Seit Tagen wird die Schweizer Bevölkerung von den Medien mit Schreckensmeldungen vor der Russischen Kältepeitsche überhäuft. Und tatsächlich sind die Temperaturen auf ein Niveau gesunken, das man sich von den vergangenen meist milden Wintern nicht mehr gewohnt ist. Unter der russischen Kältepeitsche, wie das aktuelle Wetterphänomen offiziell benannt wird, kann man sich im Freiamt wenig vorstellen: «Keine Ahnung, was das ist. Aber es tönt schmerzhaft», lacht die 18-jährige Ursina Cadotsch aus Muri.

Am unangenehmsten findet sie, dass man sich diese tiefen Temperaturen nicht mehr gewohnt ist und dementsprechend auch kleidertechnisch schlecht ausgerüstet ist. Der 14-jährige Saba Sri aus Bremgarten kann sich zwar vorstellen, dass der Begriff etwas mit tiefen Temperaturen zu tun hat, doch ganz sicher ist er sich nicht. Allgemein findet er jedoch: «Nicht die tiefen Temperaturen an sich sind für mich das Schlimmste, sondern der eisige Biswind.»

Kälte hat auch ihre guten Seiten

Längst nicht alle stören die tiefen Temperaturen. So ist Silvia Harisberger aus Aristau überzeugt, dass sie auch Vorteile mit sich bringen: «Das ist doch gut, wenn es so kalt wird. Dann haben wir im Frühling nicht so viele Käfer und Schädlinge, die umherfliegen.» Man müsse sich einfach gut einpacken und eine Mütze tragen. Auch Anton Schmid aus Muri, der im Jahr 1963 die grosse «Seegfrörni» miterlebt hat, macht die Kälte nichts aus. Früher sei das normal gewesen. «Schade ist einfach, dass der ‹richtige› Winter erst jetzt im Februar kommt», bedauert der 69-Jährige.

Neben Harisberger und Schmid waren gestern in den Strassen von Bremgarten, Muri und Wohlen viele Menschen anzutreffen, die sich trotz des eisigen Wetters vor die Haustüre getraut haben. Die meisten von ihnen haben ihre ganz eigenen Tricks, wie man sich neben warmer Kleidung sonst noch warm halten kann. «Zimtsohlen in die Schuhe, Zimtkaugummis kauen und die Sonne im Herzen tragen», verrät Harry Magnin von Bremgarten sein Geheimrezept. Dieses habe ihm auch geholfen, den Temperaturunterschied von fast 35 Grad zu überstehen, als er vor gut einer Woche aus seinem Urlaub im warmen Thailand zurückgekehrt sei.