Als ich noch in der Musikgesellschaft Zufikon spielte, übten wir von Zeit zu Zeit auch Marschmusik. Schnurgerade in einer Linie stehen, nicht an der Nase kratzen, wenn der Experte vorbeiläuft, gemeinsam starten und im Takt laufen, und dann auch noch die richtigen Töne treffen – für mich war es immer eine sehr anspruchsvolle Disziplin.

Mit der Guggenmusik an einem Umzug mitzulaufen, das ist nicht ganz so schwierig. Das Anspruchsvollste ist der Rhythmus-Teil, bei dem sich die Sumpfer-Stilzli hüpfend, geduckt, rück- und seitwärts durch Bremgarten bewegen, und die Sousaphonisten kreuz und quer durch die Formation rennen. In der Marschmusik gibt es das auch, nur laufen die Richtungswechsel streng geordnet ab, und heissen «Evolutionen».

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Während des Umzugs merke ich aber, dass sich auch hier einige Gefahren verbergen. Statt einer Jury stehen Kinder am Strassenrand. Sie sind bewaffnet mit Konfetti – und wenn ihnen nicht gefällt, was sie hören, dann folgt die Strafe umgehend. Was unser Hornist Meki gespielt hat, weiss ich nicht, aber sein Instrument wird mit so vielen Konfetti gefüllt, dass er es zuerst ausschütteln muss, bevor er weiterspielen kann. Ich selber werde nur selten mit den farbigen Papierschnitzeln attackiert. Nicht etwa, weil ich besonders schön spiele. Einige Kinder sind schon für einen Angriff bereit, entscheiden sich aber im letzten Moment anders, als sie sehen, dass auf meinem Instrument eine Kamera installiert ist, die das Ganze auf Video festhält.

Noch viel gefährlicher sind aber die Kinder, die sich neue Munition holen. Als ich rückwärts durch die Strasse laufe, um meine Kolleginnen und Kollegen zu filmen, stolpere ich beinahe über einen solchen kleinen Konfetti-Sammler, der sich unbemerkt von seiner Mutter entfernt hat.

Mir hätte das als Kind nicht passieren können. Ich liebte zwar die Fasnachtsumzüge, aber hatte auch etwas Angst davor. Am meisten fürchtete ich, von irgendeiner skurrilen Gestalt in einem Wägeli mitgenommen zu werden und meine Eltern nicht mehr zu finden. Guggenmusiken interessierten mich nicht. Viel mehr war ich hinter den Zältli her, die überall verteilt wurden. Ich weiss noch, wie gross die Enttäuschung war, wenn ich stattdessen nur eine Orange erhielt.

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