Kolumne

Zum ersten Mal ein Paradiesvogel – unterwegs im Guggen-Gwändli

Eine Gruppe Sumpfer-Stilzli feierte den Fasnachtsbeginn in Eichberg SG.

Eine Gruppe Sumpfer-Stilzli feierte den Fasnachtsbeginn in Eichberg SG.

Im Video drei Guggen-Musiken: Die Föhngugge, Räbefäger und die Sittärä-Chlöpfer.

Online-Redaktor Dominic Kobelt ist ein erfahrener Fasnächtler, spielt jetzt aber zum ersten Mal in einer Guggenmusik. In seiner Kolumne berichtet der Freiämter von seiner ersten Saison mit den Sumpfer-Stilzli Kelleramt. In seinem 4. Beitrag schreibt er über sein Gwändli.

Am Wochenende der Fasnachtseröffnung bin ich mit einem guten Dutzend Sumpfer-Stilzli unterwegs nach Eichberg SG. Während der letzten Saison haben sich einige Mitglieder aus den beiden Guggenmusiken an einem Anlass kennen gelernt, es sind Freundschaften entstanden, und so wurden wir eingeladen, mit ihnen zu feiern.


Schon die Fahrt ist ein Erlebnis. Es wird gelacht und gesungen, und ich bin froh, sind wir eine Guggenmusik und kein Chor. Angelina hat Pizzaschnecken für uns alle gebacken, verteilt sie in einer Kurve auf dem Boden unseres Busses, aber wir sind nicht heikel und desinfizieren unsere Münder kurzerhand mit etwas Weisswein, der glücklicherweise auch an Bord ist.

Eine Gruppe Sumpfer-Stilzli feierte den Fasnachtsbeginn in Eichberg SG.

Eine Gruppe Sumpfer-Stilzli feierte den Fasnachtsbeginn in Eichberg SG.


Als wir bei einer Raststätte halten, wirft man uns neugierige Blicke zu. Wir haben unser Gwändli an; orange, blau, gold und dunkelrot kommen wir daher, wie bunte Paradiesvögel. Bin ich in einer Gruppe unterwegs, macht es mir nichts aus, wenn ich schräg angeschaut werde – schliesslich bin ich einer von vielen. Und ich zeige gerne, dass ich zu diesem Verein gehöre.

Ist man alleine unterwegs, kann eine Verkleidung allerdings auch unangenehm sein. Ich erinnere mich an letztes Jahr, wo ich mich nach einer durchtanzten Nacht und einem Erfrischungsgetränk am frühen Morgen im «Wave» in Muri auf den Weg nach Zufikon machte. Ich war noch immer als Elch verkleidet, mein Geweih hüpfte bei jedem Schritt auf und ab. An der Bushaltestelle warteten bereits ein paar Jugendliche, ein Mann im Anzug, eine ältere Dame – viel zu viele Leute für einen Samstagmorgen. Die Dame musterte mich schmunzelnd und sprach mich nach kurzem Zögern an:


«Waren Sie an der Fasnacht?»

«Genau.»

«Und jetzt gehen Sie nach Hause?»

«Ja, ich muss mich etwas hinlegen.»

«Und heute Abend gehen Sie wieder an die Fasnacht?»

«Ja, das habe ich vor.»

«Das ist schön, dass Sie noch so lange feiern mögen. Ich könnte das nicht mehr», sagte sie und schob sich mit ihrem Rollator in den Bus.

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