Kolumne

Zum ersten Mal am Ende – die Fasnachtswoche war ein Kampf

Dominic Kobelt (hinten, dritter von links) mit seinen Sumpfer-Stilzli am Morgenstreich in Luzern.

Dominic Kobelt (hinten, dritter von links) mit seinen Sumpfer-Stilzli am Morgenstreich in Luzern.

Online-Redaktor Dominic Kobelt ist ein erfahrener Fasnächtler, spielt jetzt aber zum ersten Mal in einer Guggenmusik. In seiner Kolumne berichtet der Freiämter von seiner ersten Saison mit den Sumpfer-Stilzli Kelleramt. In seinem 9. Beitrag erzählt er von einer anstrengenden Zeit.

Hast du den heutigen Beitrag noch geschrieben, als du nach Hause gekommen bist?», fragt mich ein Guggen-Gspönli skeptisch. «Nein, den habe ich bereits vor zwei Wochen geschrieben und vorbereitet», muss ich zugeben. «Hätte mich auch sehr gewundert, so wie du aussiehst», kommt es trocken zurück. Die Fasnachtswoche hat ihre Spuren hinterlassen. Manche davon sind wohl auch mit Schminke kaum zu kaschieren.

Die bisher mit Abstand intensivste Woche beginnt in der Nacht zum Schmudo, um 2.30 Uhr. Wir fahren nach Luzern, um dort den Urknall mitzuerleben. Kurz nach 5 Uhr regnet es Papierschnitzel über die Menschenmenge. Bis am frühen Nachmittag feiern wir in der Fasnachtshochburg. Als ich nach Hause komme, reicht es für knappe drei Stunden Schlaf, bis ich mich wieder zum Schminken einfinden muss.

Auch in den nächsten Tagen ist Schlaf ein rares Gut, und als ich am Montag vor dem PC sitze und diese Zeilen schreibe, kommt es mir unwirklich vor, all diese Erlebnisse in so kurzer Zeit. Dabei waren nicht alle positiv: Selbst vor Materialschäden blieb der Verein nicht verschont. Eines unserer Büsschen verabschiedete sich mit rauchendem Motor von uns. Der Schlüssel vom Anhängerschloss brach ab, und keiner wollte die Verantwortung für das Missgeschick übernehmen, was dazu führte, dass ein Posaunist streiken wollte, bis der Übeltäter gefunden sei. Der Schlafmangel bei allen Sumpfer-Stilzli führte dazu, dass auch Mal böse Worte fielen. «Jetzt vergheits wieder», sagen die langjährigen Mitglieder in solchen Situationen.

Was ich aber mitnehme, sind die vielen verbindenden Momente. Etwa die Hilfsbereitschaft, die ganz selbstverständlich dazugehört: Als meine Hose an einer etwas ungünstigen Stelle reisst, näht Sarah das Loch an Ort und Stelle wieder zu. In den frühen Morgenstunden werde ich mehrmals spontan zu einem Spaghetti-Plausch bei Leuten eingeladen, die ich vor einigen Monaten noch gar nicht kannte – auch wenn ich jetzt weiss, dass nicht alle von ihnen kochen können. Oder den Auftritt in der St. Josef-Stiftung, und mit welcher Begeisterung die dortige Formation «Seppihüler» gespielt hat – ein Abend, an dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammen Fasnacht feierten. Dagegen sind die negativen Momente nur noch ein winziger Punkt, weit zurück in der Vergangenheit.

Hier finden Sie alle Beiträge der Kolumne.

Meistgesehen

Artboard 1