Turmfalken und Schleiereulen erhalten jetzt auch im südlichen Teil des oberen Freiamtes zusätzliche Wohnungen. Der Natur- und Vogelschutzverein Oberfreiamt (NVVO), der Naturschutzverein Muri und Umgebung (NAMU) und die Landschaftskommission des Regionalplanungsverbandes (Repla) Oberes Freiamt setzen die vor einiger Zeit begonnene Aktion für das Montieren von Nistkästen für Turmfalken und Schleiereulen fort. 

Aus diesem Grund ist Gerhard Vonwil vom NVVO bei den Bauern vorbeigegangen, um sie zu fragen, ob bei ihnen ein solcher Nistkasten platziert werden könnte. «Das Echo war durchweg positiv», freut er sich. Stefan Balmer, Präsident der Landschaftskommission der Repla, zeigt sich dankbar für diese Bereitschaft.

Nur an idealen Standorten

Es sind nämlich die Scheunen, an denen die Nistkästen für Turmfalken montiert werden, und zwar unter dem Giebel. «Die Vögel müssen einen freien Anflug haben und der Nistkasten darf nicht in der prallen Sonne hängen», weiss Detlef Conradin von der Landschaftskommission der Repla. Idealerweise stehen in der Nähe auch Silos oder hohe Bäume, auf denen sich die Turmfalken niederlassen können und von wo sie auf Mäusefang gehen. Das ist nämlich der Nutzen, den die Bauern haben. Ein Turmfalke fängt pro Tag zwei bis drei Mäuse.

Landschaft mit Wert

Urs Stocker von Wundhof in Aettenschwil musste nicht überzeugt werden, an seiner Scheune einen Nistkasten montieren zu lassen. «Der Kasten stört niemanden und ist eine sinnvolle Massnahme auch in ökologischer Hinsicht», sagt er.

Für die Vogel- und Naturschützer wiederum dient das Projekt nicht nur der Förderung der Turmfalken oder der Schleiereulen, sondern auch zur Bewusstseinsbildung, dass eine intakte Landschaft von grossem Wert ist. Beide Vögel sind darauf angewiesen.

Grössere ökologische Flächen in der Kulturlandschaft sind für die Tiere lebensnotwendig. In den letzen Jahren konnten im oberen Freiamt 19 Nistkästen für Turmfalken und 18 für Schleiereulen angebracht werden, elf kommen jetzt im südlicheren Teil noch dazu. «Dann haben wir nur noch im Gebiet Auw-Beinwil eine Lücke», stellt Vonwil fest.

Idealerweise steht im offenen Gelände pro Quadratkilometer ein Nistkasten für Turmfalken zur Verfügung.

Schleiereulen wiederum haben andere Bedürfnisse. Ihr Nistkasten muss im Dunkeln und damit im Innern eines Gebäudes hängen; er wird vom Vogel über ein Einflugloch erreicht.

Die Erfahrungen mit den bisher im oberen Freiamt montierten Nistkästen sind gut. Im Reusstal sind regelmässig jeweils etwa die Hälfte besetzt. «Manchmal braucht es etwas Geduld», weiss Vonwil, «es kann zwei, drei Jahre dauern, bis ein Nistkasten angenommen wird.» Besondere Pflege brauchen sie nicht. Nach etwa zehn Bruten muss man sie ausmisten.