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Wollschwein-Züchter oder Erdbeer-Bauer? Diese beiden Aargauer sind als Bauer des Jahres nominiert

Thomas Hafner aus Berikon (links) setzt auf nachhaltige Landwirtschaft mit Gemüse und Wollschweinen. Ramon Staubli aus Muri führt den wohl grössten Bio-Erdbeeren-Betrieb im Aargau.

Thomas Hafner aus Berikon (links) setzt auf nachhaltige Landwirtschaft mit Gemüse und Wollschweinen. Ramon Staubli aus Muri führt den wohl grössten Bio-Erdbeeren-Betrieb im Aargau.

Zwei Freiämter Bauern sind für den Titel Aargauer Bauer des Jahres nominiert – das macht sie speziell. Der Preis, der am 25. November verliehen wird, ist mit 20'000 Franken dotiert.

Still und friedlich liegt der Rigiblick-Hof auf dem Mutschellen, die Sicht reicht bis in die Alpen und weit übers Nebelmeer ob Bünz und Reuss hinweg. Auf einmal beginnt ein lautes Quieken und Grunzen: Die 28 Wollschwein-Ferkel sind erwacht und wollen alle auf einmal von ihren Müttern gesäugt werden. Schwänzelnd purzeln sie übereinander – ein Schauspiel mit Jöö-Effekt.

Es sind nicht nur die Wollschweine, für die Bauer Thomas Hafner (39) und seine «MySwissFarm» neben neun weiteren Bewerbern für den Titel Aargauer Bauer des Jahres nominiert wurde – aber sie symbolisieren seine Philosophie. Sein Hauptziel: «Eine gesunde Wertschöpfungskette auf meinem Hof zu erarbeiten und dies einem vor allem urbanen Publikum weitergeben zu können», fasst er zusammen. Klingt etwas gestelzt – doch dieser Satz hats in sich.

Von A bis Z auf einem Hof

So kurz wie möglich zusammengefasst: Hafner züchtet robuste Pro-Specie-Rara-Wollschweine, die später als lebende Unkrautvernichter auf seinen Fruchtfolgeflächen eingesetzt werden sollen, dazu möchte er jede Woche ein Schwein schlachten und das Fleisch mit hofeigenem Pro-Specie-Rara-Gemüse direkt an gebuchten Anlässen im ausgebauten Eventraum auf dem Hof selber kochen und den Gästen anbieten.

Von der Produktion bis zum Verzehr alles innerhalb des Hofes, ganz ohne Lieferweg und im Wissen darum, dass kaum Fremdstoffe in den Esswaren enthalten sind – das ist das Ziel des innovativen Bauern, der den Hof vor fünf Jahren von seinen Eltern übernommen hat.

Ausserdem bietet er in den warmen Jahreszeiten jeden letzten Freitag des Monats das Cafe del Farm an, bei dem gemütlich gegessen, getrunken und der Sonnenuntergang bejubelt werden kann. Bei der Veranstaltung «Farmer for a day» gibt er zudem nicht nur theoretisches Wissen an Nicht-Bauern weiter, sondern nimmt diese auch zur Ernte mit und zaubert danach mit ihnen «einfache Haute Cuisine».

Allein an dieser «kurzen Zusammenfassung» merkt man, wie innovativ und motiviert der Beriker Bauer ist. Und das scheinen auch die Organisatoren des Bauernpreises erkannt zu haben.

Schon einer der Grössten

Der zweite Freiämter, der für den Preis nominiert wurde, ist der Murianer Jungbauer Ramon Staubli (23). Rund um den Weiler Hasli hat er vor allem vom Murimoos Äcker gepachtet, auf denen er neben verschiedenem Bio-Gemüse vor allem auch Bio-Erdbeeren und Bio-Himbeeren anbaut.

Diese vermarktet er teilweise übers Murimoos und den Hofladen seiner Eltern, rund 90% gehen aber an die Migros. «Wir haben erst Anfang 2017 begonnen, aber schon dieses Jahr haben wir einen Anteil am Schweizer Bio-Erdbeerenmarkt von rund 2% erreicht», sagt er stolz. Nächstes Jahr soll dieser Anteil noch deutlich gesteigert werden.

Aus Skepsis wird Innovation

«Während meiner Ausbildung war ich gegenüber Bio noch eher skeptisch, aber da die Nachfrage sehr gross ist, habe ich mich genauer damit befasst und bemerkt, dass es sehr wohl möglich ist, Bio-Erdbeeren im grösseren Stil anzubauen.» Es gebe halt keine Notbremse im Biolandbau, hält er fest. «Bei der konventionellen Landwirtschaft können Schädlinge beispielsweise dann abgetötet werden, wenn sie die Beeren befallen. Bei der Bio-Landwirtschaft muss man eben vorsorgen, damit ein solcher Befall gar nicht erst entsteht.»

Gegen einige Schädlinge hat er jedoch auch schon mit Homöopathie sehr gute Erfolge erzielt. «Ich war äusserst skeptisch, aber es hat tatsächlich funktioniert.» Auch er hat viele Ideen, gerade, wie er mit anderen Bauern aus der Region zusammenarbeiten könnte. Auch die Übernahme des elterlichen Hofes wird früher oder später ein Thema sein. «Vorerst wollte ich einfach ausprobieren, ob es funktioniert. Und bis jetzt bin ich sehr zufrieden.»

20 000 Franken winken

Der landwirtschaftliche Unternehmerpreis, der am 25. November vergeben wird und bei dem es insgesamt um 20 000 Franken geht, ist von der Aargauischen Landwirtschaftlichen Kreditkasse, dem Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg und dem Bauernverband Aargau organisiert.

In den Kategorien «Bauer/Bäuerin des Jahres» und «bester Jungunternehmer» wollen sie Landwirte auszeichnen, die sich durch innovatives und unternehmerisches Handeln hervorheben. Das öffentliche Voting für den Publikumspreis läuft derzeit.

Mehr Infos und das Voting gibts online unter www.landwirtschaft.ag/voting

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