Fasnacht
Zunftmeister – ein Amt mit vielen Tücken

Als Kind sah er im Zunftmeister eine Autoritätsperson – heute bekleidet Paddi de Ghörnti Zeusler das Amt selber und kennt die Gefahren, die aufeinen Zunftmeister lauern.

Brigitte Santmann Rubin
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Patrik Huber alias Paddi de Ghörnti. bsr

Patrik Huber alias Paddi de Ghörnti. bsr

Brigitte Santmann Rubin

In der Hächle-Zunft tut Paddi de Ghörnti Zeusler seit 2008 mit. Es sei ihm damals ein bisschen langweilig geworden, weil die Kumpels nach und nach Familien gegründet hätten, und er habe eine neue Beschäftigung gebraucht, die ihm Spass mache. Das sagt Patrik Huber (40), wie er im richtigen Leben heisst, und fügt an: «‹Geimpft› wurde ich aber schon als Kind.»

Als dann die Anfrage kam, das Amt des Zunftmeisters zu übernehmen, habe er sich an damals zurückerinnert: «Als Kind schaut man zum Zunftmeister auf. Er ist es, der die Umzüge anführt und der den Kindern Preise überreicht.» Das wollte de Ghörnti Zeusler gern übernehmen, und noch etliche weitere Amtspflichten dazu: Etwa besucht der Zunftmeister andere Zünfte bei der Inthronisation ihres neuen Meisters und überbringt ein Geschenk. Bei Dorfbällen zieht der Zunftmeister an der Spitze seiner Zunft in die Halle ein.

Fettnäpfchen lauern überall

Vor allem aber muss der Zunftmeister höllisch aufpassen. Fettnäpfchen lauern überall. Das Zepter, Zeichen seiner Herrschaft, ist zum Beispiel begehrtes Raubgut anderer Zünfte. Man darf es keinen Augenblick aus den Augen lassen. Passiert das Malheur dennoch, wartet viel Arbeit auf den Bestohlenen – er muss etwa im Sommer eine Grillparty für die erfolgreiche Raub-Zunft ausrichten, um das Zepter wieder auszulösen.

Eine andere Möglichkeit, die eigene Ehre zu ruinieren, ist es, wichtige Pflichten zu verpassen. «Vor Jahren schlief ein Zunftmeister auf dem Klo ein und verpasste den Morgestreich.» Der Image-Schaden war beträchtlich. Was kann man tun, um vorzubeugen? «Nicht zu viel trinken, natürlich», meint Paddi ernst. «Man hat eine Aufgabe und muss jederzeit die Kontrolle über sich selber haben.»

Und wie kommt der neue Meister zu seinem Namen? «Gehörnt» heisst er, weil die Kinder Paddi als blutüberströmtes Teufelchen mit Hörnern auf dem kahl geschorenen Kopf kennen. Dass er so zum Kinderball auftaucht, ist sein Markenzeichen geworden. Und ein Zeusler ist er heute noch – Feuerwerk ist und bleibt seine Leidenschaft. Damals, als er zehn war und das mit Stroh unterlegte Erdbeerfeld der Eltern aus Versehen zu zwei Dritteln abfackelte – worauf der Name anspielt –, sei der Spass aber sehr beschränkt gewesen.

Grillparty mit Zepter

Wenn gerade nicht Fasnacht ist, ist Patrik Huber ein begeisterter PC-Tüftler und Bergwanderer. Der gelernte Elektriker ist seit einigen Jahren im Aufbau und der Produktion von Zelten und Blachen tätig. Und was sind seine Ziele für seine Amtsperiode als Zunftmeister? «Die verschiedenen lokalen Fasnachts-Vereine noch stärker vernetzen. Während der Fasnacht hat man kaum Zeit, über die Vereinsgrenzen hinaus miteinander zu schwatzen.» Mit einer Grillparty im Sommer will er Abhilfe schaffen – ohne sich vorher das Zepter abstauben zu lassen.