Bald schon ist meine erste Saison mit der Guggenmusik Sumpfer-Stilzli zu Ende. Da stellt sich natürlich die Frage nach den bisherigen Erkenntnissen. Die wichtigsten fünf im Überblick:

1. Immer auf das Schloss achten

Ein grosses Malheur passiert mir bereits wenige Stunden nach dem ersten Auftritt. Ich will nach Hause, und hole mir deshalb meine persönlichen Sachen aus dem Instrumenten-Anhänger. Als ich ihn wieder abschliessen möchte, bemerke ich, dass das Vorhängeschloss verschwunden ist – wie ich später rekonstruieren kann, ist es unbemerkt zwischen die Instrumentenkoffer gefallen. Das hat am nächsten Tag eine grössere Suchaktion zur Folge, was für mich bedeutet, dass ich den Suchtrupp mit Bier bezahlen muss.

2. Sich nichts anmerken lassen

Die Verletzungsgefahr an der Fasnacht ist gross. Am Monster-Konzert in Muri gab es gleich mehrere Pechvögel. Am schlimmsten getroffen hat es Paukist Severin: Während eines Auftritts stürzt er so unglücklich, dass ihm die Kniescheibe rausspringt. Nach einem kurzen Aufenthalt im Notfall kommt er mit Bandagiertem Bein zurück – Kollegen tragen seine Pauke auf die Bühne, damit er beim letzten Auftritt mitspielen kann. Auch ich muss an diesem Tag leiden: Die Maschine, die während unseres Auftritts Seifenblasen ins Publikum windet, fällt mitten im Auftritt um, und mir auf den Kopf. Auch meine Kollegin Angelika wird getroffen, sie trägt gar eine Gehirnerschütterung davon. Wir spielen aber tapfer weiter, ohne eine Miene zu verziehen. Und der Einsatz lohnt sich: Die Sumpfer-Stilzli erreichen unter den 42 angetretenen Guggenmusiken den 2. Platz.

Auftritt am Monster Muri

Auftritt am Monster Muri

Nach 6 Minuten und 15 Sekunden fällt oben rechts die Seifenblöterli-Maschine um.

3. Wie man Platz im Bus schafft

Bei jedem Auftritt gibt es ein paar Personen, die fahren müssen. Wir haben mehrere Kleinbusse, mit denen wir alle Mitglieder zu den Bällen und wieder nach Hause bringen. Diese Gefährte sind aber in der Bedienung etwas speziell, wenn man diese Grösse von Fahrzeugen nicht gewohnt ist. Und es ist eine grosse Verantwortung, so viele Personen zu transportieren. Ramona hat eine einfache Möglichkeit gefunden, in ihrem gut gefüllten Bus Platz zu schaffen und damit ein bisschen Verantwortung abzugeben. Gerade als die Leute eingestiegen sind, startet sie den Motor, drückt aber die Kupplung nicht ganz durch, das Fahrzeug macht unvermittelt einen Satz nach vorne. Ein paar Sumpfer-Stilzli erschrecken sich so sehr, dass sie in meinen Bus flüchten.

4. Mütter sind wichtige Stützen

Nachdem die ersten Beiträge dieser Kolumne erschienen sind, erzählt mir Lukas: «Meine Mutter ruft mich jedes Mal an, wenn ein neuer Beitrag in der Zeitung ist, und weist mich darauf hin.» Darüber hat sich der Verfasser natürlich sehr gefreut. Und auch die Mutter von Patrick leistet wertvolle Unterstützung: Als ich eines Tages an der Bushaltestelle warte, hält sie an und nimmt mich mit – sie hat mich am Gwändli erkannt. An dieser Stelle allen Sumpfer-Mamis einen herzlichen Dank!

5. Wie man einen Brexit macht

Unter Fasnächtlern entstehen oft neue Ausdrücke und Redewendungen. Wir sitzen vor dem Schulhaus, trinken ein Bier und erzählen uns, was sich am Vorabend ereignet hat. Plötzlich wirft Fabian ein: «Gestern hat Andi den Brexit gemacht.» Als ich ihn nur verwundert ansehe, erklärt er: «Er hat sich von allen verabschiedet und ist dann doch noch geblieben.»

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