«Man hat nie ausgelernt. Wäre ja auch langweilig sonst.» Ursina (44) aus Bünzen bringt es in der Broschüre zum 40-Jahr-Jubiläum der Volkshochschule (VHS) Oberes Freiamt auf den Punkt. Sie und zahlreiche andere Freiämterinnen und Freiämter schildern darin in kurzen, prägnanten Worten, was sie gelernt haben und was sie noch gerne lernen würden – und machen damit auf das breite und spannende Angebot der Volkshochschule aufmerksam. 1700 Personen lassen sich von der VHS Oberfreiamt jährlich weiterbilden, freut sich Präsident Peter Hauser. Es sind heute über 100 Kurse und Vorträge, die angeboten werden. «Das entspricht rund 10'000 Stunden an Unterricht.» Die VHS Oberfreiamt ist heute die grösste der elf im Kanton Aargau.

Das hätten sich die Gründer nicht träumen lassen, als sie am 30. März 1978 in Muri den Verein Volkshochschule Oberes Freiamt ins Leben riefen. Die Gemeinde Muri leistet seither einen jährlichen Beitrag von 5000 Franken. Im ersten Jahr rechnete man mit einem Budget von 16'100 Franken. Heute sind es rund 250'000 Franken, wie Hauser ausführt. «Ohne grosszügige Sponsoren wäre es nicht denkbar, diese Bandbreite an Bildungsangeboten anbieten zu können», sagt Hauser.

Auf in die digitale Zukunft

Jetzt hat die VHS Oberfreiamt einen grossen Schritt in die (digitale) Zukunft gemacht. Auf der neuen Website kann durch das detaillierte Jahresprogramm gesurft werden. Die gewählten Kurse lassen sich gleich online buchen, was schon bisher sehr beliebt war. «80 Prozent der Buchungen erfolgen heute online, 60 Prozent von mobilen Geräten aus», unterstreicht Hauser die Wichtigkeit, digital vorne dabei zu sein. Die anderen aargauischen Volkshochschulen übernehmen die Oberfreiämter Entwicklung ebenfalls. Zudem wird viel Gewicht auf die Ausbildung der Dozentinnen und Dozenten gelegt, die nicht schon von Berufs wegen Lehrkräfte sind.

Den Erfolg der VHS Oberfreiamt sieht Hauser einerseits im vielseitigen Angebot, andererseits in den attraktiven Preisen. Positiv wirke sich aus, dass es in der unmittelbaren Region keine Migros-Klubschule gibt. «Die Leute bleiben gerne in der Region.»

Ursprünglich für Arbeiterklasse

Die Volkshochschulen seien ursprünglich eine Einrichtung der Aufholbildung für die Arbeiterklasse gewesen, erinnert Christoph Reichenau, Präsident des Verbandes Schweizerischer Volkshochschulen. «Bildung, so die Idee ihrer Gründer nach dem 1. Weltkrieg, sollte soziale Mobilität ermöglichen und die Klassengegensätze überbrücken, schockartig sichtbar geworden durch den Landesstreik 1918.» Die Volkshochschulen waren so erfolgreich, dass während des 2. Weltkrieges ihr nationaler Zusammenschluss nötig schien. 1943 wurde der Verband der Schweizerischen Volkshochschulen gegründet. Der Wandel des sozialen, kulturellen, politischen wie wirtschaftlichen Umfelds von den 1960er- bis in die 1980er-Jahre beeinflusste auch die Volkshochschule. Neue Themen waren die zertifizierbare Weitebildung vor allem in den Sprachen und Angebote im Bereich der Informationstechnologie. Das Wachstum blieb ungebrochen.

Das 40-Jahr-Jubiläum der VHS Oberes Freiamt wird am Samstag, 25. August, ab 17 Uhr, im Dachsaal der Pflegi Muri gefeiert. Neben musikalischer Unterhaltung und Apéro gibt es einen Rückblick und eine Jubiläumsausstellung. Der Eintritt ist kostenlos.