Bremgarten

Zahnpflege in der eigenen Stube – diese Frau machts möglich

Dentalhygienikerin Anja Sutter (33) besucht seit November auch Kunden direkt in den Seniorenzentren. Dominic Kobelt

Dentalhygienikerin Anja Sutter (33) besucht seit November auch Kunden direkt in den Seniorenzentren. Dominic Kobelt

Anja Sutter kümmert sich um Zahnhygiene – auch bei Leuten, die nicht mehr mobil sind.

Draussen schneit und stürmt es. Wie schön ist es da, wenn man die Wohnung nicht verlassen muss: Die Einkäufe kommen per Post, das Essen per Lieferservice, warum also hinausgehen für den Besuch bei der Dentalhygienikerin? Seit kurzem gibt es im Freiamt ein Angebot, das genau das ermöglicht. Anja Sutter (33) ist seit dem 15. November selbstständig und macht auch Hausbesuche. «Nachdem ich zehn Jahre auf dem Beruf gearbeitet habe, war es Zeit für eine Veränderung. Zudem ist mein Sohn Yannis zur Welt gekommen – mit der eigenen Praxis, die ich zu Hause eingerichtet habe, habe ich mehr Flexibilität», erzählt sie.

Dentalhygienikerinnen, die Hausbesuche machen, sind nichts Neues. «Soweit ich weiss, bin ich aber die Erste im Freiamt, die diese Dienstleistung anbietet.» Natürlich ist sie nicht primär für kältescheue Stubenhocker gedacht, sondern für Patienten, die nicht mehr mobil sind.

Sutter ist in Verhandlungen mit verschiedenen Institutionen der Region: «Im Alters- und Pflegeheim Eichireben in Sarmenstorf und im Seniorenzentrum Obere Mühle Villmergen werde ich ab Januar regelmässig vorbeischauen – weitere Einrichtungen zeigen Interesse», erklärt die Bremgarterin. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Seniorenzentren können sich dann für den entsprechenden Tag zur Behandlung anmelden. Selbst Menschen, die das Bett oder den Rollstuhl nicht verlassen können, bekommen so ihre Zahnpflege.

Mundhygiene im Alter wichtig

Auch mit der Spitex steht die junge Geschäftsfrau in Kontakt. «Mundhygiene bleibt im Alter ein wichtiges Thema, auch für die allgemeine Gesundheit», sagt Sutter. Dank der mobilen Praxis haben die Patienten weniger Aufwand, und Angehörige oder Pflegepersonal, die sonst den Transport organisieren müssten, werden entlastet.

Zwei Taschen mit Geräten und Instrumenten und ein Behandlungsstuhl, das ist alles, was Sutter in ihrem Auto transportieren muss. «Vor Ort benötige ich nur einen Stromanschluss. Entscheidend ist, dass ich rasch den Standort wechseln kann und die Qualität der Arbeit trotzdem stimmt.» Diese unterscheidet sich kaum von derjenigen in der Praxis. «Möglich sind auch Termine am Samstag und in den Randzeiten am Abend», betont sie. Das Angebot umfasst Zahnsteinentfernung, Zahnreinigung, Fluoridierung, Reinigung von abnehmbarem Zahnersatz und Mundhygiene-Instruktion, zudem bietet Sutter professionelles Bleaching in ihrer Praxis in Bremgarten an.

Angst vor dem Bohrer

Ist der Hausbesuch auch eine Option für Leute, die Angst vor dem Bohrer haben? «Den Zahnarzt ersetze ich nicht», so Sutter klar. «Aber manchmal kann ich sogenannten Angstpatienten helfen, weil ich sie in ihrer gewohnten Umgebung aufsuche. So müssen sie seltener zum Zahnarzt. Ich arbeite mit diesem zusammen und informiere ihn über meine Behandlung.» Die Kontrolle beim Zahnarzt sei aber je nach Situation trotzdem alle ein bis zwei Jahre angezeigt. Auch mit dem Hausarzt tauscht sich die Dentalhygienikerin aus, weil sie wissen muss, welche Medikamente verschrieben wurden und ob gewisse Krankheiten einen Einfluss auf die Behandlung haben könnten.

Ist die Arbeit mit Senioren anders als mit jungen Leuten? «Eigentlich nicht. Manche können sich vielleicht wegen körperlicher Beschwerden nicht mehr so gut die Zähne putzen. Aber grundsätzlich gilt: Jeder Patient ist anders, egal ob alt oder jung.»

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