Muri

Zu laut und zu gefährlich: Anwohner geht gegen «Wave»-Bar des Gemeindepräsidenten vor

Am 22. Juni feierten die Fussballfans den Sieg der Schweiz auch auf der Kantonsstrasse vor der Wave-Bar in Muri. Zu laut und zu gefährlich, meint einer der Anwohner, der Zeuge dieses Treibens war.

Am 22. Juni feierten die Fussballfans den Sieg der Schweiz auch auf der Kantonsstrasse vor der Wave-Bar in Muri. Zu laut und zu gefährlich, meint einer der Anwohner, der Zeuge dieses Treibens war.

WM-Stimmung oder Sicherheitsrisiko: Christian Hard aus Muri wird beim Kanton vorstellig, weil es rund um die Wave-Bar von Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger zu lärmig und zu gefährlich sei – der Politiker und Gastronom widerspricht.

Christian Hard ist Fussballfan. Die WM verfolgt er mit grossem Interesse. Das tun auch die Fans auf der anderen Strassenseite, beim Public Viewing der Wave-Bar in Muri. Als die Schweizer Nati am 22. Juni gegen Serbien gewann, gab es dies- und jenseits der Luzernerstrasse kein Halten mehr.

Hard freute sich still vor dem Fernseher, die Fans im «Wave» brachen auf, um auf der Strasse zu feiern. Es wurde gesungen, gejohlt und getanzt. Autos hupten, bengalische Fackeln flammten auf und unter Motorengeheul gingen ganze Reifensätze auf dem Asphalt in Rauch auf.

Dies geht dem ruhigen Anwohner entschieden zu weit. «Diese Partys gibt es nicht nur während der WM, sondern auch sonst immer wieder», sagt Hard. Im vergangenen Herbst ging es bei einem Anlass im «Wave» so hoch her, dass Hard bei der Gemeinde intervenierte. «Man hat mir dann gesagt, es würde eine Nutzungsvereinbarung mit dem ‹Wave› gemacht, aber passiert ist seither nichts», erzählt Hard.

«Ich glaube», fügt er hinzu, «es traut sich niemand, gegen Budmiger vorzugehen.» Gemeint ist damit Muris Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger, von Beruf Gastronom und Eigentümer der Wave-Bar.

Meldung bei der Regionalpolizei

Auch eine Meldung bei der Regionalpolizei Muri brachte Hard nicht die erhoffte Beruhigung in seinem Wohnquartier. «In den 18 Jahren, seit das ‹Wave› aufgemacht hat, wurde es immer schlimmer. Meine Eltern sind schliesslich weggezogen. Ausser mir wohnen noch drei Mieter in diesem Haus. Einer hat aber schon gekündigt wegen des Lärms.»

Weil er das Vertrauen in die Gemeindebehörde verloren hat, schrieb Hard einen Brief ans Baudepartement. Darin schildert er die Zustände an der Kantonsstrasse 124, der Luzernerstrasse, und weist darauf hin, dass bei Grossanlässen «ein gefährliches Sicherheitsproblem heranwächst, welches verhindert werden sollte».

Weil die AZ im Beitrag zum Public Viewing im «Wave» (Ausgabe vom 4. Juli) «die Kehrseiten von solchen Veranstaltungen» nicht hinterfragt habe, schickte Hard eine Kopie seines Briefes auch der Redaktion.

Mit der Kritik von Christian Hard konfrontiert, sagt Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger (parteilos): «Die unterschwelligen Vorwürfe, ich würde durch mein Amt bevorzugt behandelt, weise ich in aller Form zurück.»

Er habe mit Hard das Gespräch gesucht und habe aus Rücksicht auf ihn sogar das alljährliche Oktoberfest im «Wave» vom Jahresplan gestrichen, weil während der WM schon genug Unruhe für die Anwohner entstehe. «Später hat er mir in einer Mail mitgeteilt, dass er mit mir keinen Kontakt mehr wünsche. Ich habe ihm zurückgeschrieben, dass ich jederzeit zum Gespräch bereit sei.»

Gemeindepräsident im Ausstand

Vizepräsidentin Milly Stöckli (SVP) verteidigt Budmiger: «Er hat alles getan, um die Lärmemissionen so gering wie möglich zu halten. Ausserdem hat er einen Zaun aufgestellt, um das ‹Wave› gegen die Strasse hin abzugrenzen.» Als der Murianer Gemeinderat die Nutzungsvereinbarung mit dem «Wave» besprochen habe, sei Budmiger, wie es sich gehöre, in den Ausstand getreten.

«Wenn wir ein Reglement für Grossanlässe einführen wollen, wie es zum Beispiel Zofingen gemacht hat, dann muss das für sämtliche Veranstalter gelten und kann sich nicht nur auf Anlässe im ‹Wave› beziehen», so Stöckli weiter. Wie gut das von der Gemeinde aufgenommen werde, sei fraglich. Dennoch prüfe Heinz Nater, der zuständige Gemeinderat, die möglichen Optionen.

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