Wohlen

Zehntklässler würden Ecopop klar den Laufpass geben

Die Schüler ergriffen an der gestrigen Podiumsdiskussion die Gelegenheit und löcherten die beiden Fachmänner mit kritischen Fragen. Tommy Richner

Die Schüler ergriffen an der gestrigen Podiumsdiskussion die Gelegenheit und löcherten die beiden Fachmänner mit kritischen Fragen. Tommy Richner

Im Casino in Wohlen nahmen Schüler der Berufsbildung Wohlen an einer Podiumsdiskussion zur Ecopop-Initiative teil. Eine Umfrage zeigt, dass die Schüler die Initiative ablehnen würden.

«Staatskunde ist keine langweilige Angelegenheit, sondern eine spannende und lebendige Sache. Mit ihrer Hilfe haben wir die Möglichkeit, unsere Schweiz selber zu gestalten.»

Mit diesen Worten eröffnet der Teamleiter und Organisator Oliver Hofmann das Podium. Die Diskussion steht unter dem Motto «Sind Jugendliche für oder gegen die Ecopop-Initiative».

Die Absolventen des zehnten Schuljahres der kantonalen Schule für Berufsbildung Wohlen (Ksb) haben sich dafür im Casino eingefunden. Für die 90-minütige Podiumsdiskussion bereiteten sie sich bereits im Staatskundeunterricht vor.

Markus Zimmermann, Vorstandsmitglied des Vereins Ecopop, und Jan Severa, Vorstandsmitglied der Jungfreisinnigen Aargau, sowie Einwohnerrat von Wohlen, stehen sich als Befürworter und Gegner der Initiative gegenüber. Unter der Leitung von az-Politikchef-Aargau Mathias Küng diskutieren und argumentieren sie.

Nachdem Zimmermann innerhalb von sieben Minuten erläutert, worum es sich bei der Ecopop-Initiative handelt, geht es ans Eingemachte.

Ein Argument jagt das nächste. Während Severa mit seinen Aussagen Applaus erntet, hagelte es für den Gegner Zimmermann mehrheitlich hämische Zwischenkommentare.

Schüler mit kritischen Fragen

In der letzten halben Stunde des Podiums dürfen sich auch die Schüler äussern. Viele packen die Gelegenheit beim Schopf und stellten die Vertreter der beiden Lager mit kritischen Fragen zur Rede. Diese richteten sich meist an Markus Zimmermann. Mit Aussagen wie: «Die Jungen sollen sich für die Jobs interessieren, die man auch braucht», macht er sich beim jugendlichen Publikum nicht gerade neue Freunde.

Ecopop-Abstimmung: Thomas McCan (16) und Yves Bülle (15), beide Schüler des 10. Schuljahres an der ksb Wohlen, über das Podium und die Abstimmung.

Ecopop-Abstimmung: Thomas McCan (16) und Yves Bülle (15), beide Schüler des 10. Schuljahres an der ksb Wohlen, über das Podium und die Abstimmung.

Die Art und Weise, wie Zimmermann referiert, scheint den Schülern nicht besonders zu gefallen. «Er sprach viel zu theoretisch und bezog sich immer wieder auf Zitate und Gedichte von Schriftstellern. Viele kamen da einfach nicht mit», hält der 16-jährige Thomas McCann nach der Diskussionsrunde fest.

Er sagt weiter: «Herr Severa referierte publikumsnäher, was das Interesse der jugendlichen Schüler viel mehr ansprach.» Gegen den Schluss merkt man deshalb auch, dass Herr Zimmermann nicht nur Severa, sondern auch den ganzen restlichen Saal gegen sich hat.

Viele Jugendliche halten Zimmermann entgegen, dass die zusätzliche Hilfe in der freiwilligen Familienplanung in den von der Initiative angesprochenen Ländern nicht angenommen werden kann oder wird.

In manchen Staaten spräche die Religion dagegen und in anderen bilde der Nachwuchs den Lebensunterhalt für die Eltern. Obwohl Zimmermann aus fundierten Informationen der UNO das Gegenteil behaupten kann, schafft er es nicht, die Jugendlichen zu überzeugen.

Deutliche Mehrheit

Das Schlussfazit unter den Schülern fällt dementsprechend sehr kritisch gegenüber der Ecopop-Initiative aus. Um dem Ganzen Klarheit zu verschaffen, bittet Mathias Küng zur Abstimmung. «Wer würde mit einem ‹Nein› stimmen?» Das Ergebnis ist eindeutig. Fast alle Hände schiessen umgehend nach oben.

Bis auf zwei Enthaltungen sind alle Schüler gegen die Initiative. Den beiden Experten zufolge könnte es beim tatsächlichen Endresultat eng werden.

Severa rechnet mit ca. 55 Prozent Nein-Stimmen, wobei Zimmermann auf knapp über 50 Prozent Ja-Stimmen hofft. Beide sind sich aber einig, dass egal wie das Ergebnis ausfällt, dieser die Zukunft der Jugendlichen massgeblich beeinflussen wird.

Abstimmen dürfen die noch minderjährigen Schüler am 30. November nicht. Sie können vielleicht aber ihren Eltern einige Inputs geben. Ob diese etwas fruchten, bleibt dahingestellt.

Meistgesehen

Artboard 1