende Landschaft eingegliedert.

Auf den typischen Landschaftscharakter werde bei der Planung der Sekundärlandschaft Rücksicht genommen, verspricht die Abteilung Raumplanung des Departements Bau, Verkehr und Umwelt. Die betroffenen Fruchtfolgeflächen würden nach erfolgter Rekultivierung wieder hergestellt und die kleinen, zu rodenden Waldflächen wieder im gleichen Ausmass aufgeforstet. Mit den Eigentümern ist die privatrechtliche Sicherung mit Abschlüssen von Dienstbarkeitsverträgen erfolgt. (es)

Der Standort liegt östlich der Wohlerstrasse K 124, ungefähr auf der Höhe der Waltenschwiler Kartbahn, und wird über den bestehenden Knoten der Kantonsstrasse erschlossen. Er grenzt an den Standort Grüenweid in Waltenschwil/Boswil an, der im Rahmen der Gesamtrevision des kantonalen Richtplans 2011 festgesetzt wurde.

Allerdings ist die weitere Planung dieses Standorts aus privatrechtlichen Gründen kurz- bis mittelfristig blockiert, wie die Abteilung Raumentwicklung des Departements Bau, Verkehr und Umwelt festhält. Das Gebiet Höll liegt in der Landwirtschaftszone. Als Voraussetzung für die neu geplante Nutzung ist der Deponiestandort im Richtplan auszuweisen, und es ist eine Teiländerung der Nutzungsplanungen der beiden Gemeinden mit Ausscheidung einer Deponiezone nötig. Diese Änderung der Nutzungsplanung kann von den Gemeindeversammlungen erst nach dem Richtplanbeschluss des Grossen Rates beschlossen werden.

Waldrodung nötig

Ohne Einbezug von zwei im Deponieperimeter liegenden Waldparzellen würde das geplante Deponievolumen um rund einen Drittel reduziert werden, was von den Fachleuten als unverhältnismässig beurteilt wird. Deshalb sollen diese beiden Waldparzellen gerodet werden, wozu eine Zustimmung des Bundesamtes für Umwelt notwendig ist.

Nach erfolgter Auffüllung der Deponie werden weitgehend zusammenhängende Gebiete für eine spätere ackerbauliche Nutzung rekultiviert. Damit werde der bundesrechtlichen Forderung der Sicherung des Kulturlandes und der Erhaltung der Fruchtfolgeflächen nachgekommen.

Ja zur Richtplananpassung

In seiner Stellungnahme stimmt der Bauernverband Aargau der Anpassung des Richtplans grundsätzlich zu. Klar ist für ihn die Gewinnung von Fruchtfolgefläche nach vollendetem Werk und eine fachgerechte Rekultivierung. Er schlägt vor, auf eine Wiederaufforstung zu verzichten, weil die Waldfläche schweizweit jährlich um 1400 Hektaren zunehme. Nicht nachvollziehbar ist für den Verband, weshalb für die Deponie ökologische Ausgleichsmassnahmen erforderlich sein sollen.

«Es handelt sich ja nicht um ein Strassenbauprojekt oder eine Überbauung, bei welcher Kulturland endgültig versiegelt wird und Biodiversität verloren geht.» Schliesslich schlägt er vor, den Feldweg Husmatte, von Boswil herkommend, neu entlang der Hauptstrasse zu führen und den Verlauf des Heuelbachs so anzulegen, dass er die landwirtschaftliche Nutzung nicht beeinträchtigt.

Die SVP Aargau, die die Anpassung des Richtplans befürwortet, stellt in ihrer Stellungnahme fest, dass die beiden im Perimeter der Projektstudie befindlichen Waldstücke keine besondere Schutzfunktion zu erfüllen haben und somit gerodet werden können. «Die Ersatzaufforstungsfläche muss nicht zwingend innerhalb des Perimeters realisiert werden.» Sie ist der Ansicht, dass die Ersatzaufforstung auch auf einer Fläche in angemessener Nähe stattfinden kann, die sich nicht als Fruchtfolgefläche eignet.