Fasnachts-Kolumne

Zum ersten Mal ein Clown - so werden Guggenmusiker geschminkt

Schminken in doppelter Geschwindigkeit

Schminken in doppelter Geschwindigkeit

Dominic Kobelt wird zum ersten Mal geschminkt.

Online-Redaktor Dominic Kobelt ist ein erfahrener Fasnächtler, spielt jetzt aber zum ersten Mal in einer Guggenmusik. In seiner Kolumne berichtet der Freiämter von seiner ersten Saison mit den Sumpfer-Stilzli Kelleramt. In seinem 12. Beitrag erklärt er die Schmink-Prozedur.

Warum schminken sich Guggenmusiker? Diese Frage ging mir durch den Kopf, nachdem ich zum ersten Mal die rund 10-minütige Behandlung mit verschiedenen Sprühpistolen, Schablonen, Stempeln und Sprays durchlaufen hatte. Mit dem Resultat war ich sehr zufrieden – mit der vielen Farbe im Gesicht sah ich wild und verwegen aus, so richtig fasnächtlich, fand ich. Bis meine Kollegin Lorena mich ansah und trocken bemerkte: «Mit Schminke siehst du ja noch älter aus als sonst.»

Aber zurück zur Ausgangsfrage. Eine optische Aufwertung ist – wie Lorenas Bemerkung eindrücklich beweist – wohl nicht das primäre Ziel. Zudem hat das Aufsprühen der Farbe auch wenig gemeinsam mit dem filigranen Bepudern, Abtupfen und Nachfahren, das die Damen zelebrieren, um uns Männern zu imponieren.

Dass ich selbst geschminkt werde, habe ich bisher nur im Militär erlebt. Ich erinnere mich, dass uns gezeigt wurde, wie man sich richtig tarnt, Konturen bricht, damit man den Gegner unbemerkt anschleichen kann. Etwas widersprüchlich fand ich dann, dass wir trotz «Tarnmodus» unsere reflektierenden Beinbinden montieren mussten – Sicherheit geht vor. Auch die Guggenmusik hat manchmal militärische Züge: Oft muss man einfach das machen, was einem gesagt wird, in den Pausen wird gejasst und auch mal ein Bier getrunken. Trotzdem: Mit der militärischen Schminke hat unsere nichts gemeinsam – schliesslich wollen wir uns nicht tarnen, sondern auffallen.

Als weiteres Beispiel sind mir die Indianer eingefallen. Sie bemalten sich, um ihre Stammeszugehörigkeit auszudrücken, und, um dem Gegner Furcht einzuflössen. Auch die Guggenmusik hat eine einheitliche Schminke – hat dieser Brauch also indianische Wurzeln? Einen Häuptling gibt es schliesslich auch bei uns, dem sagen wir Tambi, und er befiehlt uns, welchen Kriegsgesang, Pardon, welches Lied wir als nächstes anstimmen. Aber Angst wollen wir unserem Publikum sicher nicht machen – da würde das mit der Friedenspfeife schon eher zutreffen.

Die auffälligste Schminke haben die Clowns. Und auch wenn ich mich hüten werde, uns als eine Horde von Clowns zu bezeichnen, es gibt Parallelen: Clowns unterhalten das Publikum, wo sie auftauchen wird es immer etwas chaotisch, und meistens sind sie etwas tollpatschig, aber liebenswert. Genau so sehe ich auch uns Sumpfer-Stilzli.

Hier finden Sie alle Beiträge der Kolumne.

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