Waltenschwil

Zum Geburtstag gab es einen Riesenmohrenkopf

Der Sagenweg in Waltenschwil feierte sein einjähriges Bestehen mit rund 100 Freunden, gutem Wetter und einiger Prominenz: In ihrer Festrede outete sich Nationalrätin Pascale Bruderer als Sagenfan.

Wer wird schon an seinem ersten Geburtstag mit einer Rede von Ex-Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer beehrt? Dem Freiämter Sagenweg ist eben das gelungen. Aber nicht nur das: Einen grossen Beitrag zu einem überragenden Geburtstagsfest haben auch zahlreiche andere geleistet - das perfekte Endsommerwetter, die anwesenden Künstler und natürlich die vielen begeisterten Erzählerinnen und Erzähler.

Der Freiämter Sagenweg ist jederzeit ein Erlebnis. Ob allein oder auf einer Führung mit einer ganzen Gruppe anderer Besucher, ob bei Wind und Nieselregen oder Sonnenschein, frühmorgens oder gar in tiefster Nacht - oft trifft man auf ein unbekanntes Detail, eine neue Facette. Sind da nicht ein paar Blutspuren mehr auf den Bäumen bei den elf Jungfrauen und beim roten Wyssenbacher-Pferd als beim letzten Mal? Auch auf jeder Führung erhält man eine Fülle an neuen Informationen. So stellte sich bei der Skulptur der drei Angelsachsen heraus, dass Robinienholz auch als Scheinakazienholz bekannt ist. Welcher Waldlaie hätte das schon gewusst?

Führungen sind gefragt

Der Sagenweg sei eine Waltenschwiler Attraktion mehr, meinte Gemeinderat Simon Zubler. Die anfangs eher skeptischen Stimmen seien verstummt, unterdessen sei man dem Weg gegenüber positiv eingestellt. «Hoffentlich hält die Erfolgsgeschichte noch ein paar Jahre lang an», so Zubler. Eine Erfolgsgeschichte ist der Sagenweg wahrhaftig. Nebst den vielen offiziellen Führungen hätten an die 60 Privatpersonen oder Gruppen eine solche für sich gebucht, meinte Erich Näf vom Verein Erlebnis Freiamt. Die Hartnäckigkeit der beiden Initianten Alex Schaufelbühl und Rafael Häfliger hätte sich mehr als bezahlt gemacht.

In ihrer Festrede outete sich Nationalrätin Pascale Bruderer als echten Sagenfan. Schon als kleines Mädchen hätten die Sagen sie fasziniert. Das Grundgerüst einer Geschichte sei zwar gegeben, doch sie hätte sie mit ihrer eigenen Vorstellungskraft ausschmücken können. Ausserdem gehöre beim Sagenerzählen auch immer ein aufmerksames Gegenüber dazu, das einem zuhöre und die Geschichte danach nach Belieben mit der eigenen Fantasie bereichere. Das sei etwas, was in der heutigen Zeit schnell einmal verloren gehe. Und immer gäbe es in jeder Sage zumindest ein Körnchen, einen Kern oder manchmal einen ganzen Brocken Wahrheit.

Aus drei Gründen schätze sie den Sagenweg sehr - darum habe sie auch, als man sie für die Rede angefragt hatte, ohne zu zögern oder auch nur einen Blick in die Agenda zu werfen, zugesagt. Da sei einerseits der kulturelle Wert: Da Sagen sogenannte immaterielle Kulturgüter seien, liefen sie eher die Gefahr, in Vergessenheit zu geraten. «Darum ist es wichtig, Sorge zu tragen, auch wenn man sie nicht direkt vor sich sieht», meinte Bruderer. Auf dem Sagenweg sollte das kein Problem sein: Die Verbindung mit echten sichtbaren Kulturgütern - also den Skulpturen - bezeichnete sie als schlicht «genial». Ein zweiter Grund sei, dass der Sagenweg aus einzelnen Geschichten ein ganzes Rundum-Erlebnis gestalte - Genuss und Bewegung inklusive.

Verbindendes Erlebnis

«Potenzial weit über die Region» bringe der Weg mit sich und sei etwas - so der dritte Grund - das man gemeinsam erleben könne, zusammen mit der Schulklasse oder auch mit der Familie. Und zwar nicht nur mit den Eltern, sondern auch mit den Grosseltern. «Generationenverbindend» könne er wirken, so Bruderer - ein Thema, das ihr auch während ihrer Zeit als Nationalratspräsidentin äusserst wichtig gewesen sei.

Kurzum gesagt: «Der Sagenweg bietet für alle etwas», erklärte Bruderer, bevor sie unter den Anwesenden statt Geburtstagskuchen Dubler-Mohrenköpfe verteilte.

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