Muri

«Wunderbare Weihnachtsbräuche» – dieses Mal entführt das Kloster in den hohen Norden

Kurator Rudolf Velhagen und die Künstlerin Ursula Palla gestalten die Ausstellung im Singisen-Forum.

Kurator Rudolf Velhagen und die Künstlerin Ursula Palla gestalten die Ausstellung im Singisen-Forum.

Im Singisen-Forum bewegt man sich zwischen Licht, Dunkelheit und Schnee. «Grosses Weiss» heisst die Ausstellung der Schweizer Künstlerin Ursula Palla. Sie rückt Skandinavien in den Mittelpunkt.

Schneemänner, die dahinschmelzen. Eine Interpretation des von den Wikingern entdeckten Sonnensteins, den sie gemäss der Überlieferung zur Navigation benutzten. «Grosses Weiss» heisst die Ausstellung der Schweizer Künstlerin Ursula Palla, die im Rahmen der Reihe «Wunderbare Weihnachtsbräuche aus aller Welt» des Museums Kloster Muri gezeigt wird.

Letztes Jahr faszinierten provenzalische Krippen eine grosse Anzahl Besucherinnen und Besucher, dieses Jahr steht Skandinavien im Mittelpunkt, aber nicht mit Krippen, sondern mit Licht und Dunkelheit. «Wir machen den Bruch ganz bewusst, nicht nur geografisch», erklärt Kurator Rudolf Velhagen. «Wir überraschen das Pu­blikum, das vielleicht wieder eine Krippenausstellung erwartet, mit einer besonderen Art-Ausstellung», unterstreicht Heidi Holdener, Geschäftsführerin von MuriKultur.

Licht ist im hohen Norden in der Winterzeit besonders rar. Das prägt die Weihnachtstra­ditionen und damit das gewählte Weihnachtsthema des Museums Kloster Muri. Vernissage ist am Samstag, 30. November, 16 Uhr. Es gibt sogar eine feine Verbindung zum Landschafts- und Alpenmaler Caspar Wolf, der auch Gletscher eindrücklich auf die Leinwand brachte.

Urthemen und Sinnbilder für unser Leben

Nicht nur die Gletscher schmelzen. In «Great White 2» von Ursula Palla schmelzen Schneemänner in unterschiedlicher Geschwindigkeit dahin und verweisen darauf, dass das Klima im Wandel ist und der Traum vom «Grossen Weiss» zum Jahresende zunehmend ein Traum bleibt. «Es gibt nichts Vergänglicheres als ein Schneemann», sagt die Künstlerin. Ihre Videoinstallation ist «nicht so herzig, wie es auf den ersten Blick aussieht». Aber schön trotzdem, genauso wie der mit Seilen und Tauen umwickelte Leuchtstein oder ein Mond als Sehnsuchtsort für Romantiker.

Die Künstlerin widmet sich in drei ­Räumen im neu eröffneten Singisen-Forum mit ihren unterschiedlichen Installationen den nördlichen Urthemen Eis, Schnee, Licht und Dunkelheit. «Die Künstlerin zeigt eindrücklich, dass Eis, Dunkelheit und Licht mit ihren wechselnden Zuständen Sinnbilder für unser Leben sind», hält MuriKultur zur diesjährigen Weihnachtsausstellung fest. «Allen Installationen haftet der Charakter von Flüchtigem und Vergänglichem an: Werden, Sein, Vergehen ist das Grundthema, welche bei allen Arbeiten auf verhaltene oder plötzliche Art und Weise mitschwingt oder in Erscheinung tritt.»

Wirklichkeit und Künstlichkeit beieinander

Das ist auf eine bestimmte Art auch bei Ursula Pallas in Bronze gegossenen Baumrinden und Pflanzen so, obwohl ihre Skulpturen nicht vergehen werden. «Einerseits wird die Pflanze durch das Giessen in Bronze zerstört», erklärt die Künstlerin, «gleichzeitig wird sie wie eingefroren konserviert.» Die Skulpturen entstehen bei ihr aus dem Wunsch, auch etwas Beständiges zu machen, im Gegensatz etwa zu digitalen Bildern, die ziemlich flüchtig sein können. Palla, 1961 in Chur geboren, setzt sich mit ihren Videoarbeiten, Installationen und Skulpturen mit dem Verhältnis von Natur, Kultur und Technik, Wirklichkeit und Künstlichkeit auseinander und hat sie in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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Autor

Eddy Schambron

Eddy Schambron

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