Wohlen
Zum Ausgleich spaltet der neue Präsident des Einwohnerrats Holz

Andrea Duschén blickt mit Respekt auf die erste Ratssitzung, die er als Einwohnerratspräsident von Wohlen leitet. Er bemühe sich, sich neutral zu verhalten, sagt der FDP-Politiker. Die Parteizugehörigkeit sei meist zweitrangig.

Dominic Kobelt
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Leitet am Montag seine erste Einwohnerratssitzung: Andrea Duschén. kob

Leitet am Montag seine erste Einwohnerratssitzung: Andrea Duschén. kob

kob

Einstimmig wurde Andrea Duschén zum neuen Einwohnerratspräsidenten gewählt. Der FDP-Politiker ist seit 2006 im Einwohnerrat, war Fraktionspräsident und durfte die letzten zwei Jahre als Vize Ariane Gregor über die Schulter schauen. Gelernt habe er dabei vor allem, wie man die Sitzungen serös vorbereitet. «Man muss an alle Eventualitäten denken, und trotzdem gibt es immer wieder Überraschungen. Dann gilt es, flexibel zu reagieren.»

Duschén ist sich gewohnt, vor Leuten zu sprechen, er ist nebenamtlich an der Berufsschule Lenzburg als Lehrer tätig. Was ist schwieriger zu führen, eine Schulklasse oder der Einwohnerrat? Duschén schmunzelt, faltete die Hände im Schoss, blickt nach oben und überlegt.

«Ich habe noch keine Erfahrung darin, Sitzungen des Einwohnerrats zu leiten, aber ich denke, es ist anspruchsvoller, weil die Leute kritischer sind.» Es sei schwer zu vergleichen, und trotzdem gäbe es Parallelen: «Es gibt an beiden Orten einfachere und schwierigere Personen, bei denen man wissen muss, wie man mit ihnen
umgeht.»

Kommt hinzu, dass Duschén das Amt in einer schwierigen Zeit übernimmt: Der Fall Dubler wird die Gemeinde wohl noch eine Zeit lang beschäftigen. «Wenn es eine Möglichkeit gibt, den Gemeinderat zu unterstützen, dann mache ich das natürlich, ich möchte ihm aber nicht dreinreden – schliesslich betrifft die Situation die Exekutive und nicht die Legislative.»

Wie wichtig ist die Partei?

Zurück zu Duschéns Aufgaben: Die Vorbereitung der Sitzungen ist sehr zeitintensiv. Der Einwohnerratspräsident muss nicht nur die Vorlagen genau kennen, auch der Kontakt zu den Fraktionen ist wichtig. «Je nach dem, was für Vorstösse kommen und wie umstritten ein Geschäft ist, gilt es abzuschätzen, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt.» Das Amt erfordere, dass man allseitig akzeptiert sei, andere Meinungen toleriere und die nötige Zeit aufbringen könne.

An der Einwohnerratssitzung vom vergangenen Montag kam es zu einer Kampfwahl. Seit Jahren hat sich eingebürgert, dass sich SVP, CVP, FDP und der Innere Ring (SP, Grüne, EVP und GLP) beim Amt des Einwohnerratspräsidenten abwechseln. Dementsprechend wäre bei der Besetzung des Vize-Präsidiums der Innere Ring an der Reihe gewesen, der Cyrille Meier (SP) als Kandidaten vorschlug. Es kam aber anders: Der Rat wählte Edi Brunner (SVP) als Nachfolger. Duschén findet jedoch nicht, dass der Innere Ring übergangen wurde: «Es gab valable Kandidaten, die haben sich aber nicht aufgestellt. Es war legitim von der SVP, einen Gegenkandidaten ins Rennen zu
schicken.»

In wieweit spielt denn die Parteizugehörigkeit eine Rolle? «Ich bin FDP-Einwohnerratspräsident, als das wurde ich auch gewählt», sagt Duschén. «Ich bemühe mich, mich neutral zu verhalten, grösstenteils ist die Parteizugehörigkeit sekundär – aber ich habe natürlich Einfluss auf die Traktandenliste.»

Der Vater dreier erwachsener Kinder war Geschäftsführer der Firma Duschén Wohnbedarf, die in der Zwischenzeit in dritter Generation von seinem Sohn geleitet wird. Er selber sieht sich aber nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Handwerker: Gelernt hat er Innendekorateur, hat die Meisterprüfung abgelegt und ist seit 31 Jahren Berufsschullehrer. Eigentlich ein typischer FDP-Politiker. Duschén stellt aber klar: «Vom Grundgedankengut her stimmt das, aber auch andre Parteien haben gute Ideen.»

Holzhacken im eigenen Wald

Und was wünscht sich der höchste Wohler für seine Gemeinde? «Dass die grossen Projekte mit Mut in Angriff genommen und nicht nur auf die Kosten reduziert werden. Wenn man nach guten Steuerzahlern ruft, muss man bedenken, dass dazu auch die Infrastruktur attraktiv sein muss.»

Wenn Duschén einmal von der Politik abschalten will, dann hackt er Holz: «Ich habe ein kleines Stück Wald. Die Arbeit ist ein guter Ausgleich.» Weitere Hobbys sind Velofahren oder Ausflüge mit Motorrad und Seitenwagen.

Seiner ersten Sitzung schaut er mit Respekt entgegen. Die Budgetsitzung sei erfahrungsgemäss ein heisses Eisen. «Ich bereite mich dementsprechend vor. Da es aber die zweite Vorlage ist, hoffe ich, es gibt weniger Anträge – der Gemeinderat hat ja reagiert und etwas unternommen.»

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