Kolumne

Zum ersten Mal intelligent – Fasnächtler und der liebe Alkohol

Ein Bierhalter gehört zum Guggenkostüm dazu.

Ein Bierhalter gehört zum Guggenkostüm dazu.

Online-Redaktor Dominic Kobelt ist ein erfahrener Fasnächtler, spielt jetzt aber zum ersten Mal in einer Guggenmusik. In seiner Kolumne berichtet der Freiämter von seiner ersten Saison mit den Sumpfer-Stilzli Kelleramt. In seinem 6. Beitrag macht er sich Gedanken über den Zusammenhang zwischen Fasnacht und Alkohol.

Vor ein paar Wochen bekam ich einen Anruf meines Guggen-Kollegen Meki. In besorgtem Tonfall erklärte er mir, dass seit ein paar Jahren ein regelrechtes Guggen-Sterben zu beobachten sei. Dies besonders in der Region Baden, aber auch in Berikon findet dieses Jahr kein Ball mehr statt, weil es keine Guggenmusik mehr gibt. «Viele haben das Gefühl, bei der Fasnacht gehe es nur um Alkohol. Klar gehören mal ein Bierchen und das Kafi Luz dazu, aber die Guggenmusiken machen doch so viel mehr, könntest du nicht mal darüber schreiben?»

Seine Argumentation leuchtete mir sofort ein. Im Verein unternehmen wir zusammen Ausflüge, stecken unglaublich viele Arbeitsstunden in die Vorbereitungen des Schüür-Balls, spielen in Altersheimen und an Kinderfasnachten. Wer lediglich saufen möchte, dem ist die Guggenmusik zu anstrengend. Trotzdem habe ich mich gefragt, ob der Zusammenhang zwischen Fasnacht und Alkohol tatsächlich so falsch ist – in Zeiten der «Fake News» muss man ja vorsichtig sein mit Behauptungen.

Obwohl ich es nicht mit Zahlen untermauern kann, habe ich genug Besucherinnen und Besucher von Fasnachtsbällen kennen gelernt, um eine Behauptung aufzustellen. Auch wenn ich mich damit, wissenschaftlich gesehen, weit aus dem Fenster lehne: An einem Fasnachtsball konsumiert die Mehrheit der Gäste Alkohol. So, jetzt ist es raus.

Allerdings ist das noch kein Beweis, dass ein Zusammenhang besteht. Während meines Studiums habe ich gelernt, dass es sogenannte Schein-Korrelationen gibt. Vergleicht man, wie hoch das Storch-Vorkommen in einer bestimmten Gegend ist, mit der Anzahl Neugeborener, dann besteht, statistisch gesehen, eine Korrelation. Sprich: Je mehr Störche, desto mehr Babys. Das ist kein Beweis dafür, dass der Storch die Babys bringt. Vielmehr ist es so, dass in ländlichen Gebieten mehr Grossfamilien leben als in Städten, und auch der Storch bevorzugt ländliche Lebensräume.

Vielleicht ist es also auch so, dass besonders intelligente Menschen viele Überstunden leisten. Weil sie dies oft in Büros tun, in denen die Luft rasch stickig wird, ist ihre Kehle trockener als diejenige von weniger intelligenten Menschen. Und weil sie natürlich wegen ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit unter der Woche nie Alkohol trinken, weigert sich ihr Körper, auch noch am Wochenende literweise Wasser zu sich zu nehmen. Darum müssen sie von Zeit zu Zeit zum Bier greifen. Es könnte also durchaus sein, dass an Fasnachtsbällen die Besucher gar nicht dem Alkohol zugeneigt sind. Sie sind einfach nur sehr intelligent. Aber das ist nur eine Vermutung.

Hier finden Sie alle Beiträge der Kolumne.

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