Die reformierte Pfarrerin Sabine Herold (43) verabschiedete sich im Juli für drei Wochen von ihrer Kirchgemeinde, vom Zivilleben und von ihrer Familie. Sie rückte in Moudon in die Spital-Rekrutenschule ein – mit dem festen Ziel, den ersten Schritt zu unternehmen, um anschliessend die Ausbildung zur Armeeseelsorgerin absolvieren zu können.

In gestraffter Form erlebte die grazile Frau die Ausbildung, die alle Rekrutinnen und Rekruten in den ersten Wochen der militärischen Grundausbildung durchlaufen müssen: Disziplin, Kenntnisse von Reglementen, korrektes Grüssen, An- und Abmelden, Zugschule, Kameradenhilfe, Sport, ABC-Schutz, Märsche und vieles mehr.

Sie stiess an ihre Grenzen

«Ich bin wirklich zuweilen an meinen Grenzen angelangt – körperlich wie auch psychisch», gesteht Sabine Herold im Nachhinein. «Aber ich habe den Entscheid, die Grundlage zu legen, um Armeeseelsorgerin zu werden, nicht übers Knie gebrochen. Mein Ehemann und meine drei Söhne stehen dabei vollkommen hinter mir.» Für die Ausbildung habe sie sich gemeldet, weil sie im Militär Menschen begegnen wolle, denen sie mit ihrer Erfahrung als Pfarrerin etwas zu bieten habe, sagt Sabine Herold.

Die 43-Jährige ist in Deutschland aufgewachsen. Seit 2013 besitzt sie wie auch ihre Familie den Schweizer Pass. «Nun will ich der Schweiz etwas zurückgeben.» Zur Schweizer Armee stehe sie mit Überzeugung, betont die Wohler Pfarrerin.

An die für sie neue Sprache im Militär habe sie sich allerdings erst gewöhnen müssen, genauso wie an den vollgepackten 18-Stunden-Tag, berichtet die Pfarrerin. «Ich dachte laufend: Habe ich etwas vergessen? Hoffentlich nicht! Oder doch? Das war sehr anstrengend für mich.»

Eine neue Erfahrung war für sie auch, «dass ich praktisch keine freie Minute für mich alleine hatte.» Der Tag begann zum Teil schon um 4.30 Uhr früh und endete manchmal erst spät abends um 23 Uhr. Danach versank Sabine Herold völlig erschöpft in einen Tiefschlaf. Da nahm sie auch nicht mehr wahr, dass sie die Nacht in einem grossen Zimmer mit zwölf Betten verbrachte.

«Das Essen war hervorragend»

Als gewöhnungsbedürftig empfand es Sabine Herold, dass sie mit 26 anderen Frauen innerhalb von 20 Minuten geduscht sein musste und dies mit nur drei Duschen!

Hingegen habe sie die Militärküche positiv überrascht: «Das Essen war hervorragend. Aber ich kam gar nicht dazu, es zu geniessen. Denn in nur ein paar wenigen Minuten musste man fertig sein mit dem Essen», sagt die Pfarrerin kopfschüttelnd. Ihren 43. Geburtstag «feierte» die Wohlerin auf einem 10-Kilometer-Marsch – fernab der Heimat und ganz ohne ihre Liebsten.

«Vor der RS habe ich noch die Militärschuhe eingelaufen», erinnert sich Sabine Herold. «Das nützte allerdings nur zum Teil: Ich bekam trotzdem Blasen an den Füssen.» Sport gehört heute nicht mehr zu ihrem Alltag: «Meine Familie wandert gern. Als Jugendliche betrieb ich zudem Leistungssport – Leichtathletik und Geräteturnen. Aber den Sport habe ich bereits vor dem Abitur und dem Studium aufgegeben.»

Dennoch konnte sie im RS-Sportunterricht meistens mithalten. Positiv war für sie die Kameradschaft, die sie mit anderen Rekrutinnen und Rekruten erlebte, und besondere Begegnungen mit Kommandanten, welche die künftigen Armeeseelsorger besonders schätzen und mit denen sie gute Gespräche hatte.

Hundemüde – aber wieder daheim

So müde wie nach diesen Wochen militärischer Grundausbildung habe sie sich schon lange nicht mehr gefühlt, bilanziert Sabine Herold. Im ersten Gottesdienst danach habe sie manches, was sich aufgestaut habe, ablegen können.

Ihr erster Gottesdienst nach der RS war für sie ein besonderer – es war wie eine Heimkehr. Im Rückblick erscheinen ihr viele Erlebnisse in einem anderen Licht. Und so manches bringt sie inzwischen zum Lachen.

Im November wird Sabine Herold die eigentliche Ausbildung zur Armeeseelsorgerin absolvieren. «Doch bis dahin geniesse ich meine Sommerferien und die Zeit als Pfarrerin in meiner Kirchgemeinde», sagt sie.