Wohlen

Zu hoher Nitratgehalt: Eichholzquartier hat Sorgen wegen Trinkwasser

Die Grundwasserfassung Eichholz, inmitten landwirtschaftlicher Nutzflächen zwischen Wohlen und Waltenschwil.

Die Grundwasserfassung Eichholz, inmitten landwirtschaftlicher Nutzflächen zwischen Wohlen und Waltenschwil.

Eichholzquartier-Bewohner machten die ibw auf einen zu hohen Nitratwert im Trinkwasser aufmerksam. Wie konnte es dazu kommen?

Das Wohler Trinkwasser ist von hervorragender Qualität. Auch, was den viel zitierten Nitratgehalt betrifft. Laut den periodischen Messungen lag er im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 22 Milligramm pro Liter (mg/l). Der Wert liegt noch unter dem schweizweit angestrebten Qualitätsziel von 25 mg/l und ist weit entfernt vom zulässigen Toleranzwert von 40 mg/l (siehe Textbox).

Es gibt aber auch Abweichungen nach oben. Das Sorgenkind diesbezüglich ist die Grundwasserfassung Eichholz. Sie liegt in einem Gebiet, in dem intensiv Landwirtschaft betrieben wird. Hier stieg der Nitratwert im Trinkwasser im Dezember 2017 auf einen Wert von 50 mg/l, also deutlich über den zulässigen Grenzwert von 40 mg/l.

Festgestellt wurde diese Grenzüberschreitung von Anwohnern. Die Besitzerin eines Aquariums misst regelmässig die Wasserqualität und bemerkte die Abweichung. Ein Nachbar beauftragte daraufhin ein qualifiziertes Labor mit einer Analyse, durch welche der hohe Wert bestätigt wurde. Die ibw stellten daraufhin die Förderung aus der Fassung Eichholz für einige Zeit ein.

Messsonde war defekt

Wie konnte es überhaupt passieren, dass der Nitratgehalt bloss im Eichholzquartier so hoch lag, nicht aber in angrenzenden Quartieren? Giovanni Romeo, Geschäftsleiter der IBW Technik AG, erklärt: «Das Wasser, welches wir aus verschiedenen Quellen und Grundwasserfassungen beziehen, fliesst in Wohlen direkt ins Leitungsnetz und nicht, wie in anderen Gemeinden, vorerst in ein Reservoir. Die Reservoire werden im Pumpbetrieb erst gefüllt, wenn weniger Wasser gebraucht wird, als ins Netz fliesst.» Deshalb, so Romeo weiter, stamme das Wasser im Quartier Eichholz vielfach direkt aus der nahen Grundwasserfassung.

Die ibw messen dauernd den Nitratgehalt der Grundwasserfassung Eichholz und betreibt die Pumpe abhängig vom Nitratgehalt. Ist der Grenzwert überschritten, wird die Pumpe gesperrt und die ibw wird automatisch informiert. Hat da im grossen Kommandoraum an der Steingasse jemand geschlafen? Giovanni Romeo schmunzelt: «Natürlich nicht. Leider war exakt zu jener Zeit eine Messsonde in der Grundwasserfassung Eichholz defekt. Ihre Kalibrierung hat nicht mehr gestimmt.» Der Fehler konnte rasch behoben werden und auch der Nitratwert hat sich wieder unterhalb des Grenzwerts eingependelt.

«Erhöht er sich wieder über die Toleranzgrenze, wird das sofort festgestellt und die Förderpumpe schaltet automatisch ab», erklärt Romeo. Seit der Installation der Online-Messsonde vor einigen Jahren hat dies im Regelfall auch reibungslos funktioniert. Die ibw messen die Nitratwerte aber nicht nur online, sondern alle drei Monate auch manuell in allen Quell- und Grundwasserfassungen. Weitere fünf Male pro Jahr wird eine Kontrolle durch ein unabhängiges Ingenieurbüro durchgeführt – es gibt somit jährlich neun manuelle Messungen.

Schon länger ein Sorgenkind

«Die Grundwasserfassung Eichholz ist schon länger unser Sorgenkind», sagt Giovanni Romeo. Der Nitratwert liege dort oft nur knapp unter dem Toleranzwert von 40 mg/l. Das wird auch im Geschäftsbericht 2017 der Gemeinde Wohlen so ausgewiesen. Romeo führt es vor allem auch darauf zurück, dass dort intensiv Landwirtschaft betrieben wird und regelmässig Düngemittel und Gülle eingesetzt werden. Die Bauern dürfen das in dieser Zone auch tun, was sie machen, ist nicht verboten.

Seltsam mutet allerdings an, dass einige von ihnen auf eine Winterbegrünung ihrer Brachen verzichten, obwohl sie dafür von den ibw sogar noch entschädigt würden. Eine Winterbegrünung ergäbe Sinn, denn die Pflanzen könnten das Phosphat im Boden binden und so verhindern, dass es bei starken Regenfällen ins Grundwasser ausgewaschen wird. Das Belohnungssystem für Winterbrachen haben die ibw schon 2006 eingeführt. Der finanzielle Anreiz soll die Bauern für die Nitrat-Problematik sensibilisieren.

Zurzeit prüfen die ibw, was mit der Fassung Eichholz in Zukunft geschehen soll. Ein mögliches Szenario wäre es, das Wasser vor der Einspeisung ins Netz mit jenem aus der wenig nitratbelasteten, in Waltenschwil liegenden Fassung Hagmatt, zu mischen und so den Nitratwert zu senken. Das wäre allerdings reine Symptom- und nicht Ursachenbekämpfung.

Eine Möglichkeit wäre es auch, eine Nitratschutzzone samt Reglement im Gebiet der Grundwasserfassung Eichholz auszuscheiden bzw. zu verfügen. Das würde jedoch die Landwirte einschränken. Sie dürften einen Teil ihres Ackerlandes nur noch extensiv bewirtschaften, was mit deutlich geringeren Erträgen verbunden wäre.

Notversorgung sicherstellen

Grundsätzlich, versichern die ibw, wolle man jede Quelle und Grundwasserfassung der Gemeinde erhalten. «Man weiss nie, was alles passiert. Nehmen wir einmal an, es würde in der Grundwasserfassung Hard II in Niederlenz, von der wir den überwiegenden Teil unseres Wassers beziehen, eine Havarie geben.

Auf einen solchen Fall wollen wir vorbereitet sein und mit eigenen Quellen und Grundwasserfassungen eine Notversorgung für das Wohler Trinkwasser sicherstellen», erklärt Giovanni Romeo.

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