Zufikon
Zufiker Gemeindeammann wehrt sich: «Grossbetrüger hat auch mich gelegt»

Gegen Christian Baumann, parteiloser Gemeindeammann von Zufikon, läuft eine Strafanzeige wegen Veruntreuung. Noch wird geprüft, ob an den Vorwürfen etwas dran ist, denn die Geschichte geht in die 90er-Jahre zurück.

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Christian Baumann, Gemeindeammann von Zufikon

Christian Baumann, Gemeindeammann von Zufikon

Emanuel Freudiger

Gegen Vermögensberater Christian Baumann, den Gemeindeammann von Zufikon, läuft eine Strafanzeige wegen Veruntreuung. Dies bestätigt die Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, Elisabeth Strebel. Ein Strafverfahren wurde noch nicht eröffnet, das heisst, die Unschuldsvermutung gilt für Christian Baumann. Die Anschuldigungen gegen Baumann, die nun geprüft werden, stehen im Zusammenhang mit dem «Betrugsfall Kuhlen».

Grossbetrüger Kuhlen

Hans Heinrich Kuhlen, ein Wirtschaftskrimineller aus Deutschland, legte in den 1990er-Jahren mehrere Tausend Kleinanleger herein. Schadenssumme: rund 160 Millionen Franken.

Christian Baumann - seit 2009 parteiloser Gemeindeammann in Zufikon - war vor knapp 20 Jahren als Bankangestellter und Vermögensverwalter in Kuhlens Finanzgeschäfte verwickelt, wie die Zeitung «Blick» am Montag berichtete. Kuhlen galt zu jener Zeit als rechtschaffener, solider Geschäftsmann.

Nach Haft Anzeige eingereicht

Ende 1995 wurde Kuhlen verhaftet. Bei Prozessen in Deutschland und den USA wurde er mit mehreren Jahren Gefängnis bestraft. Inzwischen ist der Deutsche wieder auf freiem Fuss. Nun hat er Anzeige gegen Christian Baumann eingereicht. In der Anzeige wird Geld zurückgefordert, das Kuhlen in einen Finanztrust einbezahlt haben will, den Baumann in den 1990er-Jahre eingerichtet hatte.

«Er hat auch mich gelegt»

Was sagt der Vermögensverwalter und Zufiker Gemeindeammann zur angekündigten Strafanzeige wegen Veruntreuung? Christian Baumann: «Ich habe bisher keine behördliche Anzeige erhalten. Tatsache ist, dass der Grossbetrüger Kuhlen auch mich gelegt hat.»

In den 90er-Jahren habe er, Baumann, als Bankangestellter und Vermögensverwalter für Kuhlen tatsächlich einen Finanztrust in Kanada im Betrag von rund 400 000 Mark angelegt. Den Trust habe man dann liquidieren müssen, «weil Kuhlen einen Grossteil der Vermögenswerte wieder abgezogen hatte.»

Auf Besuch in Düsseldorf

Kurz nach der Finanztrust-Aktion, Ende 1995, sei Kuhlen als Grossbetrüger aufgeflogen. Christian Baumann: «Auch ich habe mich durch sein damals sehr seriöses Auftreten hinters Licht führen lassen.» Kuhlen leitete zu jener Zeit eine grössere Vermögensverwaltung in Düsseldorf, die Baumann persönlich besucht hat. Der später entlarvte Grossbetrüger wollte sich an Baumanns Finanzfirma CBIC beteiligen. «Es war vereinbart, dass Kuhlen jährliche Zahlungen an meine Firma überweist. Er hat nie eingezahlt», betont Christian Baumann.

Baumann blickt der Anzeige gelassen entgegen. Er habe damals professionell im Rahmen seiner Sorgfaltspflichten gehandelt und sich keineswegs bereichert. Leider sei auch er von einem rabenschwarzen Schaf der Finanzbranche getäuscht worden. Die Forderungen im «Betrugsfall Kuhlen» vertritt eine Anwaltskanzlei aus Deutschland im Auftrag ehemaliger Opfer des Grossbetrügers Hans Heinrich Kuhlen. (sl/cfü)