Wohlen
Zukunft des Schlössli ist weiter ungewiss

Die Diskussionen über die Zukunft des ältesten Steinhauses in der Gemeinde Wohlen reissen nicht ab. Eine Idee: Das Schlössli mit Beton füllen und als Kunstprojekt erhalten.

Jörg Baumann
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Derzeit ist das Wohler Schlössli eine baufällige Ruine. fh

Derzeit ist das Wohler Schlössli eine baufällige Ruine. fh

Was könnte man aus dem Schlössli Sinnvolles machen? Die Zürcher Architektin Pascale Guignard heizt mit einer provokanten Idee die Diskussion an. Sie schlägt dem Verein Schlössli vor, das Haus abzubrechen und als Musikpavillon neu aufzubauen. Der Pavillon könnte nach den Vorstellungen der Architektin und des Wohler Unternehmers Urs Käppeli in die Mehrfamilienhausüberbauung integriert werden, die Käppeli an der Steingasse plant.

«Ich schätze Provokationen. Sie regen einen zum Denken an», bemerkte Fabian Furter, Präsident des Vereins Schlössli, an der Generalversammlung. «Aber so, wie das Pascale Guignard und Urs Käppeli sehen, geht es auch nicht.» Die Vereinsmitglieder stimmten ihm zu. «Wir können zuwarten. Das Schlössli gehört dem Verein. Es steht nun schon seit ein paar hundert Jahren und wird uns alle noch überleben», erklärte Furter. Von der Idee, das Schlössli zum Dorfmuseum umzubauen, habe sich der Verein verabschiedet. «Das können wir uns nicht leisten.»

Der Vereinsvorstand hat schon vor geraumer Zeit mit dem Gemeinderat Kontakt aufgenommen und ihn gebeten, sich zu überlegen, ob die Einwohnergemeinde das Schlössli kaufen oder als Geschenk übernehmen wolle und sich an einer Studie über die Umgebungsgestaltung beteiligen würde. Der Gemeinderat habe dem Verein noch keine Antwort geben können – dies, weil der Bauverwalter gekündigt habe und sich die neue Leiterin zuerst wieder einarbeiten müsse, teilte Furter mit.

Auf einer anderen Schiene will der Vereinsvorstand mit der Ortsbürgerkommission darüber verhandeln, ob das Schlössli ins Eigentum der Ortsbürgergemeinde übergehen könnte. Als weitere Variante wäre laut Furter denkbar, das Haus an einen Privaten zu verkaufen oder zu verschenken. Das mache man aber erst, wenn sich die Einwohner- oder die Ortsbürgergemeinde nicht für die Erhaltung des Schlössli interessieren würden.

Wenn alle Stricke reissen sollten, wäre es auch möglich, «das Schlössli mit Beton zu füllen und als Kunstprojekt zu erhalten», meinte Fabian Furter. Gemeinderat Urs Kuhn erinnerte daran, dass man das Schlössli «nicht so einfach» abbrechen könne, weil es unter Substanzschutz gestellt werden solle. Geschützt werden sollen nicht nur das baufällige Schlössli, sondern auch etliche Häuser in Wohlen, die noch intakt sind. «Beim Ortsbildschutz will der Gemeinderat hart bleiben», versprach Kuhn.

Inzwischen haben die Fasnachtsgruppe «Häxe» und der Goldenclub das Schlössli für sich entdeckt. Mit grossem Erfolg wurden im pittoresken Haus am Schmutzigen Donnerstag der «Häxeball» und später auch ein Sommernachtsfest durchgeführt. Laut Furter will der Vereinsvorstand mit den beiden Organisationen einen Mietvertrag abschliessen, um die Zwischennutzung abzusichern. Der Vorstand werde zudem einen Notar beiziehen, der einen Schenkungsvertrag vorbereiten soll. Dieser würde dann in Kraft treten, falls jemand das Schlössli tatsächlich als Geschenk
haben wolle, sagte Furter.