Berikon
Wollkleid für 115 junge Bäume versetzt ganzes Dorf ins Strickfieber

An der Kantonsstrasse in Berikon sollen 115 junge Bäume ein Wollkleid bekommen. Nun wird im Dorf mit grosser Hingabe gestrickt, aber auch Strickbegeisterte aus den Nachbarsdörfern beteiligen sich am grossen Baum-Mäntelchen-Strickprojekt.

Yvonne Steiner
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Berikon ist im Strickfieber
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...am Stricknachmittag im Café des Bürgisserhauses...
...von Kundinnen bei Coiffeur Erdbeerblond...,
...und auch im Haus Morgenstern.

Berikon ist im Strickfieber

Yvonne Steiner

Bereits wurden rund dreissig farbenprächtige Strickarbeiten im Bürgisserhaus abgegeben. Die aus Restenwolle hergestellten Baum-Mäntelchen sind in allen Farben, bunt gemischt, mit einfachen oder ausgeklügelten Mustern gestrickt. Sylvia Huber aus Berikon hat das Projekt im Juni dieses Jahres vorgestellt. Seit den Sommerferien wird nun auf dem Mutschellen fleissig «glismet». «Ich spüre die Begeisterung der Menschen», freut sie sich. So stricken Quartiervereine, Schulklassen der Primar- und Kreisschule, Familien und ortsansässige Geschäfte farbenfrohe Wintermäntel für die jungen Bäume. «Vom Gefühl her bringen wir sicher 100 Baumkleider zusammen», meint Sylvia Huber.

«Die Farbmuster an den Bäumen entlang der 2,5 Kilometer Strasse durch Berikon werden die Menschen während der grauen und trüben Wintertage erfreuen», ist sich Sylvia Huber sicher. Doch bereits das Stricken der bunten Wollblätze bereitet Jung und Alt Freude. Ob im Textilen Werken an den Schulen, zu Hause in der guten Stube oder am Stricknachmittag mittwochs im Café des Bürgisserhauses – es werden Muster ausprobiert, Ideen umgesetzt und mutig drauflosgestrickt. Dennoch: «Nicht alle sind vom Projekt überzeugt», gibt Sylvia Huber offen zu. Sie erntet auch Kopfschütteln aus der Bevölkerung, aber die positiven Reaktionen überwiegen. Das kreative Schaffen, das gemeinsame Umsetzen einer Idee und die sozialen Kontakte begeistern die Mitwirkenden.

Für die Wollkleider werden farbenfrohe Strickstücke mit den Massen 45 cm × 180 cm benötigt. Wollresten stehen gratis im Bürgisserhaus in Berikon zur Verfügung. Bis zum 15. Oktober können dort auch die fertiggestrickten Kunstwerke abgegeben werden. «Wir hängen alle Baumkleider auf», verspricht Sylvia Huber.

Am 26. Oktober besteht die Möglichkeit, bei einer Begehung der Strasse zwischen dem Kreisel Berimärt und dem Kreisel Mattenhof die farbigen Wollkleider an den Bäumen gemeinsam zu bestaunen. Der genaue Ablauf der Vernissage wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Bei einem Versuchsbaum im eigenen Garten konnte Sylvia Huber feststellen, dass die Wollkleidung nach einem halben Jahr, trotz Schnee und Regen, gut erhalten bleibt. «Es kommt auf die Qualität der Wolle und den Salzeinsatz auf der Strasse an, ob die Wollmäntel den Winter hindurch Schaden nehmen», erklärt Huber. Einwandfreie Wollstücke sollen im April 2014, nach der Finissage, zu wärmenden Decken zusammengenäht und an Hilfsbedürftige abgegeben werden. So können die farbenfrohen Werke nochmals Freude bereiten.

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