Bremgarten
Zivilschutz-Chef: Betrogen, veruntreut, gestohlen und gefälscht?

Vor dem Bezirksgericht Bremgarten hatte sich gestern der ehemalige Chef der Regionalen ZSO Wohlen zu verantworten. Er soll betrogen, gestohlen und Urkunden gefälscht haben, was er bestreitet. Das Urteil wird heute eröffnet.

Toni Widmer
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Zivilschutzchef vor Gericht

Zivilschutzchef vor Gericht

Aargauer Zeitung

Vielleicht hat er mal an einem Gläschen Wein mitgenippt, welches er Gästen aus der Zivilschutzkasse offeriert hat. Und vielleicht hat sich der ehemalige Chef der Regionalen Zivilschutzorganisation Wohlen nach seinem Abschied Ende 2003 auch tatsächlich den alten Jeep Cherokee unter den Nagel gerissen.

Kranker, gebrochener Mann

Der Verdacht auf eigene Bereicherungen war nur ein Nebenschauplatz gestern, vor dem Bezirksgericht in Bremgarten. Es ging um weit gröbere Anschuldigungen als um ein paar Getränke oder einen alten Jeep. Die Staatsanwaltschaft wirft dem mittlerweile 73-jährigen, kranken und gebrochenen Mann vor, die sechs an der Zivilschutzorganisation Wohlen beteiligten Gemeinden um Zehntausende von Franken betrogen und weiteres Geld veruntreut zu haben.

Beschuldigt wird er ferner der mehrfachen Urkundenfälschung im Amt sowie des mehrfachen Amtsmissbrauchs. Mit den angeblichen Verfehlungen hat der ehemalige ZSO-Chef jedoch nicht primär sich selbst Gutes getan, sondern «seiner» Organisation. Der bestens ausgebildete, äusserst engagierte Mann hat die Regionale ZSO Wohlen von 1988 bis 2003 geleitet und in dieser Zeit zu einer eigentlichen Vorzeige-Truppe geformt.

Allmächtiger Chef

Dabei ging er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft allerdings etwas gar unzimperlich vor. Er habe sich, so der Vorwurf in der knapp 30 Seiten umfassenden Anklageschrift, als allmächtiger Chef gebärdet und dabei sämtliche Vorschriften von Bund und Kanton missachtet. Weil er – beispielsweise – die vom Kanton angebotenen Weiterbildungskurse als zu schlecht erachtete, schuf er ein eigenes Ausbildungskonzept und finanzierte dieses auf unkonventionelle Weise. So zog er unter anderem an Übungen Spezialisten hinzu, die weder im Zivilschutz eingeteilt noch soldberechtigt waren, entschädigte sie aber dennoch nach den Richtlinien der ZSO.

Im weiteren entschied er selbständig über Beförderungen und liess somit ZSO-Angehörigen Sold auszahlen, den diese nach den kantonalen Richtlinien nicht hätten beziehen dürfen.

Die Betrugsvorwürfe sowie der Verdacht auf Veruntreuung, Urkundenfälschung und Amtsmissbrauch wurden vom Verteidiger des Angeklagten bestritten. Sein Mandant habe nur das Beste für die ZSO gewollt und sich dabei unüblicher Methoden bedient. Das Urteil wird heute eröffnet.