Kolumne

Zum ersten Mal Gänsehaut – und ein bisschen Nervosität

Dominic Kobelt
Der erste Auftritt

Der erste Auftritt

Einzug in die Turnhalle zum Gönner-Apéro.

Online-Redaktor Dominic Kobelt ist ein erfahrener Fasnächtler, spielt jetzt aber zum ersten Mal in einer Guggenmusik. In seiner Kolumne berichtet der Freiämter von seiner ersten Saison mit den Sumpfer-Stilzli Kelleramt. In seinem 7. Beitrag berichtet er von seinem ersten Auftritt mit der Guggenmusik Sumpfer-Stilzli.

Der Vorhang öffnet sich. Ich sitze in der vordersten Reihe, die Krawatte sitzt etwas zu eng, die Scheinwerfer lassen die Temperatur unter dem Uniform-Kittel steigen. Der Dirigent hebt den Taktstock, ich konzentriere mich darauf, keinen falschen Ton zu spielen. Während das Stück ins Fortissimo anschwillt, geht mir ein Gedanke durch den Kopf: Nur nicht rot werden. Jetzt spüre ich erst recht, wie sich mein Gesicht verfärbt und mir der Schweiss auf den Hemdkragen tropft.

Die Erinnerung an eines der ersten Jahreskonzerte, die ich mit der Musikgesellschaft Zufikon absolviert habe, ist mir immer noch lebhaft im Gedächtnis. In den folgenden Jahren habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, vor dem Auftritt einen Jägermeister zu trinken. Der hatte jeweils eine beruhigende Wirkung auf mich, vermutlich weil im Schnaps 56 Kräuter verarbeitet sind.

Auch an meinem ersten Konzert mit der Guggenmusik Sumpfer-Stilzli bin ich nervös. Es ist das Konzert für all unsere Gönner an einem Samstagnachmittag. Wir stehen vor der Halle und laufen spielend auf die Bühne. Meine Brille, die mit LED-Lichtern besetzt ist und deshalb meine Sicht etwas einschränkt, und meine weichen Knie lassen in mir die Befürchtung aufkommen, dass ich irgendwo unterwegs stolpere und vor den Zuschauern auf den Boden knalle.

Doch ich schaffe es ohne Ausrutscher auf die Bühne. Was aus meiner Trompete rauskommt, tönt zwar noch etwas unsicher, und der eine oder andere falsche Ton schleicht sich ein, aber ich überstehe den ersten Auftritt ohne grösseren Patzer.

Wenige Stunden später machen wir uns auf den Weg nach Muri, wo wir erstmals vor grossem Publikum spielen. Die Nervosität hat sich gelegt. Die Leute stehen auf den Bänken, schunkeln mit, applaudieren begeistert. Beim Auszug, also dem Lied, zu dem wir die Bühne wieder verlassen, passiert es dann: «And I say, hey, yeah, yeah…. What’s going on?», hallt es von den Zeltwänden. Das Publikum singt mit, in einer ungewohnten Lautstärke, und mit einer Freude, dass sich die Härchen auf meinem Unterarm aufstellen. Ich danke euch allen für diesen Gänsehaut-Moment.

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