Man kann nicht behaupten, dass Erwin Jansen aus Oberwil-Lieli ein zierlicher Mann ist. Der erst vor kurzen pensionierte Kreisförster erinnert eher an eine kraftvolle Eiche. Zwei auf dreieinhalb Meter sind für die nächsten Monate sein Zuhause. Er verreist mit seinem Kleinstwohnwagen, gezogen von einem Klein-Geländefahrzeug der Marke Suzuki, nach Portugal. Alles ist drin in der kleinen Kiste, was man zum Leben braucht. Hinten hat Jansen, Sohn holländischer Eltern, «t’sleurhutje» auf den Wagen schreiben lassen. «Schleikhütte» nennen die Holländer mit einem Augenzwinkern ihre Wohnwagen. Auf der Seite steht «de hort op», was frei übersetzt «uf de Leutsch» bedeutet. Das ist genau das, was der Mann bis in den Sommer im Sinn hat. Seit Montag ist er unterwegs.

Klar, üppig ist der Platz nicht. Aber in dem kleinen Wohnwagen hat es einen Kochherd beziehungsweise ein Kochherdli, ein Kühlschränkli, ein Tischli, ein Chemie-WC, zwei Sitzbänkli, die zu einem Bett umgebaut werden können. Während der Fahrt findet darin auch ein Velo Raum, mit dem Jansen in Portugal rumkurven will. Der Kleinstwohnwagen ist seine bewusste Entscheidung: «Wenn ich den Komfort von zu Hause will, kann ich gleich zu Hause bleiben». Und er ergänzt: «Wenn man am grossen Meer unter dem grossen Himmel so viel Freiheit hat, genügt eine kleine Unterkunft.» Die Gasheizung hat er aus Gründen des Gewichts und des Platzes rausgenommen, denn die brauchts im Süden auch nicht.

Die Beschränkung auf das Nötige hat seinen Reiz. Trotzdem verzichtet der Reisende nicht auf einen gewissen Komfort, leistet sich echtes Glas für den portugiesischen Wein, echtes Porzellan für die Mahlzeiten, die er selber zubereiten will. «Gekocht wird, was der Markt hergibt». Und das möglichst nicht in den beengten Verhältnissen des «sleurhutje». Den «Fisch brate ich sicher draussen», in der Pfanne auf einem Benzinvergaserbrenner. Aufs Grillieren in den portugiesischen Wäldern wird der Forstingenieur wegen der Brandgefahr verzichten. Und sollte der Strom ab Batterie für die Beleuchtung im Wohnwägeli ausgehen, hat er eine Benzinvergaserlampe der Schweizer Armee dabei.

Alles hat seine Zeit

Es würde ja auch noch eine Spur bescheidener gehen, das weiss Jansen. «Aber mit Rucksack und Zelt, mit Steinen, die beim Schlafen drücken, diese Zeit ist vorbei.» Seine Frau Suzanne, die noch in der Arbeit steckt, macht weder das eine noch das andere mit. «Zu zweit wäre das Wohnwägeli schon sehr eng», räumt Jansen ein, «vor allem in einer Schlechtwetterperiode.»

Vorsicht walten lassen

Man weiss es: Ein Holländer wird in einem Wohnwagen gemacht und kommt sozusagen mit einem Wohnwagen zur Welt. Der 63-jährige Jansen lacht: «So ist es.» Er will mit seiner rollenden Behausung, die auf jedem Parkfeld Platz findet, möglichst frei stehen, nicht auf Campingplätzen. «Klar habe ich eine gewisse Angst, ausgeraubt oder gar überfallen zu werden», räumt er ein. Aber er weiss das Risiko zu miniminieren: «Ich muss ja nicht gerade in einer Hafenanlage in einer dunklen Ecke die Kiste hinstellen», sagt er. Aus seiner Zeit in der Schweizer Armee weiss er auch, «dass es nicht falsch ist, den Standort seines Nachtlagers erst nach Einbruch der Dunkelheit zu belegen.» Schliesslich kostet fragen nichts: «Sehe ich ein Haus in der Nähe und beabsichtige, eine Nacht zu bleiben, gehe ich mich kurz vorstellen und frage, ob das Übernachten in Ordnung geht.»

Jansen ist nicht von gestern, hat Laptop und Smartphone dabei. Aber seine Eindrücke schreibt er von Hand in ein rotes Buch. «Dann überlegt man, bevor man schreibt». Filme und Fotos wird er nirgends posten, aber mit dem Feldstecher Vögel beobachten, «das Staunen nicht verlernen». Und mit Menschen in Kontakt treten. «So ein kleiner Wohnwagen erleichtert das», hat er auf einer Probereise in Deutschland festgestellt, «er wird von vielen Leuten als sympathisch empfunden.» Zwar hat er eine Vorstellung von seiner Reise, will unter anderem den Affenfelsen von Gibraltar sehen, lässt sich aber nicht auf einen starren Reiseablauf festlegen. «Wenns mir in einem Olivenhain gefällt, bleibe ich einfach länger.» Auf diese Freiheiten freut er sich ungemein. «Das andere – geregelte Zeitabläufe, Sachzwänge, Verpflichtungen – habe ich im Berufsleben gehabt, das brauche ich nicht mehr».

Im Wohnwägeli findet alles seinen Platz. Jansen hat aus Holz entsprechende Masseinbauten gefertigt, damit jeder Zentimeter optimal ausgenutzt ist und nichts während der Fahrt herumfliegen kann. Über dem Kochherdli baumeln drei kleine Schneidbretter. Das eine ist aus dem Holz eines Fliederbusches, die anderen zwei aus Nuss- beziehungsweise Vogelbeerbaum. Er hat sie selbst gemacht, in der Grösse perfekt auf seine Wohnung auf Zeit angepasst. Sie werden ihn mit ihrem schönen Holz auf der Reise an sein grosses und komfortables zu Hause in der Schweiz erinnern.